Naturereignisse und Unglücke in Ostpreußen

Zu den Naturereignissen in Ostpreußen, die in voraufgeklärten Zeiten auch als Schicksals- oder Himmelszeichen verstanden wurden, gehörten im nordöstlichen Mitteleuropa Erdbeben, Kometen, Nordlicht und Sonnenfinsternisse. Die verkürzte Fruchtperiode und die meist kargen Böden machten die Lebensbedingungen im späteren Ostpreußen schwierig. Extreme Klimaschwankungen brachten zusätzliche, oft genug katastrophale Belastungen. Vor 1835 brachten die Jahre 1308, 1349, 1360, 1497, 1510, 1701, 1702, 1768 und besonders 1818 schwere Orkanschäden. 1308 wurde das Tief an der Frischen Nehrung verändert. 1510 entstand das Pillauer Tief.[1]

Naturereignisse

Folgende außergewöhnliche Naturphänomene sind für Ostpreußen vom 14. Jahrhundert bis zum Jahr 1934 dokumentiert:

  • 1322/23: kalter Winter, fast alle Obstbäume erfroren
  • 1427: Dürre, Ostern bis August kein Regen
  • 1506: Birnbäume tragen zweimal Frucht
  • 1556/57: sehr kalter Winter
  • 1572: „Wunderzeichen am Himmel“, Polarlicht
  • 1577: großer Komet über Königsberg
  • 1585: großes Nordlicht für ein „schröckliches Zeichen“ gehalten
  • 1620: Hochwasser; Überflutung des Bodens vom Königsberger Dom; die Köttelbrücke wird fortgerissen
  • 1642: der Storch kommt bereits Ende Januar
  • 1680: am 23. Dezember „nach dem Sonnen Untergang ein schrecklicher Cometstrahl 52° hoch zum ersten mal gesehen worden“, Halleyscher Komet
  • 1706: am 12. Mai totale Sonnenfinsternis, um 11 Uhr völlige Dunkelheit
  • 1709: im Januar ungeheure Kälte; im Lustgarten gehen seltene Bäume ein; noch Anfang Mai fährt man auf der Ostsee Schlitten; Folgen Misswuchs, Hungersnot, Teuerung und die Große Pest. – Siehe auch: Jahrtausendwinter von 1708/1709
  • 1711: Königsberg leidet unter Heuschreckenschwärmen
  • 1718: Orkan mit Überschwemmung von Königsberg
  • 1739/40: sehr strenger Winter; Eichen geborsten; Wein und Bier gefroren; Wachposten, Wild und Geflügel erfroren; die Ostsee öffnet sich erst Mitte Mai
  • 1766: am 12. April totale Sonnenfinsternis
  • 1771: strenger Winter mit Frost bis Ende April, Früh-Sommer extrem trocken, danach „unaufhörlicher Regen“ vom 10. Juli bis 15. Oktober (Kirchenbuch Heiligenwalde)
  • 1794/95: große Kälte
  • 1801: am 3. November Westorkan mit gewaltigem Rückstau; Schiffe liegen auf Wiesen und in Königsberg auf dem Wall
  • 1806: ein Orkan über Königsberg fegt einen der drei Schloßhofgiebel des Berwartbaus herab
  • 1818: im Januar verwüstet ein Orkan weite Teile Ostpreußens, Schadensumme 4.414.710 Taler[1]
  • 1825: Hochwasser, Bootsverkehr auf Plantage, Weidendamm, Fischbrücke und Philosophendamm
  • 1829: winterlicher Weststurm, schwere Überschwemmung, Eisstau an den Pregelbrücken, Albertinum unter Wasser, losgerissene Wittinen, Pregelkrug und Bretterkrug weggerissen
  • 1832: kalter Sommer, in Julinächten Reif und Eis
  • 1834: Hitze und Dürre; zweimaliges Blühen und zweimal Früchte
  • 1836: großes Nordlicht
  • 1849: große Kälte, bis −35 ° = −43,75 °C
  • 1868: heißer Sommer, am 13. August 35,8 °Ré = 44,75 °C
  • 1871: am 1. Juni Schnee
  • 1889: kalter Winter mit 92 Schneetagen
  • 1894: im Februar Weststurm, großer Rückstau; der Damm des Nassen Gartens bricht
  • 1899/1900: schneereicher Winter; die Schneemassen werden in 28.721 Fuhren geräumt
  • 1905: im Juni geringfügiger Erdbebenstoß
  • 1907/08: schneereicher Winter, 175.696 Kubikmeter Schnee geräumt, Kosten 235.860 Mark
  • 1910: im Juli Halleyscher Komet
  • 1911/12: Landgraben bis auf den Grund zugefroren
  • 1912: am 7. April fast totale Sonnenfinsternis. Heißer Sommer, an Königsberger Schulen 25 mal Hitzeferien
  • 1918: im Januar heftiges Wintergewitter
  • 1928/29: sehr harter Winter, Ostsee bis zum Horizont zugefroren; am 7. Januar 42 cm Schneehöhe, am 10. Februar −34,4 °C, mittlere Februartemperatur −13,8 °C, noch im Mai Eis an der Kurischen Nehrung. Meist Nordostwind
  • 1934: ungeheure Schneefälle; die Maifeier fällt aus[2]

Unglücke und Katastrophen

  • 1352: Pest in Königsberg, in 4 Monaten 5.078 Tote
  • 1529: Englischer Schweiß in Königsberg und Ostpreußen, 25.500 Tote
  • 1549: Pest in Königsberg und Ostpreußen, 15.000 Tote
  • 1550: Große Raupenplage in Königsberg und im Samland
  • 1693: Das morsche Bollwerk neben der Holzbrücke stürzt ein, 20 Tote
  • 1709: Beginn der Großen Pest
  • 1747: Das Bollwerk neben der Grünen Brücke stürzt ein, viele Tote
  • 1807: Flecktyphus und Ruhr in Königsberg, 10.000 Tote, Viehsterben, große Teuerung, 1.949 Geburten, 6.392 Todesfälle
  • 1831: Cholera in Königsberg, 2.200 Erkrankungen, 1.327 Tote, siehe auch Cholera-Aufstand in Königsberg
  • 1866: Cholera in Königsberg, 3.967 Erkrankungen, davon 517 Soldaten; 2.671 Tote
  • 1869: Beim Besuch Wilhelms I. bricht das Geländer der Schloßteichbrücke beim Abendfest auf dem Königsberger Schlossteich, 32 Tote
  • 1871: Pocken, 771 Erkrankungen
  • 1871: Cholera, 3.741 Erkrankungen, 1.790 Tote
  • 1914: im August/September Russeneinfall mit Verwüstung von 39 Städten und 1900 Dörfern, siehe Ostpreußische Operation (1914) und Ostpreußen im Ersten Weltkrieg
  • 1916: am 4. Juli Munitionsexplosion in Rothenstein, 44 Tote, 95 Verletzte
  • 1920: Rothensteiner Unglück: am 10. April Explosion der Munitionsfabrik mit vielen Toten; die Kuppel des Krematoriums mit Otto Ewels Fresken stürzt ein
  • 1944: Ende August Luftangriffe auf Königsberg[2]

Literatur

  • Ernst Strehlke, Friedrich Strehlke: Nachrichten über besondere Witterungs-Erscheinungen in Preußen, Altpreußische Monatsschrift Neue Folge 10 (1873), S. 650–660.
  • Ananiasz Rojecki, Ryszard Girguś, Witold Strupczewski: Wyjątki ze źródeł historycznych o nadzwyczajnych zjawiskach hydrologiczno-meteorologicznych na ziemiach polskich w wiekach od X do XVI (Auswahl an historischen Quellen über außergewöhnliche hydrologisch-meteorologische Erscheinungen in Polen vom 10. bis zum 16. Jahrhundert), Warszawa 1965.
  • Piotr Oliński: Mnich wobec pogody. O zapiskach dotyczacych pogody w Kronice pelplinskiej (A monk and the weather. On the notes relating to the weather in the Chronicle of Pelplin), in: Pelplin 725 rocznica powstania Opactwa Cysterskiego. Kulturotwórcza rola cystersów na Kociewiu. Materiały z sesji naukowej zorganizowanej w Pelplinie w dniach 21–23 września 2001 roku przez Starostwo Powiatowe w Tczewie, Instytut Historii Uniwersytetu Gdańskiego oraz Zespół do badań nad historią i kulturą cystersów w Polsce Uniwersytetu Adama Mickiewicza w Poznaniu, Pelplin, Dirschau 2002, S. 155–168.
  • R. Przybyla, G. Wójcik, W. Chorążyczewski, W. Nowosad, K. Marciniak, Piotr Oliński, K. Syta: Zmienność warunków termiczno-opadowych w Polsce w okresie 1501–1840 w świetle danych historycznych (Die Variabilität von Temperaturen und Niederschlägen in Polen im Zeitraum von 1501 bis 1840 im Lichte der historischen Daten), Przegłąd geograficzny 76/1 (2004), S. 5–31.
  • Piotr Oliński, J. Majorowicz, A. Zielski: Temperature Changes in Poland from the 16th to the 20th Century, International Journal of Climatology 25 (2005), S. 773–791.
  • Piotr Oliński: Wylewy Wisły w ziemni chełmińskiej w XV-XVIII wieku, świetle zródel narracyjnych (Die Weichselüberflutungen im Kulmer Land vom 15. bis 18. Jahrhundert in erzählenden Quellen), [in:] Mesto a voda. Praha, mesto u vody. Sborník příspevku z 22. vedecké konference Archivu hlavního mesta Prahy, usporádané ve spolupráci s Institutem mežinárodních studií Fakulty sociálních ved Univerzity Karlovy ve dnech 7. a 8. Října 2003 v Clam-Gallasove paláci v Praze, Praha 2005, S. 95–109.
  • Marie-Luise Heckmann: Zwischen Weichseldelta, großer Wildnis und Rigaischem Meerbusen. Ökologische Voraussetzungen für die Landnahme im spätmittelalterlichen Baltikum, in: Von Nowgorod bis London. Studien zu Handel, Wirtschaft und Gesellschaft im mittelalterlichen Europa. Festschrift für Stuart Jenks zum 60. Geburtstag (Nova mediaevalia 4), hrsg. v. ders. und Jens Röhrkasten. Göttingen 2008, S. 255–295.
  • Marie-Luise Heckmann: Krieg und Wetter – in erzählenden Quellen Preußens und Livlands im 13. und 14. Jahrhundert, in: Piśmienność pragmatyczna – edytorstwo źródeł historycznych – archiwistika. Studia ofiarowane Profesorowi Januszowi Tandeckiemu w sześćdziesiąta oiąta rocznicę urodzin, hg. von Roman Czaja/Krzysztof Kopiński, Toruń 2015, S. 191–212.
  • Marie-Luise Heckmann unter Mitwirkung von Dieter Heckmann: Falken im Ordensland und Herzogtum Preußen, ein ökologisch und ökonomisch knappes Gut, in: Preußenland 8 (2017), S. 7–40. Englische Zusammenfassung

Einzelnachweise

  1. a b Preußische Landes- und Volkskunde: oder Beschreibung von Preußen (1835)
  2. a b Herbert Meinhard Mühlpfordt: Königsberg von A bis Z – ein Stadtlexikon. Leer 1972, ISBN 3-7612-0092-7