Nepmann
Der Ausdruck Nepmann (Plural russisch нэпманы – nepmany) bezeichnete in der frühen Sowjetunion während der Neuen Ökonomischen Politik (russische Abkürzung NEP, 1921–1928) private Geschäftsleute, Händler und Kleinfabrikanten, die von den Lockerungen der Wirtschaftsordnung profitierten. Die Idee der NEP war, staatliche Monopole in Schlüsselindustrien und Außenhandel beizubehalten, gleichzeitig aber privaten Handel, Kleinbetriebe und marktwirtschaftliche Elemente – unter Aufsicht – zuzulassen, um die wirtschaftliche Erholung nach dem Bürgerkrieg zu fördern. Nepmänner entstanden, weil der Staat bzw. staatliche Betriebe nicht in der Lage waren, die Nachfrage nach Konsumgütern und vielen Alltagsgütern in vollem Umfang zu decken – so wurden private Händler in gewissem Maße toleriert[1][2].
Viele Nepmänner fungierten als Zwischenhändler. Sie beschafften knappe Waren (z. B. Textilien, Verbrauchsgüter) und verkauften sie weiter. Einige betrieben kleine Fertigungsbetriebe oder Werkstätten, insbesondere in Bereichen, die der Staat nicht hinreichend versorgte. Sie sorgten, zum Teil, für eine effizientere Verteilung von Gütern, insbesondere in städtischen Gebieten, in denen Nachfrage und Warenknappheit vorherrschten.
Viele Kommunisten verurteilten Nepmänner ideologisch, da sie kapitalistische Züge verkörperten – Profitstreben, Händlermentalität – was im Widerspruch zur sozialistischen Ideologie stand. Die Behörden setzten verschiedene Maßnahmen ein, um ihre Tätigkeit einzuschränken, z. B. hohe Steuern, Einschränkungen bei Lizenzen oder Handel und generelle bürokratische Hürden. Bereits in den Jahren 1923–1924 kam es zu Perioden, in denen Nepmänner massiv unter Druck gerieten („Welle des Terrors“). Kredite, staatliche Verkäufe oder Subventionen wurden limitiert, viele Händler gingen in den Untergrund. Mitte der 1920er Jahre wurde der Druck etwas gelockert, Steuerlasten wurden teilweise gesenkt und bürokratische Hindernisse reduziert, wodurch die Aktivität der Nepmänner wieder anzog.
Mit dem Machtzuwachs Josef Stalins änderte sich die politische Linie zunehmend Richtung Zwangskollektivierung, Planwirtschaft und Abkehr vom NEP-Modell. 1928 führte eine Getreidebeschaffungs-Krise dazu, dass der Staat dramatisch weniger Getreide von Bauern erhielt, was das staatliche System unter Stress setzte und als Vorwand diente, die NEP-Elemente abzuschaffen. Die offizielle Beendigung der NEP wurde auf dem 15. Parteitag der Kommunistischen Partei beschlossen (2.–19. Dezember 1927). Schließlich wurde privater Handel vollständig verboten: am 11. Oktober 1931 wurde der private Handel per Dekret abgeschafft – damit war die Ära der Nepmänner beendet[3].
Einzelnachweise
- ↑ Nepmen, Seventeen Moments in Soviet History, abgerufen am 3. Oktober 2025.
- ↑ Saddique Ansari: The USSR’s Early Embrace of Capitalism: What the NEP Reveals About Economic Management. In: Economics Online. 2024 (economicsonline.co.uk).
- ↑ CCCP в 30-е годы XX века (russisch)
Literatur
- Joseph Roth. Reisen in die Ukraine und nach Russland. Hrsg.: Jan Bürger. C. H. Beck, München 2015, ISBN 978-3-406-67545-4