Neue Synagoge (Essen)

Die Neue Synagoge an der Sedanstraße 46 im Essener Südostviertel wurde 1959 fertiggestellt. Seit 1999 steht sie unter Denkmalschutz.[1]

Geschichte

Jüdisches Jugendheim an gleicher Stelle

Zuvor befand sich am Ort der heutigen Essener Synagoge ein jüdisches Jugendheim, das 1931/1932 nach Plänen des Architekten Erich Mendelsohn erbaut worden war. Am 18. Februar 1931 fand im Haus der Technik durch den Verein Jüdisches Jugendheim eine Versammlung unter dem Vorsitz des Rabbiners Hugo Hahn (1893–1967) mit Vertretern der Stadtverwaltung statt. Man wollte den 72 gefallenen jüdischen Gemeindemitgliedern aus dem Ersten Weltkrieg ein Denkmal errichten und fand nicht die passende Ausführung. So sollte das noch zu errichtende Jugendheim zur Erkräftigung der Jugend zugleich Ehrenmal der Gefallenen sein. Das Jugendheim sollte das Zentrum des geistigen Lebens der Gemeinde werden. In Übereinkunft mit der Stadtverwaltung hatte die jüdische Gemeinde bereits das Grundstück von der Stadt erworben.[2] Im Frühjahr 1931 begannen die Ausschachtungsarbeiten für das Gebäude. An das viergeschossige Jugendheim schloss sich eine Turnhalle an, die mit Bühne zu einem 400 Personen fassenden Saal für Konzerte, Aufführungen und Vorträge umgestaltet werden konnte. In dem viergeschossigen Haupthaus befanden sich eine Bibliothek mit Leseräumen, Unterrichtsräume, ein Musik- und Betsaal, Gruppen- und Handwerksräume. Ein Speisesaal mit einer Wirtschafts- und Lehrküche für Mädchen ergänzte das Haus in einem eingeschossigen, halbrunden Vorbau. Die Baukosten wurden vom Verein Jüdisches Jugendheim (Kriegergedächtnisstiftung) e. V. aus Spenden und Zuschüssen der Synagogengemeinde Essen getragen.[3]

Nachdem das Gebäude im Juni 1933 erstmals durch die Hitlerjugend besetzt worden war, wurde es in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 durch Brandanschläge der Nationalsozialisten zerstört. Bei Bauarbeiten nahe der heutigen Synagoge wurden im Jahr 2025 die nördliche, die westliche und die südliche Außenmauer samt Fundament des einstigen Jugendheims entdeckt und eindeutig identifiziert. Auch Brandreste, die aus den Anschlägen in der Pogromnacht stammen, waren zu finden. Damit wird zudem die Propaganda der Nationalsozialisten widerlegt, dass das Gebäude nach den Anschlägen vollständig abgetragen worden sei, um keine Erinnerungen an die jüdische Gemeinde übrig zu lassen. Erhalten sind auch helle, langschmale Holzziegel als Reste der nördlichen, ehemals eindrucksvollen Fassade. Der damalige Gemeinderabbiner Hugo Hahn, der sich für die Errichtung des Jugendhauses engagiert hatte, bezeichnete das Gebäude als schönstes Jugendheim Deutschlands. Ein Großteil der Reste konnte nach den Bauarbeiten im Boden verbleiben.[4]

Neubau der Synagoge

Bis 1938 nutzte die jüdische Gemeinde von Essen die große Synagoge an der Steeler Straße 29, die während der Novemberpogrome 1938 durch Brandstiftung schwer beschädigt wurde. Die in der Zeit des Nationalsozialismus stark dezimierte jüdische Gemeinde nutzte in der Nachkriegszeit zunächst das erhalten gebliebene Rabbinerhaus an der Alten Synagoge als Gebetshaus.

Die Gemeinschaft entschloss sich Ende der 1950er Jahre zu einem Neubau, der zu einem großen Teil durch amerikanische Spenden finanziert wurde. Die neue Synagoge wurde 1959 zusammen mit dem Gemeindezentrum nach Entwürfen der Architekten Dieter Knoblauch und Heinz Heise fertiggestellt und am 21. Oktober 1959 eröffnet. Der neue jüdische Sakralbau wurde nach dem Vorbild der von Erich Mendelsohn erbauten Park Synagogue in Cleveland errichtet.

Am 14. und 20. November 2020 hat ein unbekannter Täter einen Betonblock auf ein Fenster der Essener Kultusgemeinde geworfen. Wenige Tage später wurde eine schwere Steinplatte auf die Neue Synagoge in Essen geworfen, wodurch insgesamt zwei Scheiben beschädigt wurden. Die Polizei ging davon aus, dass die Beschädigungen vom selben Täter ausgingen.[5][6]

Beschreibung

Der Gebäudekomplex ruht auf einem keilförmigen Grundstück und besteht aus einer kreisrunden, halbkugeligen Schale[7] und mehreren Kuben. Die eigentliche Synagoge hat keine Fenster, sondern erhält ihr Licht nur durch Glasbausteinfelder, die in die Kuppel eingelegt sind. Damit ist dieser Synagogenbau in Deutschland einzigartig und gilt als einer der markantesten der 1950er Jahre.[7]

Der Haupteingang der Synagoge befindet sich in einem kleinen Querbau, der der Kuppel vorgelagert ist. Die Synagoge besteht aus einer halbkugelförmigen Kuppel, die mit Kupferblech eingedeckt ist. Sie bietet etwa 200 Gläubigen Platz. Im Kellergeschoss befindet sich die Mikwe. Kurt Lewy schuf die Buntglasfenster der Kuppel und am Toraschrein die zwölf Email-Kupferplatten mit den Symbolen der zwölf Stämme Israels.[8]

Der Synagogenbau wird über zwei eingeschossige Verbindungstrakte mit einem dreigeschossigen, flachgedeckten Gemeindehaus verbunden. An der Fassade des konkav geformten Querbaus befindet sich das Relief einer Menora.[9][10]

Literatur

  • Berger Bergmann, Peter Brdenk (Hrsg.): Architektur in Essen 1900–1960. Klartext-Verlag, Essen 2012, ISBN 978-3-8375-0246-6, S. 168 Nr. 111.
  • Elfi Pracht-Jörns: Die neue Synagoge Essen (= Rheinische Kunststätten. Heft 549). Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Köln 2013, ISBN 978-3-86526-095-6.
Commons: Neue Synagoge – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Eintrag Nr. 908 in der Denkmalliste Stadt Essen auf der Internetseite der Stadt Essen, abgerufen am 16. Dezember 2025
  2. Haus der Jüdischen Jugend. In: Essener Volkszeitung vom 19. Februar 1931
  3. Ein neues Jugendheim in Essen. In: Essener Volkszeitung vom 24. Mai 1931
  4. Fundamente des Jüdischen Jugendheims entdeckt. In: Pressemeldung der Stadt Essen vom 15. Dezember 2025
  5. juedische-allgemeine.de
  6. bild.de
  7. a b Berger Bergmann, Peter Brdenk (Hrsg.): Architektur in Essen 1900–1960. Klartext-Verlag, Essen 2012, ISBN 978-3-8375-0246-6, S. 168 Nr. 111.
  8. Pascal Hesse: Neue Synagoge - ein oft vergessenes Baudenkmal in Essen. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 10. Dezember 2013, abgerufen am 1. Mai 2025.
  9. Beschreibung in der Denkmalliste Stadt Essen auf der Internetseite der Stadt Essen, abgerufen am 12. November 2016
  10. Jüdische Geschichte in Essen, abgerufen am 21. März 2015.

Koordinaten: 51° 26′ 50,5″ N, 7° 1′ 29,6″ O