Netflix and chill

Netflix and chill (zu deutsch „Netflix und entspannen“) ist ein internet-, bzw. jugendsprachlicher Ausdruck mit inzwischen zwei Bedeutungen: jemanden einladen zu entspannenden oder sexuellen Aktivitäten.[1] Verwendet wird er meist sprichwörtlich[2] im Zusammenhang von romantischer Partnerschaft oder Casual Sex.[3][4]

Geschichte

Zuerst belegt ist die Verwendung des Ausdrucks im Jahr 2009, in einem Twitter-Beitrag der Nutzerin „NoFaceNina“. In den ersten Jahren seiner Verbreitung war der Begriff nicht sexuell konnotiert und bezeichnete die entspannte Nutzung des zunehmend populären Streamingdiensts. Ab 2014 begann sich die unterschwellige Konnotation für Sex durchzusetzen, mit der der Begriff in den Folgejahren zu einem Meme in den sozialen Medien wurde und weite Verbreitung fand.[5][6]

Sexuell konnotiert wurde die Phrase zunächst in der schwarzen Twittercommunity populär und verbreitete sich dann auch unter Teenagern auf anderen Plattformen, unter anderem, weil sie als Code diente, der bei den Eltern nicht für Misstrauen sorgte.[7] Demgegenüber stehen Warnungen vor entsprechenden Einladungen, falls die tatsächliche Bedeutung des Codes nicht bekannt sei.[8]

Im Urban Dictionary wurde die Phrase im April 2015 mit folgender Definition aufgenommen: „Code for two people going to each other's houses and fucking or doing other sexual related acts“ („Code für zwei Personen, die sich für Sex oder sexuelle Handlungen gegenseitig besuchen“).[9] 2018 folgte die Aufnahme in Dictionary.com, mit der zugeschriebenen Bedeutung „Netflix in romantischer Aussicht zu schauen, mit der eventuellen Erwartung sexueller Aktivitäten.“[10]

Rezeption

Ab 2016 wurden „Netflix & Chill Festival“-Events in verschiedenen deutschen Großstädten angekündigt. Meist handelte es sich um Facebook-Events, die viral gingen und teils auch ein Presseecho nach sich zogen.[11][12][13] Einige der Event-Ankündigungen wurden als PR-Masche des Anbieters einer Dating-App identifiziert,[14] welcher jedoch nur die Verantwortung für einen Teil der Ankündigungen einräumte[15], weitere wurden als Facebook-Monetarisierungskampagne entlarvt.[16]

Im Jahr 2018 veröffentlichte der Rapper Kay One das Lied Netflix & Chill. Auch der britische Rapper Fredo veröffentlichte im November 2019 ein Lied mit diesem Titel.

Im Januar 2020 begann der Verkauf einer Eiscreme des Herstellers Ben & Jerry’s unter dem Namen „Netflix & Chilll'd“.[17]

Der RBB parodierte den Ausdruck im Rahmen einer Werbekampagne zu „RBB and chill“.[18] Das Portal Netzwelt testete ein Wohnmobil 2025 auf sein „Netflix and chill“-Potential.[19]

Einzelnachweise

  1. Reinhold Stahl, Patricia Staab: Don't worry, be digital: Tipps für einen angstfreien Umgang mit Digitalisierung. Springer-Verlag, 2019, ISBN 978-3-662-59324-0, S. 64.
  2. Gregor Balke: Wie sich ein Publikum findet – Mediale Formate und ihre Zuschauer in Zeiten von Netflix und Co. In: Zeitschrift für Kultur- und Kollektivwissenschaft. Band 6, Nr. 1, 2020, S. 209–242, hier: S. 221 f., doi:10.14361/zkkw-2020-060109.
  3. Süddeutsche Zeitung: Sex statt Serie. In: Süddeutsche.de. Abgerufen am 3. Juni 2025.
  4. Evita March, George Van Doorn, Rachel Grieve: Netflix and Chill? What Sex Differences Can Tell Us About Mate Preferences in (Hypothetical) Booty-Call Relationships. In: Evolutionary Psychology: An International Journal of Evolutionary Approaches to Psychology and Behavior. Band 16, Nr. 4, 2018, ISSN 1474-7049, S. 1474704918812138, doi:10.1177/1474704918812138, PMID 30428700, PMC 10480885 (freier Volltext) – (nih.gov [abgerufen am 25. November 2025]).
  5. The Daily Campus: Tracing the origins of ‘Netflix and chill’. In: dailycampus.com. Abgerufen am 3. Juni 2025.
  6. The Guardian: How ‘Netflix and chill’ became code for casual sex. In: theguardian.com. Abgerufen am 3. Juni 2025.
  7. Kevin Roose | August 27, 2015 | 10:46pm: 'Netflix and chill': the complete history of a viral sex catchphrase. In: Splinter. Abgerufen am 26. November 2025 (amerikanisches Englisch).
  8. Regina Singer: "Netflix and Chill?": Diese Bedeutung hat der Ausdruck. In: Futurezone. 5. Juli 2020, abgerufen am 26. November 2025.
  9. Christian Stiegler: The 360° Gaze: Immersions in Media, Society, and Culture. MIT Press, 2021, ISBN 978-0-262-04566-7, S. 196.
  10. "Netflix and Chill" und Kothaufen-Emoji sind jetzt im Wörterbuch. In: Der Standard. 7. März 2018, abgerufen am 26. November 2025 (österreichisches Deutsch).
  11. Focus Online: Verbirgt sich hinter dieser FB-Veranstaltung eine Sex-Party oder Werbemasche? In: Focus Online. 22. April 2016 (focus.de [abgerufen am 26. November 2025]).
  12. Liza Marie Niesmak: Netflix & Chill Festival: Eine Orgie im Freiluft-Kino? In: jetzt.de. 6. Mai 2016, abgerufen am 26. November 2025.
  13. Daniel Schaefer: „Netflix and Chill“ kommt zum ersten Mal nach Hamburg. In: Hamburger Abendblatt. 14. April 2016, abgerufen am 26. November 2025.
  14. Günter Benning: Ominöse „Netflix and Chill“-Veranstaltung. In: Westfälische Nachrichten. 22. April 2016, abgerufen am 26. November 2025.
  15. Kristin Hermann: Was steckt hinter den Netflix & Chill-Verstaltungen? In: Weser Kurier. 25. April 2016, abgerufen am 26. November 2025.
  16. Klaus-Maria Mehr: Angrillen und Marienplatz-Sex: Experte warnt vor Facebook-Events. In: tz München. 23. April 2016, abgerufen am 26. November 2025.
  17. Meedia: Netflix & Chilll'd: Ben & Jerry‘s produziert spezielles Eis für Streaming-Sessions. In: meedia.de. Abgerufen am 3. Juni 2025.
  18. GUD: Wir verwandelten Einschlafquoten in Einschaltquoten. In: gud.berlin. Abgerufen am 3. Juni 2025.
  19. Michael Knott: Sharp: TV-Spezialist zeigt Mini-Wohnmobil mit Netflix-and-Chill-Ansatz. In: Netzwelt. 29. Oktober 2025, abgerufen am 26. November 2025.