Nessie Stewart-Brown
Nessie Stewart-Brown, geborene Muspratt (* 5. September 1864 in Seaforth, Metropolitan Borough of Sefton, Merseyside; † 7. April 1958 in Llangoed, Anglesey, Wales), war eine englisch-britische Frauenrechtlerin und Politikerin der Liberal Party.[1]
Leben
Stewart-Brown war das zweite von acht überlebenden Kindern von Frances Jane Baines, der Tochter des Herausgebers der Liverpool Times, und Edmund Knowles Muspratt von Muspratt & Co. Chemical Works, später United Alkali Company Ltd.[2] Die Muspratts waren aktive Liberale und Nonkonformisten und zählten zu den führenden Radikalen Liverpools. Stewart-Brown war die ältere Schwester des liberalen Abgeordneten Max Muspratt und der in Südafrika wirkenden Frauenrechtlerin Julia Solly, außerdem war sie Tante von Nelia Penman, einer Präsidentin der Women’s Liberal Federation.
Stewart-Brown erhielt ihre Ausbildung am Cheltenham Ladies’ College, an der Universität Liverpool, sowie in Paris und Leipzig. Am 13. September 1888 heiratete sie Egerton Stewart-Brown, einen Barrister aus einer ebenfalls wohlhabenden Familie, in der Sefton Church. Er unterstützte seine Frau aktiv, als diese sich im zunehmend im öffentlichen Leben engagierte und in der liberalen Politik aktiv wurde.[1]
Stewart-Brown wurde ehrenamtliche Sekretärin der Frauengruppe der Liverpooler Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals. Sie trat der Women’s Liberal Federation (WLF) in Liverpool bei, half bei der Gründung von Zweigstellen in West Derby und Wavertree und war Präsidentin des Zweigs in West Toxteth. 1891 begann sie, für das Frauenwahlrecht zu sprechen. Sie war die erste Frau, die auf einer kommunalen Rednertribüne sprach, als ihr Mann 1892 für den Liverpool City Council kandidierte.[3] Im selben Jahr wurde sie in das nationale Exekutivkomitee der WLF gewählt, in dem sie viele Jahre tätig war. 1894 war sie Mitgründerin der Liverpool Women’s Suffrage Society, dem lokalen Zweig der National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS) bei einer Versammlung, bei der Millicent Garrett Fawcett Gastrednerin war.[4] Sie wurde Vorsitzende des Zweigs.[1]
Als engagierte Liberale Politikerin wurde sie Präsidentin der Liverpooler Women’s Liberal Association und Präsidentin der Lancashire & Cheshire Union of the Women’s Liberal Association.[4] Im Oktober 1911 gründete sie zusammen mit Eleanor Rathbone eine neue Gesellschaft, die Municipal Women’s Association, mit dem Ziel, das Interesse am Thema Frauenwahlrecht unter den kommunalen Wählerinnen zu wecken.[4] Sie lehnte sie die Aktionen der militanten Suffragetten ab. 1912 sprach sie sich gegen die Einrichtung des Wahlkampffonds der NUWSS aus, der darauf abzielte, gegen liberale Kandidaten bei Nachwahlen zu kämpfen und die NUWSS mit der Labour Party zu verbinden.
Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 verlagerte sie ihren Schwerpunkt auf Hilfsarbeit und unterstützte die Scottish Women’s Hospitals sowie den Liverpool-Zweig der National Union of Women Workers. Nach dem Krieg wurde sie Vorsitzende des Liverpool-Zweigs der Women’s International League for Peace and Freedom und gehörte dem Exekutivkomitee des Liverpool-Zweigs der League of Nations Union an.[1]
1919 wurde sie als liberale Kandidatin erst die zweite Frau in den Liverpool City Council gewählt.[3] Bei der Parlamentswahl 1922 kandidierte sie als liberale Gegenkandidatin für den sicheren unionistischen Sitz Waterloo und erreichte ein Drittel der Stimmen, zwei Drittel gingen an den konservativen Favoriten Albert Buckley.[5] Sie trat später nicht erneut für das Unterhaus an.
1924 wurde sie eine der ersten Frauen, die zur Friedensrichterin ernannt wurden, und diente am Liverpooler Gericht.[1] Sie war Präsidentin des Liverpool National Council of Women, stellvertretende Vorsitzende des Council of Women Citizens und Vorsitzende des Liverpool Liberal Council.[6]
Sie starb 1958 im Alter von 93 Jahren auf Anglesey.[1]
Stewart-Browns Name und ihr Bild befinden sich auf dem Sockel der Millicent-Fawcett-Statue auf dem Parliament Square in London.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f Krista Cowman: Brown, Nessie Stewart [née Nessie Muspratt] (1864–1958). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 23. September 2004, doi:10.1093/ref:odnb/59518.
- ↑ Trevor I. Williams, revised: Muspratt, Edmund Knowles (1833–1923). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 23. September 2004, doi:10.1093/ref:odnb/37799.
- ↑ a b Avril Landsell: Wedding Fashions 1860–1980. Shire Publications, London 1983, ISBN 978-0-85263-624-4, S. 27.
- ↑ a b c Elizabeth Crawford: Bristol. In: The Women's Suffrage Movement in Britain and Ireland: A Regional Survey. Routledge, London 2013, ISBN 978-1-136-01054-5, S. 17, 29 (google.de).
- ↑ F. W. S. Craig (Hrsg.): British Electoral Facts: 1832–1987. Gower, Dartmouth 1989, ISBN 0-900178-30-2.
- ↑ G. Evelyn Gates (Hrsg.): The Woman’s Year Book 1923 - 1924. Women Publishers Ltd, London 1923.