Neue Synagoge Peine

Die Neue Synagoge in Peine befand sich von 1907 bis 1938 an der Kreuzung Bodenstedtstraße und Goethestraße in Peine.

Geschichte

Die jüdische Gemeinde in Peine bestand seit der Frühen Neuzeit, bereits ab 1714 existierte eine Synagoge auf dem Grundstück Damm 12. Mit dem stetigen Wachstum der Gemeinde, die auch wohlhabend war, entstand der Wunsch nach einer größeren und repräsentativen Synagoge. Ab 1905 wurde das Gebäude nach Plänen des hannoverschen Architekten F. Rudolf Vogel errichtet. Die Neue Synagoge wurde schließlich 1907 geweiht und umfasste auch eine Lehrerwohnung sowie einen Schulraum.[1]

Baubeschreibung

Die Synagoge in Peine war ein repräsentativer, monumentaler Backsteinbau, der sich deutlich von der umliegenden Wohnbebauung abhob. Der Bau folgte einem symmetrischen Grundkonzept und war als städtischer Sakralbau klar erkennbar.

Die Straßenfassade wurde von einem breiten Mittelrisalit geprägt, der in einem geschwungen, halbachtseitigen Giebel endete. In dessen Zentrum befand sich ein großes Rundfenster mit ornamentaler Ausgestaltung (Rosette), das den Hauptraum belichtete. Darunter lag ein hochgezogenes, rundbogiges Eingangsportal mit vorgelagerter Freitreppe. Die Fassadenflächen bestanden aus sorgfältig gemauertem Ziegelwerk, das durch helle Werksteingliederungen und ornamentale Zierbänder akzentuiert war.

Über dem zentralen Baukörper erhob sich eine dominante Kuppel, flankiert von niedrigeren, halbrunden Dachformen über den Seitenbereichen. Diese Kombination verlieh der Synagoge eine markante Silhouette und verwies bewusst auf orientalisch-maurische Architekturelemente. Die Seitenfassaden waren durch regelmäßig angeordnete Rundbogenfenster gegliedert, die in gleichmäßigen Abständen angeordnet waren und den großen Betsaal im Inneren mit Tageslicht versorgten.[2]

Zerstörung

In der Pogromnacht von 1938 beziehungsweise am Morgen des 10. November 1938 wurde die Synagoge von Peiner und Braunschweiger SS-Männern schwer beschädigt, das Mobiliar zerstört und die Ritualgegenstände vernichtet oder geraubt. Die Synagoge wurde schließlich in Brand gesetzt. Viele der verbliebenen Gemeindemitglieder wurden von Gestapo und Polizei verhaftet und später deportiert, ihre Häuser und Geschäfte beschlagnahmt. Bevor die Synagoge angezündet wurde, ermordete SS-Oberscharführer Paul Szustak, einer der Täter der Rieseberg-Morde von 1933, den 17-jährigen Juden Hans Marburger vor dem jüdischen Gotteshaus.[3]

Die Reste des Gebäudes wurden Ende 1938 abgerissen, die Kosten wurden der jüdischen Gemeinde von der Stadt Peine in Rechnung gestellt.[4]

Erinnerung und Gedenken

Paul Szustak wurde 1949 vor dem Schwurgericht Hildesheim wegen Mordes, schwerer Brandstiftung und Freiheitsberaubung zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt.[5]

Am Standort der ehemaligen Synagoge wurde ein Gedenkort mit Tafeln und einer Stele errichtet, um an die zerstörte Synagoge der jüdischen Gemeinde und an ihre Opfer zu erinnern. Hervorgehoben wird dabei Hans Marburger, nachdem heute auch der nördliche Teil der Bodenstedtstraße benannt ist. Die Gestaltung des Platzes war seit 1948 bis in die 1980er Jahre Gegenstand von Diskussionen in Peine.[6]

Siehe auch

Commons: Neue Synagoge Peine – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Herbert Obenaus, David Bankier, Daniel Fraenkel: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 978-3-89244-753-5, S. 1271–1279.
  2. Die Baubeschreibung beruht auf den erhaltenen Fotografien bspw. auf juedische-gemeinden.de
  3. Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1283.
  4. Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1283.
  5. Prozessakten über Verbrechen in der Reichsprogromnacht übergeben. In: Stadt Peine. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
  6. Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1286–1287.

Koordinaten: 52° 19′ 24,4″ N, 10° 13′ 53,8″ O