Neutralisation (Radsport)

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Die Neutralisation ist eine Phase eines Radrennens, bei der die Fahrt kontrolliert begonnen oder fortgesetzt wird, das eigentliche Rennen jedoch noch nicht gestartet oder unterbrochen ist und keine Wertungen erfolgen. Oft betrifft es die Startphase des Rennens. Die Regeln der Neutralisation kommen vor allem im Straßenradsport und im Bahnradsport zur Anwendung.

Straßenradsport

Neutralisierter Start

Am häufigsten ist die Neutralisation beim Straßenradsport: Auf der Strecke vom neutralisierten Start bis zum Rennstart darf kein Angriff erfolgen, die Fahrer dürfen das vorausfahrende Fahrzeug des Rennleiters nicht überholen. Die Neutralisation ist besonders bei Etappenrennen häufig, um die Sturzgefahr zu reduzieren,[1] kommt aber auch bei Eintagesrennen vor wie Mailand–Sanremo, der Flandern-Rundfahrt oder Paris–Roubaix.

Eine Neutralisation sorgt für eine ruhigere Startphase, was die Sicherheit erhöht und zugleich das Erlebnis für die Zuschauer verbessert. Denn einerseits passiert das Fahrerfeld die Zuschauer gemächlich, und andererseits kann trotz verwinkelter, enger Straßen in Innenstädten gestartet werden, wo die Sturzgefahr bei vielen Fahrern besonders groß ist. Eine hohe Attraktivität für die Zuschauer liegt auch im Interesse der gastgebenden Startorte.

Bei Rennstart – meist außerhalb von Ortschaften auf breiten, geraden Strecken – sind die Fahrer nach einem neutralisierten Start schon aufgewärmt. Eine Neutralisation kann sich über eine Strecke von einem bis zu zehn Kilometern hinziehen. Auf diesem Streckenteil wird das Fahrerfeld vom Rennleiter angeführt, der das Tempo bestimmt.[1][2]

Neutralisation während des Rennens

In ihrem Reglement[3] sieht die Union Cycliste Internationale – neben einer Rennunterbrechung und dem Rennabbruch – die Neutralisation als eine Möglichkeit, auf ein unvorhersehbares Ereignis zu reagieren. Im Gegensatz zu Rennabbruch oder -unterbrechung wird bei der Neutralisation die Fahrt fortgesetzt, jedoch mit verminderter Geschwindigkeit unter Kontrolle der Rennleitung. Wertungen erfolgen während einer Neutralisationsphase nicht. Je nach Entscheidung der Rennleitung kann nach der Neutralisation das Rennen wie beim neutralisierten Start neu gestartet, aber auch angehalten und unterbrochen oder abgebrochen werden. Auch die neutralisierte Fahrt bis ins Ziel ist möglich.

Oft sind Wetterbedingungen ein Grund für eine Neutralisation, um mit einer langsamen Fahrt die Unfallgefahr zu verringern.[1] Neben dem Wetter sind Massenstürze der Anlass für eine Neutralisation: Einerseits kann ein Mangel an Rettungsfahrzeugen die Neutralisation erfordern, um die Gefahr weiterer Unfälle zu minimieren. Andererseits kann gestürzten Fahrern die Möglichkeit eingeräumt werden, wieder zum langsam fahrenden Hauptfeld aufzuschließen. Häufig treten Schlechtwetter und Massenstürze in Kombination auf. So fuhren zum Beispiel die Fahrer auf der fünften Etappe des Critérium du Dauphiné 2024 nach einem Massensturz neutralisiert bis ins Ziel.[4] 2025 wurden auf der vierten Etappe von Paris–Nizza Teile der Strecke aufgrund eines Unwetters neutralisiert zurückgelegt.[5] Auf der 6. Etappe des Giro d’Italia 2025 kam es nach 155 Kilometern auf rutschigen, regennassen Straßen zu einem Massensturz, worauf die Etappe zunächst neutralisiert wurde.[6] Zudem haben in anderen Fällen auch schon die Fahrer selbst entschieden, aufgrund schlechten Wetters oder Sicherheitsbedenken gemeinsam neutralisiert ins Ziel zu rollen.[1]

Umgangssprachlich wird in den Medien der Begriff der Neutralisation häufig weniger präzise gebraucht und als Oberbegriff für jegliche Art einer Unterbrechung des Rennverlaufs verwendet. Auch findet er Anwendung als Synonym für die Annullierung der Ergebnisse eines Rennens.

Bahnradsport

Auch im Bahnradsport können Massenstarts mit einer oder mehreren neutralisierten Runden erfolgen, so dass es zu einem sogenannten fliegenden Start kommt.[7.1]

Bei Stürzen zahlreicher Fahrer nach Massenstart kann das Rennen durch die Rennleitung neutralisiert werden: Die verbliebenen Fahrer müssen geschlossen weiterfahren, bis dass neutralisierte Rennen wieder freigegeben wird. Die neutralisierte Phase wird mit einer gelben Fahne angezeigt. Nach Stürzen, Defekten oder anderen Rennvorfällen können einzelne Fahrer eine Neutralisation und eine Laufwiederholung verlangen.[7.2] Während des letzten Rennkilometers können neutralisierte Fahrer das Rennen nicht wieder aufnehmen und werden anhand der erreichten Punkte zum Zeitpunkt des Sturzes oder Defektes gewertet.[7.3]

Beim Zweier-Mannschaftsfahren gilt der abgelöste Fahrer als neutralisiert.[8]

Einzelnachweise

  1. a b c d Radsport Neutralisation. In: Sportlexikon. 9. Februar 2023, abgerufen am 1. Juni 2024.
  2. Wilhelm Schröder: Warum haben die Etappen der Tour de France neutralisierte Starts? In: DH-Radsport Team Austria. 22. Juli 2023, abgerufen am 1. Juni 2024.
  3. Regulations, Part II - Road Races, 2.2.029 Race incidents. Union Cycliste Internationale, abgerufen am 20. Oktober 2025 (englisch).
  4. Massensturz bei Critérium du Dauphiné: 5. Etappe nach Sturz von vielen Fahrern neutralisiert. sportschau.de, 6. Juni 2024, abgerufen am 20. Oktober 2025.
  5. 4. Etappe bei Paris-Nizza wegen Unwetters unterbrochen. radsport-news.com, 12. März 2025, abgerufen am 20. Oktober 2025.
  6. Giro d'Italia: Jai Hindley raus - Massensturz überschattet Kaden Groves' Sieg. In: sportschau.de. 15. Mai 2025, abgerufen am 15. Mai 2025.
  7. Wettkampfbestimmungen für den Bahnrennsport. (PDF) In: rad-net.de. Bund Deutscher Radfahrer, 2021, abgerufen am 17. Juni 2024.
    1. S. 12
    2. S. 14 f.
    3. S. 27
  8. Infos & Regeln. In: Rad-net.de. Abgerufen am 17. Juni 2024.