Neida (Oberlausitz)

Koordinaten: 51° 23′ N, 14° 23′ O

Neida, obersorbisch Nydej, war ein Ortsteil nordwestlich von Lohsa im heutigen Landkreis Bautzen im Osten des Freistaates Sachsen. Der Ort lag in der Oberlausitz und wurde in den Jahren 1952/1953 im Zuge des Braunkohletagebaus Glückauf II abgebrochen. 90 Personen wurde im Zusammenhang der Devastierung umgesiedelt.

Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung von Neida erfolgte im Jahr 1430 als Neden. Weitere historische Namensformen waren unter anderem Neyde (1462), Neyd (1509), Neyden (1538), Neyda (1658), Nydej (1744) und Neida (1786).

Der Ortsname ist deutschen Ursprungs, abgeleitet vom Wort „Neid“, und bezeichnet eine umstrittene Flur. Die sorbische Namensform stellt eine sprachliche Adaption dar. Im Jahr 1936 wurde der Ort von den Nationalsozialisten in Köhlergrund umbenannt, da sie den Ortsnamen irrtümlich für sorbisch hielten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte die Rückbenennung.

Am Ende des 18. Jahrhunderts gehörte Neida zum Rittergut Weißkollm sowie anteilig zur Landvogtei Bautzen. Weißkollm war zu dieser Zeit im Besitz der Herren von Schönberg.

Mindestens seit dem 16. Jahrhundert war Neida nach Lohsa eingepfarrt.

Eine indirekte Erwähnung einer Köhlerei in Neida stammt aus einem Zeitungsbericht von 1845 über den Vergiftungstod des Gärtners Matthes Dommel beim Kohlebrennen. Nachweisbar ist eine Köhlerei für das Jahr 1924. Sie befand sich in einem Eichenwald und war bis zur Devastierung des Ortes in Betrieb.

Erste Landkäufe in Neida durch die Eintracht AG Welzow sind für das Jahr 1912 dokumentiert. Käufer war der Gastwirt Wetzke. Der Ort wandelte sich in den 1930er-Jahren mit dem fortschreitenden Braunkohlebergbau von einem Bauerndorf zu einem halbbäuerlichen Industrieort. Die demografischen Veränderungen durch den Braunkohletagebau Werminghoff II (später Glückauf II) sind nach Angaben des Historikers Frank Förster nicht mehr vollständig nachvollziehbar.

Im Jahr 1938 wurde Neida nach Lohsa eingemeindet.

Der Tagebau erreichte den Ort im Jahr 1950. Eine geschlossene Umsiedlung der Bevölkerung erfolgte nicht. Einige Bewohner verließen den Ort eigenständig, meist in nahegelegene Ortsteile von Lohsa. Für andere wurden Ersatzbauten in Lohsa errichtet.

Neida hatte die Siedlungsform eines Zeilendorfes mit Blockgewannflur.

Einwohner

Neida war ein kleiner Ort. Die Gemeindeflur umfasste im Jahr 1895 lediglich 113 Hektar, womit Neida im damaligen Kreis Hoyerswerda an vorletzter Stelle lag.

Jahr 1871 1884 1905 1925
Einwohner 108 115 111 119

Laut Arnošt Muka waren im Jahr 1884 von 115 Einwohnern 114 sorbischer Herkunft. Im Jahr 1777 lebten in Neida ein besessener Mann (Hüfner) und zehn Häusler. Muka zählte 1884 einen Hüfner, sechs Gärtner und elf landlose Häusler.[1]

Um 1925 wurde die Bevölkerung überwiegend als Landwirte, Forst- und Grubenarbeiter beschrieben.[2]

Kultur und Alltagsleben

Zu den überlieferten Bräuchen im Ort zählten die „Männerfastnacht“ sowie das Schöpfen von Osterwasser an einem nahegelegenen Bach.

Ein beliebtes Ausflugsziel war das Gasthaus Wetzke, besonders an Sonn- und Feiertagen. Auf dem Hof der Familie befand sich der örtliche Dreschplatz.[3]

Heutige Lage und Gedenkstätte

Nach Stilllegung des Tagebaus wurde das Gebiet der Ortslage rekultiviert. Es befindet sich heute am Speicherbecken Lohsa I zwischen dem Mortka-See und dem Silbersee.

Am 15. Juni 2002 wurde im Rahmen des „Tages der abgebaggerten sorbischen Dörfer“ ein Gedenkstein durch die Domowina eingeweiht. Die Inschrift erinnert auf Deutsch und Sorbisch an das Dorf: „Zur Erinnerung an das Dorf Neida 1430–1952“. Die Gedenkstätte ist von Findlingen im Halbkreis umgeben.[4]

Im Jahr 2025 war die Gedenkstätte aufgrund der laufenden Sanierungsarbeiten und dem damit verbundenen Sperrgebiet noch nicht zugänglich.

Siehe auch

Literatur

  • Frank Förster: Verschwundene Dörfer im Lausitzer Braunkohlenrevier. 3., bearbeitete und erweiterte Auflage, Domowina-Verlag, Bautzen 2014, S. 190–193.
  • Archiv verschwundener Orte Forst/Horno: Dokumentation bergbaubedingter Umsiedlung, Horno 2010, S. 336–337.
  • Karlheinz Blaschke: Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen. Leipzig 2006, S. 509.
  • Rudolf Noack: Neida – Nydej. Erinnerungen an die verlorene Heimat. Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V., Lohsa/Neschwitz 2002.
  • Ernst Eichler, Hans Walther: Ortsnamenbuch der Oberlausitz. Studien zur Toponymie der Kreise Bautzen, Bischofswerda, Görlitz, Hoyerswerda, Kamenz, Löbau, Niesky, Senftenberg, Weißwasser und Zittau. Bd. I: Namenbuch, Berlin 1975, S. 199.
  • Scholz (Hrsg.): Heimatbuch des Kreises Hoyerswerda. Bad Liebenwerda 1925, S. 328.
  • Arnošt Muka: Statistika hornjołužiskich Serbow pruskeho kralestwa. In: Časopis Maćicy Serbskeje, 1885, Jg. XXXVIII, S. 9, 38.

Einzelnachweise

  1. Arnošt Muka: Statistika hornjołužiskich Serbow pruskeho kralestwa. In: Časopis Maćicy Serbskeje. Jg. XXXVIII, 1885, S. 38.
  2. Scholz (Hrsg.): Heimatbuch des Kreises Hoyerswerda. Bad Liebenwerda 1925, S. 328.
  3. Archiv verschwundener Orte (Hrsg.): Dokumentation bergbaubedingter Umsiedlung. Horno 2010, S. 336 f.
  4. Torsten Richter: Heimat, die bleibt. Ortserinnerungsstätten in der Lausitz. Regia, Cottbus 2013, S. 126.