Nepenthes edwardsiana
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Rosette und Hochkannen von Nepenthes edwardsiana, hier epiphytisch in Moos an einem Baum wachsend, Foto: hirosi SBM | ||||||||||||
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| H.Low ex Hook.f. (1859) |
Nepenthes edwardsiana ist eine fleischfressende Pflanze aus der Gattung der Kannenpflanzen (Nepenthes). Die Art kommt endemisch auf den Bergen Kinabalu und dem Tambuyukon in der Provinz Sabah im malaysischen Teil der Insel Borneo vor. Sie wird in moosigen Wäldern in feucht-tropischen Bedingungen vorgefunden. Nepenthes edwarsiana wächst dort als Liane mit länglichen, unten bauchigen und oben röhrenförmigen Kannen. Diese Kannenpflanzenart ist an schwermetallhaltige (ultramafische) Böden angepasst. Das Artepitheton edwardsiana bezieht sich auf George Warren Edwardes, Gouverneur von Labuan, da der Erstbeschreiber Joseph Dalton Hooker auf Bitten seines Freundes Hugh Low diese Benennung wählte.
Beschreibung
Nepenthes edwardsiana ist eine tropische Liane,[1] die terrestrisch oder epiphytisch wächst und bis zu 15 Meter hoch wird. Der Stängel ist rund, desen Durchmesser beträgt 5 bis 10 Millimeter. Die Internodien, womit man den blattlosen Teil einer Sprossachse zwischen zwei Knoten bezeichnet, sind 20 bis 35 Zentimeter lang. Die Behaarung (das Indument) von Stängel, Mittelrippe, Kanne und Blütenstand ist spärlich und später verkahlend. Sie besteht aus einfachen rotbraunen Haaren von 0,5 bis 0,75 Millimeter Länge.[2]
Die „Blattspreite“[3] ist ledrig, gestielt, 15 bis 20 cm lang und 4 bis 6 cm breit und schmal länglich, am äußeren Ende spitz und an der Basis keilförmig. Auf jeder Seite der Mittelrippe sind in der Randhälfte zwei bis drei auffällige Längsnerven zu finden. Zahlreiche fiederförmige Nerven erstrecken sich bis zum Blattrand. Die Blattstiele sind rinnenförmig und 6 bis 19 Zentimeter lang. Er umklammert die Sprossachse bis zu 3/4 ihres Umfangs.[2]
Kannen
Kannen sind bei Kannenpflanzen spezialisierte Blätter, die als Fangorgane dienen und die Pflanze mit Nährstoffen versorgen. Die Blattspreite ist bei ihnen zu einem kannenförmigen Fangorgan umgestaltet, das in der Lage ist, Tiere zu fangen und zu verdauen.[4] Was bei Kannenpflanzen alternativ wie eine Blattpreite wirkt, ist aus einem Blattgrund entstanden. Wie bei Kannenpflanzen häufig, weisen die Kannen von Nepenthes edwardsiana einen Dimorphismus auf. Somit unterscheiden sich die unteren, bodennah wachsenden Kannen und die höheren, sogenannten Luftkannen (Hochkannen).
Bodenkannen
Die unteren Kannen haben zwei gefranste Flügel, die 1 bis 7 Millimeter breit sind.[2]
Hochkannen
Die Hochkannen sind gelblich-grün gefärbt, manchmal orange überzogen, deren Innenseite ist weiß. Die Hochkannen weisen keine gefransten Flügel auf, haben jedoch zwei niedrige Rippen. Sie sind papierartig, fast röhrenförmig (zylindrisch), sind unten bauchig (d. h. deren unteres Viertel bis Drittel ist eiförmig) und deren oberer Teil ist schmal zylindrisch bis trichterförmig. Sie sind 10–35 (–50) × 2–6 (–15) Zentimeter groß. Das Mundfeld (die Öffnung) der Hochkannen ist elliptisch, deutlich schräg, konkav, steigt allmählich bis mindestens zur Vertikalen an. Der Saum (Peristom genannt) des Mundfeldes um die Öffnung der Kannenfalle, ist abgerundet und 6 bis 12 (–25) Millimeter breit. Der Innenrand des Peristoms ist grob gezähnt, die Zähne sind bis zu 10 Millimeter lang. Am kreisförmigen Kannendenkel befinden sich winzige, spärlich verstreute, grubenartige Nektardrüsen (Nektarien), die einen Durchmesser von 0,2 Millimeter aufweisen. Der Kannendeckel hat einen Durchmesser von 3 bis 8,5 Zentimetern, dessen Spitze ist abgerundet, die Basis ist herzförmig. Als Anhängsel ist ein kräftiger Sporn vorhanden, er ist mehr oder weniger 10 Millimeter lang.[2]
Blüten und Samen
Wie alle Vertreter der Gattung ist auch Nepenthes edwardsiana zweihäusig getrenntgeschlechtlich (diözisch), das heißt, dass eine Pflanze entweder nur männliche oder nur weibliche Blüten besitzt.
Der männliche Blütenstand (Infloreszenz) ist 30 bis 40 Zentimeter hoch und 3,5 Zentimeter breit. Die Blütenstiele sind einblütig und weisen keine Hochblätter auf. Die Blütenblätter (Petalen) der Blüten sind elliptisch ausgeformt, 4 Millimeter lang und 1,5 bis 2 Millimeter breit.[2]
Die Samen sind spindelförmig, 8 Millimeter lang und im mittleren Bereich glatt.[2]
Verbreitung
Die Sundainsel Borneo gilt als Biodiversitäts-Hotspot[5] nicht nur vieler Nepenthesarten, von denen ungefähr zwei Dutzend auf der Insel endemisch sind, d. h. nur dort vorkommen. Insbesondere das Gebiet um den Kinabalu mit seiner artenreichen Flora ist hierbei relvant.[4] Nepenthes edwardsiana kommt endemisch in den Mooswäldern auf den Bergen Kinabalu und dem Tambuyukon im Bundesstaat Sabah im malaysischen Teil der Insel Borneo vor.[2] Der Kinabalu ist der höchste Berg Malaysia und 4095 m hoch[6]. Er besteht größtenteils aus Granit (Adamellit). Dazu kommen ultramafische Böden vor, das sind Böden, die von magmatischem Gestein geprägt sind, das zu 90 Volumenprozent oder mehr aus mafischen Mineralen besteht. Der Olivin der Ultramafite kann in Serpentin verwandelt sein oder anderweitig schwermetallhaltig sein, so dass sie für nicht daran angepasste Pflanzenarten giftige Bestandteile enthalten. Bis auf 2600/2800 m erstreckt sich am Kinabalu ein Nebelwald, darin kommt N. edwardsiana bis zur hochmontanen Höhenstufe vor. Wie Nepenthes edwardsiana gehören die Kannenpflanzenarten Nepenthes burbidgeae sowie die oben bereits aufgrund ihrer Anpassung an spezielles, ultramafisches Gestein erwähnten Nepenthes rajah und Nepenthes villosa dort zu den endemischen Arten.[7] Der Tambuyukon ist mit 2579 m Höhe Malaysias dritthöchster Berg. Er liegt 18 Kilometer nordöstlich des Kinabalu.
Habitat und Ökologie
N. edwardsiana wächst in feuchten Wäldern auf ultramafischen Böden, die von Moosen geprägt sind. Diese Kannenpflanzenart kommt in Höhenlagen zwischen 1500 und 2700 Metern vor[2], also von der submontanen Höhenstufe über die mittlere Montanstufe bis zur hochmontanen Höhenstufe. Dort wächst N. edwardsiana in einem Nebelwald aus Myrten- und Buchengewächsen, die mit epiphytischen Moosen und Flechten überwachsen sind.[8] Aufgrund des Vorkommens ab 1600 Metern über Meereshöhe wird N. edwardsiana als Hochlandart eingestuft.[4]
Systematik
Nepenthes edwardsiana wurde 1859 von dem britischen Botaniker Joseph Dalton Hooker & Hugh Low (Kolonialbeamter und naturkundlicher Sammler) erstbeschrieben. Das Artepitheton edwardsiana bezieht sich auf George Warren Edwardes, Gouverneur von Labuan, da der Erstbeschreiber Joseph Dalton Hooker auf Bitten seines Freundes, dem britischen Kolonialbeamten Hugh Low, diese Benennung wählte.[9][1] Der englische Vernakulärname lautet Splendid Pitcher-Plant. Nepenthes edwardsiana ist eng verwandt mit N. villosa und N. macrophylla und wird manchmal mit diesen verwechselt. Nepenthes mira aus Palawan scheint ebenfalls verwandt zu sein.[2]
Abgrenzung zu Nepenthes villosa
Während Nepenthes edwardsiana als Kletterpflanze wächst, so ist N. villosa eine kriechende Pflanze. Während Nepenthes edwardsiana längliche, unten bauchige und oben röhrenförmige Kannen aufweist, so hat N. villosa kurze urnenförmige Kannen. Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen N. edwardsiana und N. villosa ist die Struktur des inneren Peristoms: Bei N. edwardsiana tragen die abgeflachten Peristomzähne eine engmundige Drüse auf der abaxialen, der unterhalb gelegenen Oberfläche, und unter jedem Peristomzahn befindet sich eine deutliche, elliptische Tasche. Bei N. villosa hat die Drüse eine gezähnte Öffnung, und die Taschen sind so vertieft, dass sie eine Reihe rechteckiger Trennwände zwischen dem vorderen Peristom und einer zweiten Reihe unregelmäßiger Zähne bilden. Clarke weist in Nepenthes of Borneo (1997: 79) auf weitere Unterschiede hin: N. edwardsiana hat eine spitze Blattspitze, eine unauffällige Behaarung und der Blütenstand keine Tragblätter (Brakteen), während N. villosa tendenziell eine eingerollte Blattspitze, eine dichte Behaarung und im Blütenstand fadenförmige Tragblätter aufweist.[2] Auch in ihrer Verbreitung auf dem Berg, in ihrer Wuchsform und in ihrer Farbe unterscheiden sie sich deutlich, wie Frederick William Burbidge (1882) feststellte.[10]
Abgrenzung zu N. macrophylla
Zunächst wurde das von Johannes Marabini entdeckte Taxon als Subspecies von N. edardsiana angesehen: Nepenthes edwardsiana subsp. macrophylla.[11] 1997 wurde das Taxon von Jebb & Cheek als Art eingestuft: N. macrophylla. Die Kannen von N. edwardsiana unterscheiden sich von denen der sehr nah verwandten N. macrophylla dadurch, dass sie papierartiger, schmal zylindrisch und mindestens viermal so lang wie breit sind. Im Gegensatz dazu sind die Kannen von N. macrophylla holzig, breit zylindrisch und weniger als dreimal so lang wie breit. Die Peristomzähne sind bei N. edwardsiana größer und spärlicher, und die Blattspreite ist nie länger als 20 cm. Bei N. macrophylla ist die Blattspreite häufig 35 cm lang.[2]
Natürliche Hybriden
Nepenthes ×harryana ist die natürliche Hybride zwischen N. edwardsiana und N. villosa. Sie wurde im Jahr 1882 von Frederick William Burbidge erstbeschrieben, der sie epiphytisch auf Bäumen der Gattung Casuarina vorfand. In der Beschaffenheit der getrockneten Krüge und der Ränder der Krugmündungen dieser drei Taxa sah er deutliche Unterschiede.[12]
N. ×trusmadiensis ist die natürliche Hybride zwischen N. edwardsiana und N. lowii. Johannes Marabini entdeckte sie in der Gipfelregion des Trusmadi und verfasste 1983 eine Erstbeschreibung (in Mitt. Bot. München 19: 449–452). Nach seiner Schilderung fand er dort sehr große Kannen vor, die Merkmale beider Elternpflanzen aufwiesen.[13]
Kulturhybriden
Zudem gibt es zahlreiche Kulturhybriden, die zum Beispiel in der Gärtnerei Borneo Exotics auf Sri Lanka entstanden. Als Beispiel sei die Mehrfachhybride Nepenthes (veitchii × mira) × (burbidgeae × edwardsiana) genannt.[14]
Gefährdung
Von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) wird diese Art als gefährdet (vulnerable) eingestuft.[15] Der deutsche Botaniker Andreas Fleischmann nennt N. edwardsiana als eines von mehreren Beispielen „für den – leider sehr zahlreich stattfindenden – illegalen Handel mit gewilderten Nepenthes.“ Seine Zusammenstellung von Screenshots aus Facebook von Angeboten verschiedener illegaler Händler zeigt „illegal der Natur entnommene Jung- und Altpflanzen von Nepenthes rajah, N. edwardsiana, N. villosa.“ Alle „drei Arten sind gesetzlich geschützt, zudem wurden sie in einem Nationalpark gewildert!“[16] Laut Fleischmann sterben „diese und andere Nepenthes (...) in freier Wildbahn (entweder komplett, oder an einzelnen Standorten) nur deswegen aus, weil es Leute gibt, die diese unbedingt besitzen möchten, und deswegen Wildentnahmen kaufen!“[16]
Weblinks
- Nepenthes adwardsiana in The Caryophylalles Network (2015+)
Nachweise
- ↑ a b Govaerts, R. et al.: Nepenthes edwardsiana. In: Kew Science Plants of the World Online. The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Royal Botanic Gardens, Kew, 20. Juli 2024, abgerufen am 29. September 2025 (englisch).
- ↑ a b c d e f g h i j k Nadja Korotkova: Nepenthes edwardsiana. In: The Caryophyllales Network 2015+ [continuously updated]. The Caryophyllales Network, 20. Juli 2024, abgerufen am 29. September 2025 (englisch).
- ↑ wie bei allen Nepenthes eigentlich ein umgebildeter Blattgrund, strenggenommen ist erst die Kanne die Spreite
- ↑ a b c Johannes Marabini: Kannenpflanzen in Kultur. In: Der Palmengarten 47 (1983). Societäts-Verlag, 1983, abgerufen am 30. September 2025.
- ↑ Borneo. WWF, abgerufen am 30. September 2025.
- ↑ Kinabalu Park. UNESCO, abgerufen am 30. September 2025.
- ↑ Kinabalu montane alpine meadows. WWF, abgerufen am 30. September 2025.
- ↑ MrD@DJ: Kinabalu Park | Vegetation Profile. In: The Official Sabah Parks Website. Abgerufen am 30. September 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Joseph Dalton Hooker: On the origin and development of the pitchers of Nepenthes, with an account of some new Bornean plants of that genus. In: Transactions of the Linnean Society of London 20, XXXV, S. 420. 1859, abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
- ↑ F. W. Burbidge: Notes on the new Nepenthes,The Gardeners' Chronicle, new series, 17(420): 56
- ↑ Johannes Marabini: Eine neue Unterart von Nepenthes edwardsiana Hook. fil. sowie Anmerkungen zur Taxonomie der Gattung Nepenthes L. In: Mitteilungen der Botanischen Staatssammlung München. Bd. 23, 1987, ISSN 0006-8179
- ↑ F. W. Burbidge: Notes on the new Nepenthes,The Gardeners' Chronicle, new series, 17(420): 56
- ↑ Johannes Marabini: A Field Trip to Gunong Trusmadi. In: Carnivorous Plants Newsletter. International Carnivorous Plant Society, Juni 1984, abgerufen am 5. Oktober 2025.
- ↑ Nepenthes Edwardsiana & Hybriden. In: fangblatt.de. Fangblatt GmbH, abgerufen am 5. Oktober 2025.
- ↑ Schnell, D., Catling, P., Folkerts, G., Frost, C., Gardner, R. et al.: Nepenthes edwardsiana. In: The IUCN Red List of Threatened Species. Version 2025-1. International Union for Conservation of Nature and Natural Resources, 2025, abgerufen am 5. Oktober 2025.
- ↑ a b Andreas Fleischmann: Karnivoren und Naturschutz – die Rolle von Karnivorenliebhabern. In: Das Taublatt 89. Gesellschaft für Fleischfressende Pflanzen im deutschsprachigen Raum G.F.P. e.V., 2021, abgerufen am 5. Oktober 2025.