Nationalmuseum von Sri Lanka

Das Nationalmuseum in Sri Lanka, auch Nationalmuseum von Colombo (englisch: Colombo National Museum) genannt, ist das größte, wichtigste und älteste Museum Sri Lankas und gilt als zentrale Einrichtung zur Bewahrung des kulturellen Erbes der Insel. Es wurde am 1. Januar 1877 von Sir William Henry Gregory, dem britischen Gouverneur von Ceylon, gegründet. Der mehrstöckige Museumsbau im Kolonialstil, entworfen von J. G. Smither nach italienischer Architektur, wurde 1876 fertiggestellt und im folgenden Jahr feierlich eröffnet. In seinen Sammlungen befinden sich viele bedeutende Kunstwerke und Artefakte, darunter die Kronjuwelen und der Thron des letzten Kandy-Königs. Das Museum wird von der staatlichen „Department of National Museums“ verwaltet und gilt als wichtigste kulturhistorische Institution des Landes.[1][2]

Geschichte

Die Gründung des Museums fiel in die Kolonialzeit Ceylons und erfolgte auf Initiative der Royal Asiatic Society, die bereits 1872 den Bedarf für ein öffentliches Museum formuliert hatte. Trotz anfänglicher Widerstände konnte die Legislativversammlung der Kolonie der Errichtung nach einem Jahr zustimmen. Unter Gouverneur Gregory wurde schließlich der heutige Museumsbau in Colombo errichtet. 1877 wurde dem Museum auch eine Bibliothek hinzugefügt. Im Laufe der Zeit erhielt das Museum höhere Bedeutung: In der Amtszeit des Direktors Dr. P. E. P. Deraniyagala (in den 1940er Jahren) wurde ihm offiziell der Status eines Nationalmuseums verliehen. Unter seiner Leitung wurden auch Filialmuseen in Jaffna, Kandy und Ratnapura eröffnet und 1942 das Department of National Museums gesetzlich verankert (Act No. 31).[1][2] Inzwischen gibt es insgesamt neun Zweigmuseen im Land.[3] Zu den jüngeren Einrichtungen auf dem Gelände gehört seit 1986 das Nationalmuseum für Naturgeschichte, das Fauna und Flora Sri Lankas präsentiert. In diesem Museum sind Pflanzen und Tierpräparate ausgestellt, die in Sri Lanka endemisch, selten und vom Aussterben bedroht sind. Es gibt eine große Sammlung von Präparaten von Säugetieren, Vögeln, Reptilien, Insekten, Fischen, Amphibien sowie verschiedene Pflanzenarten und geologische Gesteine.[2]

Am 16. März 2012 stahlen Diebe Artefakte im Wert von 4,4 Millionen Sri-Lanka-Rupien aus dem Nationalmuseum von Colombo. Diese brachen in den ersten Stock ein und stahlen 10 vergoldete Schwerter, 93 Goldmünzen, einen Ring, Spazierstöcke aus der Kandy-Zeit, 18 Silberringe, 50 Silbermünzen, neun Bleimünzen und 34 Banknoten. Die Ermittlungen der Polizei und ein Bericht des Ministeriums für nationales Kulturerbe ergaben, dass am Tag des Raubüberfalls zwei Nachtwächter und ein Aufseher anwesend waren und dass die Überwachungskameras des Museums nicht funktionierten. Die Polizei verhaftete im Oktober 2012 mehrere Verdächtige, woraufhin einige Artefakte wiedergefunden wurden.[4][5]

Gebäude

Das Museumsgebäude in Colombo ist ein zweistöckiger Kolonialbau in italienischem Stil. Es wurde nach den Plänen des königlichen Public-Works-Departements unter Architekt J. G. Smither errichtet und zeigt typische Elemente wie einen Säulenvorbau und hohe, weiß verputzte Fassaden. Über der Haupttreppe im Foyer befindet sich ein auf das 4. Jahrhundert v. Chr. datiertes Buddha-Bildnis, das Besucherinnen und Besucher begrüßt. An das Hauptgebäude wurden im Laufe der Jahrzehnte verschiedene Erweiterungsbauten angefügt: Von 1877 bis ins 20. Jahrhundert hinein entstanden zusätzliche Flügel unter anderem für eine naturhistorische Abteilung und einen Hörsaal.[1][2]

Sammlung

Die Dauerausstellungen des Nationalmuseums gliedert sich auf zwei Etagen: Im Erdgeschoss werden die Ausstellungsräume chronologisch nach historischen Epochen geordnet, im Obergeschoss thematisch (z. B. Kunsthandwerk, Volkskultur).[2]

  • Buddhistische und religiöse Kunst: Die Sammlung umfasst zahlreiche Buddha-Statuen aus verschiedenen Epochen sowie buddhistische Relieffragmente und Artefakte. Herausragend ist eine Kollektion antiker Buddha-Skulpturen, darunter auch ein Brunnenbildnis des Buddha aus dem 4. Jh. v. Chr. (die Tara-Statue ist eine Abgusskopie der Originalstatue, die im British Museum hängt).[1]
  • Archäologische Funde: Zu sehen sind Fundstücke aus frühgeschichtlicher und mittelalterlicher Zeit (vor allem aus den antiken Städten Anuradhapura und Polonnaruwa) wie Steine, Beschriftungen und Keramik. Die Exponate geben einen Überblick über die frühe Geschichte Sri Lankas von der Steinzeit bis zum Ende der singhalesischen Königreiche. Palmblatt-Manuskripte mit antiken Texten bilden ein besonderes Highlight.
  • Königliche Kunstschätze: Das Museum besitzt die Kronjuwelen und den Thron des letzten Kandy-Königs Sri Wickrama Rajasinghe, die den Höhepunkt der Ausstellung im Erdgeschoss bilden. Diese königlichen Insignien wurden 1934 von den Briten an Sri Lanka zurückgegeben. Daneben sind Schmuck, Waffen und Wandgemälde aus der Königszeit zu sehen.
  • Volkstümliche Alltagskultur: Ergänzt wird das Angebot durch Gegenstände der traditionellen Volkskultur: Dazu zählen Masken und Puppen aus rituellen Tänzen, ethnographische Objekte sowie Textilien, Werkzeuge und Haushaltsgeräte früherer Landeskulturen. (Für nationale Festkultur und traditionelles Kunsthandwerk existiert außerdem ein eigenes Museum in Kandy.)
  • Kolonialzeitliche Relikte: Ein weiterer Ausstellungsschwerpunkt liegt auf der Kolonialgeschichte: Möbel, Gemälde, Münzen und Alltagsgegenstände aus der Zeit portugiesischer, niederländischer und britischer Herrschaft illustrieren den Einfluss Europas auf Sri Lanka.

Galerie

Commons: Colombo National Museum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d Colombo National Museum. Abgerufen am 30. November 2025 (britisches Englisch).
  2. a b c d e Sri Lanka Tourism - The Official Website of Sri Lanka Tourism. Abgerufen am 30. November 2025 (englisch).
  3. National Museum. In: Lakpura. Abgerufen am 30. November 2025 (englisch).
  4. No legal action yet in 12-year-old National Museum artefact theft - Breaking News | Daily Mirror. Abgerufen am 30. November 2025 (englisch).
  5. Museum break-in: Robbing spree in the dark of the night. Abgerufen am 30. November 2025.

Koordinaten: 6° 54′ 36″ N, 79° 51′ 39″ O