Nicolaes Molenaer

Nicolaes (Klaes) Molenaer (* zwischen 1626 und 1629 in Haarlem; † 31. Dezember 1676 ebenda) war ein niederländischer Maler des Goldenen Zeitalters, der insbesondere für seine Landschaftsbilder und Stadtansichten von Haarlem und seine Winterbilder bekannt wurde.

Familie

Nicolaes Molenaer kam als eines der jüngsten von acht Kindern des Haarlemer Schneiders Jan Miensen Molenaer († 1636) und dessen zweiter Frau Grietgen Adriaens zur Welt. Seine älteren (Halb-)Brüder waren die Maler Jan Miense Molenaer (1610/1611–1668) und Bartholomeus Molenaer (ca. 1618–1650). Seine ältere Schwester Maritge Molenaer war mit dem Maler Pieter Florten verheiratet.

Molenaer heiratete am 13. November 1650 Guyrtgen Jacobsdr († 1675), die ihm zwischen 1662 und 1670 vier Kinder gebar und mit der er in der Spaarnwouderstraat in Haarlem lebte. 1668 fungierte er als Testamentsvollstrecker seiner zeitlebens berühmteren Bruders Jan Miense.

Ausbildung und Wirken

Nach dem frühen Tod seines Vater lebte Molenaer nachweislich zwischen 1637 und 1648 bei seinem gut 16 Jahre älterem Bruder Jan Miense in Amsterdam, dessen Schüler er daher vermutlich auch gewesen ist. Allerdings sind Genreszenen bei ihm eher eine Seltenheit und sein Herz galt der Landschaftsmalerei. Sein erstes datiertes Werk schuf er 1644. Als Mitglied der Lukasgilde ist er seit 1651 in Haarlem verzeichnet und hat seitdem die Stadt nicht mehr verlassen. Durch die produktive Anzahl seiner Landschafts- und Stadtansichten in und um Haarlem herum wurde er in seinen 25 Schaffensjahren dort zu einem angesehenen und beliebten Chronisten. Nach seinem Tode 1676 wurde er auf dem Friedhof der St.-Bavo-Kirche beerdigt.

Stil und Schule

Wie viele Landschaftsmaler der Haarlemer Schule in der Mitte des 17. Jahrhunderts hatte Molenaer eine Vorliebe für "die malerischen Reize schlichter rustikaler Motive". Detailliert und mit hoher Sorgfalt werden Mauerwerke und Holzfassaden wiedergegeben (was als "schilderachtig" geschätzt wurde) und das einfache, bäuerliche Leben ästhetisiert. Ob Waschfrauen, Bettler, Fischer oder Bauern, stets werden einfache Menschen mit ihrem müßig und doch sorglos dargestellten Leben als Staffage in Landschafts-, Dorf- und Stadtbilder eingefügt. "Charakteristisch für Molenaer sind der insgesamt flache und dünnflüssige Farbauftrag mit wenigen pastosen Akzenten und durchscheinender Holzmaserung sowie eine durch die Glanzlichter erzeugte "glasige" Konsistenz der Gegenstände." In seiner frühen Phase (1644–1660) verwendet er dafür ein warmes Kolorit und eine breite, modellierte Pinselführung[1]. Später wendete er sich insbesondere den Winterlandschaften zu, in denen die gefrorenen Gewässer vor den Stadtmauern von verschiedenen Bevölkerungsschichten belebt werden. Bürgerlich gekleidete Menschen und ärmliche Landbevölkerung begegnen sich hier unbeschwert und vertreiben sich die die Zeit bei Schlittenfahrten, Schlittschuhläufen und Eisspielen[2].

Als Vorbilder dienten ihm insbesondere die Landschaften von Jacob van Ruisdael und Allart van Everdingen, mit deren Oevre seine Bilder immer wieder verwechselt wurden.

Gemälde in bedeutenden Sammlungen (Auswahl)

Literatur

  • Alfred von Wurzbach, ''Niederländisches Künstler-Lexikon aufgrund archivalischer Forschungen bearbeite'', Wien 1906–1911, Band 2 (1910), S. 175/176.
  • Ulrich Thieme/Felix Becker, ''Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler : von der Antike bis zur Gegenwart'', Seemann, Leipzig 1907–1950, Band 25 (1931), S. 32.
  • Eberhard König, Wolf Tegethoff, Bénédicte Savoy; Andreas Beyer (Hrsg.), ''Allgemeines Künstlerlexikon : die bildenden Künstler aller Zeiten und Völker'', De Gruyter Saur, München/Berlin, ab 1992, Band 90 (2016), S. 214.
  • Neeltje Köhler, Neeltje/Pieter Biesboer: ''Painting in Haarlem 1500–1850 : the collection of the Frans Hals Museum [2006]'', Ludion, Ghent 2006, S. 239f.
Commons: Nicolaes Molenaer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Klaes Molenaer, "Landschaft mit altem Bauernhaus". In: Hans-Joachim Raupp und Ulrich Großmann (Hrsg.): Niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts der SØR Rusche-Sammlung. Band 3 "Landschaften und Seestücke". LIT-Verlag, Münster/Hamburg/London 2001, ISBN 3-8258-2238-9, S. 160.
  2. Klaes Molenaer, "Winterlandschaft vor den Toren Haarlems". In: Hans-Joachim Raupp und Ulrich Großmann (Hrsg.): Niederländische Malerei im 17. Jahrhundert der SØR Rusche-Sammlung. Band 3 "Landschaften und Seestücke". LIT-Verlag, Münster/Hamburg/London 2001, ISBN 3-8258-2238-9, S. 164.