Neue Leipziger Zeitung

Die Neue Leipziger Zeitung (NLZ) war eine ab 1921 in Leipzig erscheinende deutsche Tageszeitung. Ihre Gründung geht auf den Einstieg des Berliner Großverlags Ullstein in den Leipziger Zeitungs- und Druckereimarkt zurück, der im Frühjahr 1921 durch Ankauf der Leipziger Verlagsdruckerei (LVD) erfolgte. In der LVD erschienen zunächst drei Tageszeitungen, die jedoch nach und nach vereinigt wurden. Der Titel Neue Leipziger Zeitung entstand durch das Verschmelzen von zwei relativ kleinen Blättern, der Leipziger Allgemeinen Zeitung (vormals Leipziger Stadt- und Dorfanzeiger, früherer Verleger Paul Kürsten, jetzt Teilhaber) und der Leipziger Zeitung, eine Schwester des Leipziger Tageblatts (früherer Verleger Peter Reinhold, jetzt Teilhaber). Die NLZ wurde mit großer Startauflage und relativ niedrigen Anzeigen- und Abonnement-Preisen in den Markt geschoben; trotz erheblicher Investitionen und breiter Werbekampagnen scheiterte Ullstein, zog sich bereits im Frühjahr 1922 teilweise aus Leipzig zurück und beendete sein Engagement in der Stadt im Januar 1923. Haupteigentümer mit direkten und indirekten Anteilen war bis 1933 das mit Ullstein befreundete Prager Verlagshaus Mercy (Prager Tageblatt).[1]

Die NLZ war eher auf ein Massenpublikum ausgerichtet. Sie deckte eine andere Leserschaft ab als die anspruchsvollere, traditionsreiche Qualitätszeitung Leipziger Tageblatt. Die beiden Zeitungen wurden Anfang 1926 fusioniert und führten von da ab den Namen Neue Leipziger Zeitung und Leipziger Tageblatt.

Die Grundhaltung der NLZ war linksliberal und republikanisch und zeigte Nähe zur Deutschen Demokratischen Partei (DDP). 1922–1923 lieferte sie sich monatelang eine aggressive Kontroverse, die der Pressehistoriker Michael Meyen als „Zeitungskrieg“ bezeichnet hat, mit den konservativ-nationalen Leipziger Neuesten Nachrichten. Vordergründig sei es um Moral und Politik gegangen, tatsächlich sei es aber ein Kampf um Marktanteile gewesen, als Ullstein versuchte, den Rivalen von seiner Führungsposition zu verdrängen.[2]

Im Jahr 1941 wurde sie mit der seit 1932 von der NSDAP herausgegebenen Leipziger Tageszeitung zur Neuen Leipziger Tageszeitung vereinigt. Im April 1945 stellte diese Zeitung ihr Erscheinen ein.

Chefredakteure

  • Georg Marguth (1921–1931)[3]
  • Richard Lehmann (1931–1939)[4]
  • ...

Auflagenentwicklung

  • 1926: 90.000
  • 1927: 100.000
  • 1928: 108.000
  • 1929: 120.000
  • 1930: 120.000
  • 1931: 125.000
  • 1933: 100.000
  • 1935: 75.000
  • 1937: 69.000
  • 1939: 68.500[5]

Archivierung

Die historische Zeitung wurde noch nicht digitalisiert und in Online-Archive überführt. Originalexemplare der NLZ (Stadt- und Postausgaben) sind im Stadtarchiv Leipzig erhalten sowie mit größeren Beständen sowie in Mikroformen in Bibliotheken in Dresden[6], Leipzig, Erlangen-Nürnberg, in weiteren Bibliotheken nur in kleineren Jahrgängen.[7]

Literatur

  • Michael Meyen: Leipzigs bürgerliche Presse in der Weimarer Republik. Wechselbeziehungen zwischen gesellschaftlichem Wandel und Zeitungsentwicklung (= Hochschulschriften des Rosa-Luxemburg-Vereins). Rosa-Luxemburg-Verein, Leipzig 1996, ISBN 3-929994-58-5 (zugleich Dissertation, Universität Leipzig 1995) Volltext (PDF)
  • Michael Meyen: „Herfurth und die tschechischen Kronen : der Leipziger Zeitungskrieg 1922/23“, in: Stadtarchiv Leipzig (Hg.). „Zeitung Drucken ist ein wichtiges werck“ : 350 Jahre Tagespresse in Leipzig. Leipziger Kalender Sonderband 2000/3. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 2000, S. 129–141. Volltext (PDF)

Einzelnachweise

  1. Michael Meyen: Leipzigs bürgerliche Presse in der Weimarer Republik. Wechselbeziehungen zwischen gesellschaftlichem Wandel und Zeitungsentwicklung (= Hochschulschriften des Rosa-Luxemburg-Vereins). Rosa-Luxemburg-Verein, Leipzig 1996, ISBN 3-929994-58-5, S. 85–91. Volltext (PDF)
  2. Michael Meyen: „Herfurth und die tschechischen Kronen : der Leipziger Zeitungskrieg 1922/23“, in: Stadtarchiv Leipzig (Hg.). „Zeitung Drucken ist ein wichtiges werck“ : 350 Jahre Tagespresse in Leipzig. Leipziger Kalender Sonderband 2000/3. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 2000, S. 129–141. Abgerufen am 13. Dez. 2025 von https://static.leipzig.de/fileadmin/mediendatenbank/leipzig-de/Stadt/02.1_Dez1_Allgemeine_Verwaltung/10.9_Stadtarchiv/Neue_Internetseite/Publikationen/Leipziger_Kalender/StadtAL_0567_Z16_S_2000_3online.pdf
  3. Michael Meyen: Leipzigs bürgerliche Presse in der Weimarer Republik. Wechselbeziehungen zwischen gesellschaftlichem Wandel und Zeitungsentwicklung (= Hochschulschriften des Rosa-Luxemburg-Vereins). Rosa-Luxemburg-Verein, Leipzig 1996, ISBN 3-929994-58-5, S. 58. Volltext (PDF)
  4. Michael Meyen: Leipzigs bürgerliche Presse in der Weimarer Republik. Wechselbeziehungen zwischen gesellschaftlichem Wandel und Zeitungsentwicklung (= Hochschulschriften des Rosa-Luxemburg-Vereins). Rosa-Luxemburg-Verein, Leipzig 1996, ISBN 3-929994-58-5, S. 199 f. Volltext (PDF)
  5. Sämtliche Angaben nach Sperlings Zeitschriften- und Zeitungs-Adreßbuch. Verlag des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig, 1926–1939.
  6. Bestand in Dresden: 1925–1940, Katalog der SLUB, abgerufen am 13. Dez. 2025.
  7. Neue Leipziger Zeitung, DNB Zeitschriften-Datenbank ZDB-ID 1005077-2, OCLC-Nr.: 225097397, abgerufen am 13. Dezember 2025 von ZDB-Katalog