Nationalpark Vesuv

Nationalpark Vesuv
Parco Nazionale del Vesuvio

Koordinaten: 40° 49′ 1″ N, 14° 25′ 37″ O
Lage: Kampanien, Italien
Nächste Stadt: Neapel
Fläche: 72.59 km²
Gründung: 5. Juni 1995
Adresse: Via Palazzo del Principe
80044 Ottaviano (NA)

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Der Nationalpark Vesuv (italienisch Parco Nazionale del Vesuvio) ist einer der insgesamt 24 Nationalparks in Italien. Das Kernstück des Parks bildet der Vulkan Vesuv am Golf von Neapel.

Der Park wurde am 5. Juni 1995 gegründet und fasst eine Fläche von 72 km². Er erstreckt sich um den aktiven Vulkan Vesuv und seinen ältesten, heute inaktiven Krater, den Monte Somma.

Entstehung des Vulkankomplexes Somma-Vesuv

Die Entstehung des Vulkankomplexes Somma-Vesuv geht auf über 400.000 Jahre zurück. Die vulkanische Geschichte wird in drei Hauptperioden unterteilt:

  • Von den Anfängen bis zum Ausbruch im Jahr 79 n. Chr., der die Städte Pompeji, Oplontis, Herculaneum und Stabiae begrub.
  • Von 79 n. Chr. bis 1631 folgten weitere Ausbrüche.
  • Von 1631 bis heute mit zahlreichen Eruptionen, wobei es im Jahr 1944 zum letzten Ausbruch kam, der den Vulkan in eine „aktive Ruhephase“ versetzte.

Der Vesuv ist der einzige aktive Stratovulkan auf dem europäischen Festland. Er ist ein Ringvulkan, bestehend aus einem äußeren Kegel, dem Monte Somma, in dessen Inneren sich der kleinere Kegel, der aktive Vesuv, befindet. Die heutige Form ist Ergebnis von Eruptionen der letzten 25.000 Jahre.

Siehe auch: Vesuv

Geografie

Der Nationalpark umfasst den Vulkankomplex Somma-Vesuv und erstreckt sich um ihn herum. Das Gebiet besteht überwiegend aus mediterraner Macchie und Wald. Der Park umfasst 13 Gemeinden: Boscoreale, Boscotrecase, Ercolano, Massa di Somma, Ottaviano, Pollena Trocchia, San Giuseppe Vesuviano, San Sebastiano al Vesuvio, Sant’Anastasia, Somma Vesuviana, Terzigno, Torre del Greco und Trecase.[1]

Außerhalb des Parkgebietes liegen 5 weitere Gemeinden mit homogenen Merkmalen: Cercola, Pompei, Portici, San Giorgio a Cremano und Torre Annunziata.

Geschichte des Nationalparks

Der Nationalpark Vesuv wurde bereits im Rahmengesetz über Schutzgebiete aus dem Jahr 1991 angekündigt[2] und wurde mit dem Dekret des Präsidenten der Republik vom 5. Juni 1995 gegründet[3], um:

  • die Werte des Gebietes und der Umwelt sowie deren Integration mit dem Menschen zu bewahren;
  • die Tier- und Pflanzenwelt sowie die geologischen Besonderheiten zu schützen.

Hauptsitz

Seit 2003 beherbergt das Castello Mediceo in Ottaviano den Nationalpark Vesuv.

Die Residenz der Medici ist ein Symbol der Legalität, da sie der Camorra entzogen und den Bürgern zurückgegeben wurde. Das Schloss wurde 1567 von Don Bernadetto de Medici gekauft, nachdem es 1084 Papst Gregor VII., 1532 Fabrizio Maramaldo und 1551 Cesare Gonzaga beherbergt hatte[4].

Flora und Fauna

Es gibt über 900 Pflanzenarten um den Vulkankomplex Somma-Vesuv, darunter die Birke, die italienische Erle, die italienische Strohblume, die rote Spornblume, mehrere Orchideenarten und viele Pflanzen der Macchie-Buschlandschaft[4].

Es gibt über 40 Arten von Tagfaltern und Brutplätze von Bussarden, Sperbern, Turmfalken, Wanderfalken und Kolkraben. Weitere Wirbeltiere sind Füchse, Marder, Hasen, Wildkaninchen und Siebenschläfer[4].

Besonderheiten im Nationalpark

Gran Cono del Vesuvio

Der höchste Punkt erreicht 1.277 m ü. d. M. mit einem Kraterdurchmesser von 450 m und einer Tiefe von 300 m. Am Fuße des Kraters befinden sich mehrere Eruptionsöffnungen, aus denen die Lavaströme zwischen 1631 und 1944 ausgestoßen wurden. Auf dem Gran Cono del Vesuvio gibt es kleine Fumarolen, welche ein Zeichen für seinen Zustand der „aktiven Ruhe“ sind.

Staatswald

Der Staatswald (italienisch La Foresta Demaniale del Vesuvio) wurde 1912 durch die Staatliche Forstverwaltung am Südhang des Vesuvs zwischen 600 und 900 Metern Höhe in Richtung Boscotrecase und Trecase angelegt. Dafür wurden 600 Hektar Lava umgegraben. Der Wald besteht aus Pinien und Steineichen (Quercus ilex), das Unterholz umfasst Weißdorn, Faulbaum und Stechwinden. Durch den Staatswald verläuft die historische Straße Via Matrone, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut wurde.[5]

Menschliche Nutzung

Tourismus

Der Nationalpark verfügt über 11 offizielle Wanderwege, die von der Parkverwaltung unterhalten werden.[6]

Übersicht über die 11 offiziellen Wanderwege
Nr. Italienische Bezeichnung Deutsche Bezeichnung Art von Wanderweg Länge max. Höhe ü. d. M. Schwierigkeit Benötigte Zeit Schnittstellen mit anderen Wanderwegen
1 La Valle dell’Inferno Das Tal der Hölle Rundwanderweg 12,39 km 1000 m Hoch (lange Strecke) 7 h Kreuzung Wanderweg Nr. 6, Abzweigung Wanderweg Nr. 5
2 Lungo i Cognoli Entlang der Cognoli Rundwanderweg 8,13 km 1112 m Hoch 8 h keine
3 Il Monte Somma Der Monte Somma Rundwanderweg 7,65 km 1132 m Hoch 5 h keine
4 Attraverso la Riserva Tirone Durch das Naturschutzgebiet Tirone Rundwanderweg 11,26 km 625 m Mittel (lange Strecke mit Gefälle) 6 h Kreuzung Wanderweg Nr. 6
5 Il Gran Cono Der Gran Cono Rundwanderweg 4,01 km 1175 m Niedrig (abfallend, leicht und kurz) 2,5 h Kreuzung Wanderweg Nr. 6, Abzweigung Wanderweg Nr. 1
6 La Strada Matrone Die Straße Matrone Panoramaweg 14,18 km 1060 m Mittel (lange Steigung, asphaltiert) 7 h Kreuzung Wanderweg Nr. 4 und Nr. 1
7 Il Vallone della Profica Das Tal der Profica Landwirtschaftsweg 4,38 km 730 m Mittel 3 h Kreuzung Wanderweg Nr. 1 und Nr. 2
8 Il Trenino a Cremagliera Die Zahnradbahn Rundwanderweg 2,91 km 538 m Mittel 2 h keine
9 Il Fiume di Lava Der Lavastrom Lehrpfad 1,04 km 568 m Niedrig 1 h Kreuzung Wanderweg Nr. 8
10 L'Olivella Die Olivella Nicht zugeordnet 3,73 km 370 m Niedrig 2,5 h keine
11 La Pineta di Terzigno Der Pinienwald von Terzigno Nicht zugeordnet 1,5 km 211 m Niedrig 0,5 h keine

Probleme

Waldbrände

August 2025

Am 8. August 2025 entfachte ein Großbrand an den Hängen und Ausläufern des Vesuvs. Eine Fläche von 500 Hektar war betroffen. Die Einsatzkräfte wurden von Löschflugzeugen und durch den Einsatz von Drohnen unterstützt. Durch den Brand wurden Schäden am Wein- und Obstanbau angerichtet, betroffen waren Teile der Lacrima-Christi-Weinlagen.[7]

Müll

Illegaler Abfall bleibt ein Problem im Nationalpark. Es kommt vor, dass an den Ablageorten Brände entstehen.[8]

Zukunft des Nationalparks

2021 eröffnete ein neues Museum im Nationalpark (Museo del Parco Nazionale del Vesuvio). Im Inneren befindet sich eine Ausstellung zur Geschichte des Vesuvs, der geologischen Entwicklung des Vulkankomplexes, zur Flora und Fauna und zum Leben am Vulkan.[9]

Geplant waren weitere neue Attraktionen für Besucher des Nationalparks, etwa eine Seilbahn, ein Blumenpark und neue Radwege.[8]

Commons: Mount Vesuvius – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Parco Nazionale del Vesuvio: Punti d'interesse. Abgerufen am 21. Dezember 2025.
  2. LEGGE 6 dicembre 1991, n. 394 - Normattiva. Abgerufen am 21. Dezember 2025.
  3. Gazzetta Ufficiale. Abgerufen am 21. Dezember 2025 (italienisch).
  4. a b c The Vesuvius National Park was founded on 5th June 1995. In: Parco Nazionale del Vesuvio. Abgerufen am 20. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
  5. La Foresta Demaniale del Vesuvio. In: Meraviglie sconosciute della Campania. Le vie del verde, Nr. 8. Carsa Edizioni spa, Pescara / Napoli 2007, S. 28–33.
  6. Sentieri del Vesuvio. In: Parco Nazionale del Vesuvio. Abgerufen am 14. Januar 2026 (italienisch).
  7. Großbrand am Vesuv zerstört weltberühmte Weinberge. Abgerufen am 21. Dezember 2025.
  8. a b dpa: Italiens Schätze: Neues Museum am Vesuv eröffnet. In: Die Zeit. 8. Juni 2021, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 21. Dezember 2025]).
  9. Vesuvius National Park- www.vesuviusnationalpark.it: Vesuvius National Park – Discover the Museum of the Vesuvius National Park. Abgerufen am 21. Dezember 2025 (englisch).