Stadthaus (Potsdam)

Das Potsdamer Stadthaus an der Friedrich-Ebert-Straße 79–81 ist Rathaus der Stadt, Sitz der Stadtverwaltung und des Oberbürgermeisters. Seit 1947 ersetzt es in dieser Funktion das damals schwer kriegsbeschädigte, später aber wieder aufgebaute, kleinere Alte Rathaus und wird daher auch als Neues Rathaus bezeichnet.

Nutzung

Das Stadthaus umfasst 478 Räume, darunter ein repräsentatives Treppenhaus, den Plenarsaal, die Verwaltungsbibliothek, den Eheschließungssalon und den Blauen Salon.[1]

Geschichte

Das Gebäude entstand zwischen 1902 und 1907 als „Regierungsgebäude“ für den Regierungsbezirk Potsdam. Baupläne stammten vom Oberbaurat Paul Kieschke,[2] nach dessen frühem Tod wurde die Feinplanung dann dem Stadtbauinspektor Traugott von Saltzwedel übertragen, der auch die Bauarbeiten leitete. Zusätzlich kamen weitere Bauleiter zum Einsatz. Die Gründungsarbeiten begannen im Herbst 1902 und erwiesen sich aufgrund des schwierigen Baugrundes als problematisch. Der Baukomplex bestand aus dem eigentlichen Verwaltungsbau (=Hauptgebäude), einem angeschlossenen Wohngebäude und einem Stallgebäude. Das Hauptgebäude ist viergeschossig, wobei jede Etage unterschiedliche Bauhöhen aufweist. Das Untergeschoss enthielt Dienstwohnungen, Wirtschafts- und Lagerräume sowie Arbeitsräume für einige Fachabteilungen. Im Zentrum der Hauptfront ist der große Sitzungssaal angeordnet. Wohnungen befinden sich auf zwei Etagen des Wohngebäudetraktes, dazu Festräume und Wirtschaftsräume samt Sanitäreinrichtungen. Die Fassaden an der ehemaligen Spandauer Straße sind mit Sandstein verkleidet, ebenso wie die deutlich sichtbaren Treppentürme (ein nördlicher, ein südlicher). Das Foyer ist eine 16 Meter hohe Treppenhalle, die mit einem Moniergewölbe eingedeckt ist. Der Hauptsitzungssaal hat einen ovalen Grundriss, deren Schmalseiten durch Galerienischen unterbrochen sind. Die Wände und Decke sind mit Figurengruppen, Säulen, Gemälden und Reliefs namhafter Bildhauer geschmückt.[3]

Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Gebäude keine größeren Schäden und konnte nach Kriegsende wieder für die Stadtverwaltung nutzbar gemacht werden. Seit 1947 ist es Sitz unterschiedlicher Verwaltungsgremien der Stadt Potsdam.[4][5]

Eine im Jahre 2015 begonnene und mit 10 Millionen Euro veranschlagte Teilsanierung des Gebäudes wurde 2018 abgeschlossen.[6] Weitere Sanierungsmaßnahmen sollten folgen.[7]

Stadtverordnetenversammlung

Sitzverteilung in der
Potsdamer Stadtverordnetenversammlung 2024
Insgesamt 56 Sitze

Die Amtsperiode der Stadtverordnetenversammlung beträgt fünf Jahre. Nach der Wahl muss die neue Versammlung spätestens am 30. Tag danach zusammentreten.[8] Die Stadtverordnetenversammlung ist das Hauptorgan der Stadtverwaltung und die Vertretung der Bürger. Die Bezeichnung des Vorsitzenden war von 1990 bis 1999 Stadtpräsident und ist seither Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung. Der Vorsitzende wird von den Stadtverordneten aus ihrer Mitte gewählt.

Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Potsdam hat 56 Mitglieder, die sich seit der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 (Wahlbeteiligung: 62,3 %) auf die einzelnen Parteien/Wählergruppen wie rechts dargestellt verteilen.[9] Die Fraktionen SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke bilden die sogenannte Rathauskooperation, die die Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung stellt.[10]

Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung ist Pete Heuer von der SPD-Fraktion. Die Vorsitzenden seit 1990 sind in folgender Tabelle gelistet:

Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung
1990–1993: Helmut Przybilski (SPD)
1994–2008: Birgit Müller (PDS/Linke)
2008–2014: Peter Schüler (Grüne)
2014–2019: Birgit Müller (Linke)
2019–2024: Pete Heuer (SPD)
seit 2024: Hagen Wegewitz (SPD)

Oberbürgermeister und Beigeordnete

Die Amtszeit des Potsdamer Oberbürgermeisters beträgt acht Jahre.

Aus der Oberbürgermeisterwahl am 21. September 2025 gelangten Noosha Aubel (parteilos) und Severin Fischer (SPD) in die Stichwahl, die Aubel am 12. Oktober 2025 mit 72,9 % gewann.[11][12]

Partei Name Amtsbezeichnung/Funktion Geschäftsbereich (GB)
Parteilos Noosha Aubel Oberbürgermeisterin
SPD Burkhard Exner Bürgermeister (Stellv. OB) GB 1 – Finanzen, Investitionen und Controlling
Parteilos Torsten Wiegel Beigeordneter GB 2 – Bildung, Kultur, Jugend und Sport
SPD Brigitte Meier Beigeordnete GB 3 – Ordnung, Sicherheit, Soziales und Gesundheit
Parteilos Bernd Rubelt Beigeordneter GB 4 – Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Umwelt
SPD Dieter Jetschmanegg Dezernent GB 5 – Zentrale Verwaltung

(Stand: Oktober 2025)[13]

Oberbürgermeister Oberbürgermeister Oberbürgermeister
1809–1821 Jakob Brunner 1945: Friedrich Bestehorn 2002–2018: Jann Jakobs (SPD)
1821–1844: Wilhelm St. Paul 1945: Heinz Zahn 2018–2025: Mike Schubert (SPD)
1844–1848: Wilhelm Krüger 1945–1950: Walter Paul (SED)[14] seit 2025: Noosha Aubel (parteilos)
1848–1851: B. Gobbin 1951–1957: Kurt Promnitz (SED)
1851–1878: Alexander Beyer 1957–1961: Wilhelm Rescher (SED)
1878–1897: Reinhold Boie 1961–1984: Brunhilde Hanke (SED)
1897–1905: Richard Jaehne 1984–1989: Wilfried Seidel (SED)
1906–1923: Kurt Vosberg 1989–1990: Manfred Bille (SED)
1924–1934: Arno Rauscher (DNVP) 1990–1998: Horst Gramlich (SPD)
1934–1945: Hans Friedrichs (NSDAP) 1998–2002: Matthias Platzeck (SPD)
Commons: Stadthaus Potsdam – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Rathaus der Landeshauptstadt Potsdam. In: potsdam.de. Landeshauptstadt Potsdam, abgerufen am 13. Oktober 2025.
  2. Die neuen Regierungsgebäude in Potsdam, Minden und Koblenz. In: Zentralblatt der Bauverwaltung. Nr. 35, 1903, S. 213–216 (zlb.de).
  3. Neues Regierungsgebäude in Potsdam. In: Zentralblatt der Bauverwaltung. Nr. 2, 1908, S. 9–11 (zlb.de).
  4. Stadthaus der Landeshauptstadt Potsdam. potsdam.de
  5. Harter Clinch ums Preußenerbe. In: Berliner Zeitung, 6. Mai 1996.
  6. Undichte Fenster und marode-Büro-Räume. Potsdamer Neueste Nachrichten, 2. Februar 2015.
  7. Stadtentwicklung in Potsdam: Verwaltungscampus muss saniert werden. MAZ Online, 6. Dezember 2017.
  8. § 4 des Brandenburgischen Kommunalwahlgesetzes. bravors.brandenburg.de
  9. Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019. wahlergebnisse.brandenburg.de
  10. Potsdam hat eine rot-grün-rote Rathauskooperation. Rundfunk Berlin-Brandenburg, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 28. Oktober 2019; abgerufen am 21. Mai 2023.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rbb24.de
  11. 447 | Endgültiges Ergebnis der Oberbürgermeisterwahl | Landeshauptstadt Potsdam. 25. September 2025, abgerufen am 26. Oktober 2025.
  12. 478 | Noosha Aubel gewinnt Oberbürgermeisterwahl in Potsdam | Landeshauptstadt Potsdam. 12. Oktober 2025, abgerufen am 26. Oktober 2025.
  13. Beigeordnete der Stadt Potsdam. In: potsdam.de. Abgerufen am 10. Januar 2021.
  14. Sigrid Grabner, Hendrik Röder, Thomas Wernicke (Hrsg.): Potsdam 1945–1989. Zwischen Anpassung und Aufbegehren. Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung, Potsdam 1999, S. 21, ISBN 3-932502-17-5 (PDF; 1,3 MB)

Koordinaten: 52° 24′ 19,5″ N, 13° 3′ 27,6″ O