Nelly-Marianne Wannow
Nelly-Marianne Wannow (* 18. Dezember 1934 in Danzig, Freie Stadt Danzig; † 10. November 2020 in Bad Neuenahr, Rheinland-Pfalz)[1] war eine deutsche Juristin und Diplomatin.[2] Von 1990 bis 1993 war sie die erste Generalkonsulin der neu gegründeten diplomatischen Vertretung des wiedervereinigten Deutschlands in ihrer Heimatstadt Danzig.
Leben und Wirken
Herkunft und Ausbildung
Nelly Marianne Wannow wurde in Danzig geboren. Ihre Eltern waren der Zollbeamte Willy Rudolf Albert Wannow (1891–1935) und Anna Charlotte Rutowski (1901–1986).[3] Wannow besuchte von 1941 bis 1945 die Grundschule in Danzig-Langfuhr. Am 23. März 1945 wurde sie – zusammen mit ihrer Mutter, ihrem Großvater und weiteren Verwandten – im Zuge der Verwundeten- und Flüchtlingstransporte über die Ostsee vom Werftpier Danzig aus mit dem Dampfer MARS–BREMEN nach Dänemark evakuiert, wo sie bis 1947 blieb und wo sie unmittelbar nach Kriegsende das Berliner Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium, welches ebenfalls nach Dänemark evakuiert worden war, besuchte.[4][5] Zurückgekehrt nach Deutschland setzte Wannow 1949 ihre Ausbildung an der Theodor-Storm-Schule in Bremerhaven-Lehe fort. Von 1954 bis 1955 arbeitete sie als Sekretärin bei den amerikanischen Streitkräften in Bremerhaven. Anschließend studierte sie ab 1955 an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Georg-August-Universität in Göttingen. Dort promovierte sie 1965 auf der Grundlage ihrer Dissertation Das Selbstbestimmungsrecht im sowjetischen Völkerrechtsdenken zum Doktor der Rechte.[2]
Karriere im Auswärtigen Dienst
Seit 1965 hatte Wannow verschiedene Positionen im Auswärtigen Dienst Deutschlands inne. Sie wirkte von 1965 bis 1966 als Konsularbeamtin in Genf, von 1968 bis 1969 in Detroit und von 1969 bis 1973 in New York. Von 1973 bis 1986 arbeitete sie im Außenministerium. Danach war sie bis 1989 stellvertretende Generalkonsulin in Chicago. Nach der Wiedervereinigung wurde Wannow 1990 die erste Generalkonsulin der neu gegründeten diplomatischen Vertretung Deutschlands in ihrer Heimatstadt Danzig.[5] Die Benennung des Herder-Zentrums an der Universität Danzig geht auf einen Vorschlag von ihr zurück. Johann Gottfried Herder wurde nahe Danzig geboren und das von Wannow in Dänemark besuchte Gymnasium war nach ihm benannt.[5] Im Jahr 1993 wechselte sie erneut an das Konsulat in Detroit[6] und von 1997 bis zum Eintritt in den Ruhestand 1999 wirkte sie in Nowosibirsk.[7]
Einer Einladung zur Feier des 100. Jubiläums der Eröffnung eines Generalkonsulats in Danzig am 3. Februar 2020 konnte sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr folgen, sandte aber eine Grußnote.[8]
Veröffentlichungen
- Marianne Wannow: Die Jahrestagungen der Sowjetischen Gesellschaft für Völkerrecht. Institut für Völkerrecht der Universität Göttingen, 1964, DNB 560260229 (deutsche Übersetzung).
- Marianne Wannow: Das Selbstbestimmungsrecht im sowjetischen Völkerrechtsdenken (= Allgemeines Völkerrecht. Nr. 11). Institut für Völkerrecht der Universität Göttingen, 1965, ISSN 0436-1245, DNB 455374376 (zugleich Dissertation).
- Marianne Wannow: Byłam i jestem gdańszczanka (dt: Ich war und bin eine Danzigerin). Wyd. I Auflage. Wydawn. Novus Orbis, Gdansk 2005, ISBN 83-8556044-0.
- Nelly-Marianne Wannow: Mein Weg in den Auswärtigen Dienst. In: Ursula Müller, Christiane Scheidemann (Hrsg.): Gewandt, geschickt und abgesandt: Frauen im diplomatischen Dienst. Olzog, München 2000, ISBN 3-7892-8041-0, S. 280–283.
- Aus dem Leben von Dr. Nelly Marianne Wannow, Ich war und bin eine Danzigerin (Ausschnitt). In: Masurische Gesellschaft e.V. (Hrsg.): Masurische-Storchenpost – Stowarzyszenie Mazurskie. November 2022, S. 21–27 (stowarzyszeniemazurskie.pl [PDF] posthum im Gedenken).
- Nelly Marianne Wannow, Wanda Moska, Elżbieta Bukała, Moska, Wanda, Bukała, Elżbieta: Biblioteka Politechniki Krakowskiej katalog › Wyniki wyszukiwania dla 'nb: 9788385560449'. Novus Orbis, Gdańsk 2005, ISBN 83-8556044-0.
Literatur
- Ursula Müller, Christiane Scheidemann (Hrsg.): Gewandt, geschickt und abgesandt: Frauen im Diplomatischen Dienst. Olzog Verlag, München 2000, ISBN 3-7892-8041-0, S. 280–283, 424.
Weblinks
- Literatur von und über Nelly-Marianne Wannow im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Deutsche Auslandsvertretungen in Polen – Suchergebnisse Nelly Marianne Wannow
Einzelnachweise
- ↑ Traueranzeige. In: trauer.ga.de. 28. November 2020, abgerufen am 6. Januar 2021.
- ↑ a b Ursula Müller, Christiane Scheidemann: Gewandt, geschickt und abgesandt: Frauen im diplomatischen Dienst. Olzog, München 2000, ISBN 3-7892-8041-0, S. 280–283, 424.
- ↑ Stammtafel der Nachkommen des Otto Friedrich Wannow. (PDF) In: momente-im-werder.net. 2018, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 11. Mai 2018; abgerufen am 7. März 2020.
- ↑ Klaudia Kandzia: Ich war und bin eine Danzigerin. In: deuschemedien.pl. 24. November 2022, abgerufen am 15. Oktober 2025 (Hinweis: Lesen Sie HIER führt zu Wannows Lebenserinnerungen, veröffentlicht in Masurische Storchenpost, Heft Nr. 11, 2022, S. 21–27).
- ↑ a b c Unsere Geschichte. In: ug.edu.pl. Herder-Zentrum an der Universität Danzig, abgerufen am 15. Oktober 2025.
- ↑ Foreign Consular Offices in the United States, Washington 1997.
- ↑ Nelly Marianne Wannow: Byłam i jestem gdańszczanką, Gdańsk 2005.
- ↑ Brief von Ex-Generalkonsulin Dr. Nelly Marianne Wannow. In: polen.diplo.de. Deutsche Vertretungen Polen, 2020, abgerufen am 15. Oktober 2025.