Neue Münchner Künstlergenossenschaft
Die Neue Münchner Künstlergenossenschaft (NM) wurde 1946 durch Eduard Aigner und Carl Theodor Protzen als Nachfolger der seit 1868 bestehenden Münchner Künstlergenossenschaft (MKG) gegründet und trägt seit einer Gerichtsentscheidung aus dem Jahr 1951 ihren jetzigen Namen.
Vereinsziele und -aufgaben
Die Neue Münchner Künstlergenossenschaft e.V. (NM) ist ein Münchner Verein bildender Künstle mit derzeit über 80 Mitgliedern aus der Metropolregion München und dem gesamten deutschsprachigen Raum. Sie arbeiten in den verschiedensten Kunstdisziplinen und vertreten eine Vielfalt künstlerischer Positionen. Zu den vorrangigen Aufgaben der NM zählen - heute wie zur Zeit ihrer Gründung - die gemeinschaftliche Vertretung der Interessen ihrer Mitglieder, die gegenseitige Unterstützung der Mitglieder sowie die Förderung und Organisation von Ausstellungen.
Geschichte
Vorgeschichte
„1856 gründeten Delegierte aus 21 Städten, darunter auch aus München, in Bingen am Rhein eine Allgemeine deutsche Kunstgenossenschaft. Beim nächsten Treffen, 1857 in Stuttgart, wurde München als Ort einer gemeinsamen Ausstellung bestimmt, die 1858 unter dem Titel Deutsche und historische Kunstausstellung im Glaspalast mit großem Erfolg stattfand. Für das gleiche Jahr hatte die Münchner Akademie der bildenden Künste zu ihrem 50jährigen Jubiläum eine historische Ausstellung im Ausstellungsgebäude am Königsplatz geplant, die nach Protesten aus der Münchner Künstlerschaft, durch die Ausstellung der Kunstgenossenschaft ersetzt wurde. Die Einnahmen aus dieser Ausstellung sicherten den Fortbestand der Genossenschaft. 1863 gab die Akademie ihre jährlichen Kunstausstellungen ganz auf; an ihrer Stelle organisierte nun die Künstlergenossenschaft jährliche Ausstellungen. Am 7. Juni 1868 wurde die Genossenschaft von König Ludwig II. als privilegierte Körperschaft ausgezeichnet. Dies wird als Gründungsdatum der noch heute existierenden Münchner Künstlergenossenschaft (MKG) angesehen.“[1]
Ziel war es, den Mitgliedern eine breite Ausstellungstätigkeit nicht nur in München zu ermöglichen. Die stilistische Richtung wurde als Münchner Schule weltbekannt. Anfang der 1890er Jahre hatte die Genossenschaft über 900 Mitglieder,[2] doch 1892 traten knapp hundert Mitglieder aus, darunter Franz von Stuck, Lovis Corinth und Max Liebermann. Sie gründeten den Verein bildender Künstler München, Secession. Am 3. Juli 1893 fand die Grundsteinlegung zum Münchner Künstlerhaus statt. 1896 wurde Franz von Lenbach Präsident der MKG und verhalf ihr dadurch aus einer Krise, die fast zum Bruch innerhalb der MKG geführt hatte. 1900 war die feierliche Einweihung des Münchner Künstlerhauses, in dem die MKG bereits ihre Büroräume bezogen hatte.
Ab 1901 war Hans von Petersen Präsident der Künstlergenossenschaft. 1915 wurde Karl Marr und 1926 Fritz Behn Präsident der MKG. 1927 übernahm Eugen Hönig dieses Amt. Am 6. Juni 1931 brannte der Münchner Glaspalast nieder. Bis 1933 fanden deshalb die Jahresausstellungen im Deutschen Museum statt, ab 1933 unter dem MKG-Präsidenten Walter von Ruckteschell in der Neuen Pinakothek. Die finanziellen Verluste durch den Glaspalastbrand waren für die MKG enorm; sie wandte sich daher an Hitler persönlich und bat um Unterstützung. Hitler bewilligte bis zum November 1934 eine Zuwendung von 33.000 RM, angeblich aus seinem Privatvermögen.[3]
Die Ausstellung Münchner Künstler in Berlin und Berliner Künstler in München sorgte 1935 für einen Skandal, da sich Ruckteschell weigerte, zahlreiche Arbeiten, die als „entartet“ gelten, abzuhängen. Dafür wurde er von der Reichskammer der Bildenden Künste des Amtes enthoben und Paul Rosner neuer Präsident. 1939 wurde die MKG aufgelöst und in die Reichskunstkammer integriert; dabei wurden Grundbesitz, Barvermögen und eine wertvolle Grafiksammlung beschlagnahmt.
Wiedergründung und Streit um die „wahre MKG“
Im Juni 1946 genehmigte die amerikanische Militärregierung mehreren Münchner Malern um Eduard Aigner und Carl Theodor Protzen die Neugründung der MKG. Eine Gruppe um Constantin Gerhardinger ließ den Verein im Oktober 1948 jedoch erneut eintragen. Das Bayerische Kultusministerium machte nach Vermittlungsversuchen darauf aufmerksam, dass der Streit um die „wahre MKG“ nur durch einen Zivilprozess beendet werden könne.[4]
Erst durch den Zivilprozess wurde im Januar 1951 entschieden, dass Gerhardingers Verein den alten Namen Münchener Künstlergenossenschaft königlich privilegiert 1868 tragen durfte.[5] In der Folge stellten Gerhardingers nun wieder etablierte MKG und die „Neue Münchner Künstlergenossenschaft“ von Aigner/Protzen weiterhin nacheinander statt miteinander im umbenannten Haus der Kunst in München aus.
Die „Neue Münchner Künstlergenossenschaft“
Die Gruppe um Aigner und Protzen fungiert seit dem Gerichtsentscheid unter dem Namen Neue Münchner Künstlergenossenschaft (NM); sie hatte bereits 1947 eine Ausstellung in den Räumen der Städtischen Galerie im Lenbachhaus abgehalten.[6] 1949 waren Aigner und Protzen Mitbegründer der Ausstellungsleitung des Hauses der Kunst, der auch Vertreter der wiedergegründeten Münchener Secession und der Neuen Gruppe angehörten. Die NM zeigte sich seinerzeit offen für alle modernen, damals zeitgenössischen Bereiche der Bildenden Kunst, insbesondere für alle Kunstströmungen, die während der NS-Zeit unterdrückt und verfolgt worden waren.[4]
Die Mitglieder der Neuen Münchner Künstlergenossenschaft (NM) engagierten sich von 1949 bis 2011 in der Ausstellungsleitung der GKA (heute Künstlerverbund) für die jährlich stattfindende „Große Kunstausstellung“ im Haus der Kunst.
Unter anderem konzipierte und realisierte die NM die Große Kunstausstellung 2006 mit dem Titel „through the looking glass“ und 2009 die Große Kunstausstellung „was uns antreibt“.[7]
Eine Jubiläumsausstellung der NM fand 2019 im Künstlerhaus am Lenbachplatz in München statt.[8]
Bekannte Mitglieder der NM
- Eduard Aigner
- Carl Theodor Protzen
- Henny Protzen-Kundmüller
- Eva Ruhland
- Charlotte Dietrich
- Klaus von Gaffron
- Martin Mayer
- Franz Ferdinand Wörle
- Manfred Mayerle
- Andreas Kühne
Literatur
- Andrea Grösslein: Die internationalen Kunstausstellungen der Münchner Künstlergenossenschaft im Glaspalast in München von 1869 bis 1888. (= Miscellanea Bavarica Monacensia. Band 137). Uni-Dr., München 1987, ISBN 3-87821-221-6 (Zugleich: Dissertation, Universität Würzburg 1986).
- Charlotte Mosebach: Geschichte Münchener Künstlergenossenschaft königlich privilegiert 1868. MKG1868, München 2014, ISBN 978-3-00-044941-3.
Weblinks
- Literatur von und über Neue Münchner Künstlergenossenschaft im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Website Neue Münchner Künstlergenossenschaft
- Die Münchner Künstlergenossenschaft in der Nachkriegszeit., in: Weblog des Deutschen Historischen Museums.
Einzelnachweise
- ↑ Andreas Strobl: Münchner Künstlergenossenschaft. In: Künstler Zeichnen – Sammler stiften. 250 Jahre Staatliche Graphische Sammlung München. Hrsg. von Michael Semff und Kurt Zeitler. Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit 2008, Bd. 3, S. 86.
- ↑ Georg Jacob Wolf: Sechzig Jahre Münchner Künstlergenossenschaft. In: Das Bayerland. XXXIX, 2. Mai-Heft (1928), S. 300.
- ↑ Bundesarchiv BArch R/43 II/1249, diverse Schreiben.
- ↑ a b Anke Gröner: Die Münchner Künstlergenossenschaft in der Nachkriegszeit. In: DHM-Blog. Deutsches Historisches Museum, 20. Oktober 2021, abgerufen am 1. Januar 2026 (deutsch).
- ↑ Anke Gröner: „Ziehet die Bahn durch deutsches Land.“ Gemälde zur Reichsautobahn von Carl Theodor Protzen (1887–1956). Böhlau, Köln 2022, ISBN 978-3-412-52407-4, S. 285–297.
- ↑ Zur Geschichte der NM. ( vom 6. November 2019 im Internet Archive) Neue Münchner Künstlergenossenschaft, abgerufen am 15. November 2019.
- ↑ Zur Geschichte und Gegenwart der Neuen Münchner Künstlergenossenschaft. Abgerufen am 1. Januar 2026 (deutsch).
- ↑ Jubiläumsausstellung 2019. Abgerufen am 1. Januar 2026 (deutsch).