Nicht frei von Sünde

Nicht frei von Sünde ist ein Kriminalroman des irischen Autors John Banville, den er 2006 unter dem Pseudonym Benjamin Black bei Macmillan in London veröffentlichte. Ins Deutsche übersetzt wurde er von Christa Schuenke. Der Roman mit dem englischen Original-Titel Christine Falls ist das Debüt Banvilles, der ein Jahr zuvor für The Sea mit dem Booker-Preis ausgezeichnet worden war, als Kriminal-Autor. Der Roman ist der erste Band einer Serie von sechs Kriminalromanen mit Dr. Quirke als Protagonisten. Mit den beiden folgenden Romanen „Der silberne Schwan“ (The Silver Swan, 2008) und „Eine Frau verschwindet“ (Elegy for April, 2010) bildet er die Trilogie „Quirke ermittelt“.

Handlung

Irland in den 1950er Jahren. Der Pathologe Quirke, ein Kettenraucher und Trinker, arbeitet in einer Geburtsklinik in Dublin, die von seinem Schwager Malachy geleitet wird. Die Familienverhältnisse Quirkes sind kompliziert. Sein Vater ist der einflussreiche und erzkonservative Richter Griffin, der ihn als Kind in einem Bostoner Waisenhaus untergebracht hatte, wo Quirke eine schreckliche Kindheit verbrachte. Nachdem der Vater ihn nach Dublin zurückgeholt hatte, wächst er zusammen mit seinem Halbbruder Malachy auf. Quirke war mit einer Amerikanerin aus reichem Bostoner Haus verheiratet, die bei der Geburt des ersten Kindes verstorben ist. Malachy ist mit der Schwester seiner verstorbenen Frau verheiratet, in die Quirke sehr verliebt war und selbst gerne geheiratet hätte. Malachy und seine Frau haben eine gemeinsame Tochter, Phoebe, die gegen die strengen Regeln ihres Vaters rebelliert, die zu Quirke aber eine vertrauensvolle Beziehung hat.

Als Quirke eines Nachts angetrunken in den Räumen der Pathologie auftaucht, findet er dort unerwartet Malachy vor, den Klinikchef, der sich mit einer Akte beschäftigt. Als Quirke später die Akte kontrolliert, stellt er fest, dass der Totenschein der Frau gefälscht wurde, die nicht vermeintlich an einer Embolie, sondern bei einem Schwangerschaftsabbruch gestorben ist. Quirke wird misstrauisch. Er stellt Nachforschungen über die Verstorbene, Christine Falls, an. Sie war eine frühere Hausgehilfin der Griffins und hatte bei einer Dolly Moran gewohnt, ebenfalls eine ehemalige Angestellte der Griffins, die illegale Abtreibungen vorgenommen hat, und die mit Quirke reden will. Sie wird wenig später ermordet, bevor Quirke sie weiter befragen kann. Er trinkt viel, und er wird bedroht und zusammengeschlagen, als er trotz Malachys Warnungen, seine Finger von dem Fall zu lassen, nicht aufgibt. Wegen seines desolaten Zustands schickt ihn die Familie zusammen mit seiner Nichte Phoebe zu den Bostoner Verwandten.

In Boston werden die Erinnerungen an seine Zeit im Waisenhaus wieder wach. Er findet heraus, dass es Verbindungen zwischen den Griffins, seinen Schwiegereltern und Nonnenklöstern in Irland und Boston gibt. Er stößt im Zusammenhang auf einen florierenden Babyhandel, in die das Kloster und sein sittenstrenger, selbstherrlicher Schwiegervater verwickelt sind, auch auf dunkle Familiengeheimnisse, und die Beziehung zu Phoebe, der er endlich die Wahrheit über ihre Herkunft erzählt, geht zu Bruch.

Rezeption

Das Buch wurde als erster Kriminalroman für Dublin One Book (2026) ausgewählt, ein Projekt des Dublin City Council, unter Federführung der Dublin City Libraries und der Dublin Unesco City of Literature. Zu diesem Anlass bringt der Verlag Faber 2026 eine neue Ausgabe des Buchs nicht unter dem Pseudonym, sondern unter dem Namen John Banville heraus.[1]

Kritik

Der Roman erhielt bei seinem Erscheinen in Großbritannien, den USA und in Irland durchweg positive Kritiken. Die New York Times nennt den Roman einen „swirling, elegant noir“.[2]

Michael Dibdin vom Guardian widmete dem Buch eine ausführliche Besprechung. Er lobt die Präzision und Glaubhaftigkeit in der Gestaltung der Protagonisten und die Atmosphäre, die man „förmlich riechen“ könne.[3]

Patricia Craig vom Independent schreibt, das sei zwar der erste Thriller Banvilles, man sollte aber bedenken, dass alle seine früheren Romane in einer dunklen und gefährlichen Welt voller Geheimnisse und Melodramen spielten, dem Gegensatz von Chaos und Ordnung, der für das Krimi-Genre wesentlich sei. Dublins heimliche Verbindungen von Kneipen und Erbarmen und Priesterpomp belebe die Geschichte. Lesen können man den Roman als einen Krimi, aber auch als Tribut an die Opfer eines abgefeimten Fanatismus und Kindesmissbrauchs.[4]

In Deutschland wurde der Roman mehrheitlich negativ aufgenommen. Der Kritiker des Cicero schreibt ihm einen Verriss, das Buch sei nämlich kein Kriminalroman, „sondern etwas Älteres: Es ist ein Schauerroman, gruselig, unheimlich und dunkel wie die Pathologie im Holy Family Hospital.“ Blacks Buch sei weniger für Krimi-Leser, die das Lakonische der Gattung schätzten, „sondern mehr für Leser, die sich gerne durch einen Schinken durchfressen, der besonders gute Stellen hat, der aber manchmal zu fett und zu lang geraten ist“.[5]

Eberhard Knörer urteilt nach einer ausführlichen Analyse des Romans etwas milder: „"Nicht frei von Sünde" ist gewiss kein Kunstwerk, aber schon ein ordentlicher Kriminalroman. Allzu ordentlich vielleicht. Auf jeden Fall aber, angesichts des Kalibers des Autors John Banville, nicht außerordentlich genug.“[6]

Verfilmung

Der Roman war Grundlage des Drehbuchs der ersten Episode der dreiteiligen Miniserie Der Pathologe - Mörderisches Dublin, die 2013 unter der Regie John Alexander von der BBC produziert wurde. Die Hauptrolle des Pathologen Quirke spielt Gabriel Byrne.[7]

Ausgaben

John Banville als Benjamin Black:

  • Christine Falls. Macmillan, London 2006. (Erstausgabe).
  • Nicht frei von Sünde. Kriminalroman aus Dublin. Aus dem Englischen von Christa Schuenke. Kiepenheuer & Witsch, 2007.
Hörbuch
  • John Banville: Christine Falls. Audiobook. Narrator: Timothy Dalton. Macmillan, London 2007.
  • Nicht frei von Sünde: Lesung. Gekürzte Fassung, gelesen von Dietmar Bär. Lübbe Audio. (Hörbuch 11.) Lübbe, 2007.

Einzelnachweise

  1. Christine Falls by John Banville is One Dublin One Book choice for 2026 The Irish Times, 14. November 2025, abgerufen am 26. November 2025
  2. Janet Maslin: Dubliners Gone Noir in Those Shame-Based 1950s The New York Times, März 2007, abgerufen am 28. November 2025, paywall
  3. Michael Dibdin: Dark deeds in Dublin The Guardian, 8. October 2006, abgerufen am 26. November 2025
  4. Patricia Crain: Christine Falls, by Benjamin Black, Independent, 13. Oktober 2006, abgerufen am 28. November 2025
  5. Gemütlich büßen in Irland cicero-online, abgerufen am 26. November 2025
  6. Babys für Boston zitiert aus: perlentaucher.de, abgerufen am 26. November 2025
  7. Nikolas Festenberg: BBC-Krimi: „Mörderisches Dublin“ ist ein herrlicher Sturz in die Whisky-Gläser der irren irischen 1950er Jahre Tagesspiegel, 23. August 2014, abgerufen am 28. November 2025