Nicola Abbagnano
Nicola Abbagnano [abba'ɲa:no] (* 15. Juli 1901 in Salerno, Italien; † 9. September 1990 in Mailand)[1] war ein italienischer Philosoph. Er lehrte von 1936 bis 1976 Philosophiegeschichte in Turin und war Vertreter der Existenzphilosophie.
Leben und Werk
Aus einer wohlhabenden Familie von Salerno stammend, war Abbagnano der älteste Sohn eines Rechtsanwalts und studierte selbst Philosophie an der Universität Neapel. Sein Mentor war der italienische Philosoph Antonio Aliotta. Im November 1922 dissertierte er mit einer Arbeit, die er 1923 unter dem Titel Le sorgenti irrazionali del pensiero veröffentlichte. Danach lehrte er Philosophie und Geschichte am Liceo Umberto I. in Neapel sowie von 1927 bis 1936 Philosophie und Pädagogik am Istituto di Magistero Suor Orsola Benincasa. 1936 wechselte er als Professor für Philosophiegeschichte an die Pädagogische Hochschule von Turin. Das gleiche Fach unterrichtete er von 1939 bis zu seiner Emeritierung 1976 an der Fakultät für Literatur und Philosophie der Universität Turin. Hier wurde er zu einer zentralen Figur der italienischen Philosophiekultur. Er schloss Freundschaften u. a. mit Literaten wie Cesare Pavese, Malern wie Casorati und Philosophen wie dem betagten Gioele Solari. Bald nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs half er bei der Gründung des Turiner Zentrums für methodologische Studien. Ab 1952 war er zusammen mit Norberto Bobbio Herausgeber der Zeitschrift Rivista di filosofia. 1964 wurde er Redakteur der Turiner Zeitung La Stampa. 1972 zog er nach Mailand und schrieb Beiträge für Indro Montanellis Giornale. Für die liberale Partei amtierte er auch als Stadtrat von Mailand. Er starb 1990 in derselben Stadt im Alter von 89 Jahren und wurde auf dem Friedhof von Santa Margherita Ligure beigesetzt.[2]
Abbagnano war ein führender Vertreter der Existenzphilosophie. Er setzte sich kritisch mit der Philosophie von Martin Heidegger, Karl Jaspers und Jean-Paul Sartre auseinander, polemisierte gegen den Neuhegelianismus und entwickelte seine Lehre eines „strukturellen“ oder „positiven“ Existentialismus.[3] Demnach ist Existenz „Seinssuche“, in welcher der Mensch unmittelbar engagiert ist. Existentielle Entscheidungen seien der Versuch, im Jetzt eine „Einheit“ zwischen Vergangenheit und Zukunft zu finden.[4]
Schriften (Auswahl)
- Le sorgenti irrazionali del pensiero. Neapel 1923. Dissertation.
- Il problema dell’arte. Neapel 1925.
- Il nuovo idealismo inglese e americano. Neapel 1927.
- La filosofia di E. Meyerson e la logica dell’identità. Neapel / Città di Castello 1929
- Guglielmo di Ockham. Lanciano, 1931.
- La nozione del tempo secondo Aristotele. Lanciano 1933.
- La fisica nuova. Fondamenti di una nuova teoria della scienza. Neapel 1934.
- Il principio della metafisica. Neapel 1936.
- La struttura dell’esistenza. Turin 1939.
- Bernardino Telesio e la filosofia del Rinascimento. Mailand 1941.
- Introduzione all’esistenzialismo. Mailand 1942.
- Philosophie des menschlichen Konflikts. Eine Einführung in den Existentialismus. Übersetzt von Ernesto Grassi und Rudolf Ringguth. Rowohlt, Reinbek 1957 (= rowohlts deutsche enzyklopädie. Band 43).
- Filosofia, religione, scienza. Turin 1947.
- L’esistenzialismo positivo. Olumlu Varoluşçuluk, Turin 1948.
- Possibilità e libertà. Olanaklılık ve Özgürlük, Turin 1956.
- Storia della filosofia. Felsefe Tarihi, Turin 1966.
- Per o contro l’uomo. Mailand, 1968.
- Fra il tutto e il nulla. Mailand 1973.
- Questa pazza filosofia ovvero l’Io prigioniero. Mailand 1979.
- a saggezza della filosofia. I problemi della nostra vita. Mailand 1987.
- Dizionario di filosofia. Turin 1987.
- Ricordi di un filosofo. Mailand 1990. Autobiographie.
- Scritti neoilluministici. Turin 2001.
Literatur
- Abbagnano, Nicola, in: Brockhaus Enzyklopädie, 21. Auflage, 2005–2006, Bd. 1, S. 22.
- Abbagnano, Nicola, in: Meyers Enzyklopädisches Lexikon, 9. Auflage, 1971–79, Bd. 1, S. 20.
Weblinks
- Nicola Abbagnano, in: Dizionario filosofico-religioso italiano
- Nicola Abbagnano, auf accademiadellescienze.it, Accademia delle Scienze di Torino.
Einzelnachweise
- ↑ Biographical Dictionary of Twentieth-Century Philosophers. Routledge, London 1996, ISBN 0-415-06043-5, S. 2–3.
- ↑ Nicola Abbagnano auf abbagnanofilosofo.it.
- ↑ Abbagnano, Nicola, in: Brockhaus Enzyklopädie, 21. Auflage, 2005–2006, Bd. 1, S. 22.
- ↑ Nicola Abbagnano (1901 – 1990) | Philosophenlexikon.de. Abgerufen am 8. Mai 2024 (deutsch).