Nasa (Volk)
Die Nasa sind ein indigenes Volk, das im Departamento del Cauca in der Andenregion im Südwesten Kolumbiens lebt.
Daten und Hintergründe
Die Nasa leben in Cauca, einem Departamento Kolumbiens und dort in 21 Indianerreservaten auf insgesamt 2.764 km² in der schwer zugänglichen Anden-Region Tierradentro. Im Jahr 2018 gehörten ca. 243.200 Personen den Nasa an; sie sind damit nach den Wayuu (380.460) und den Zenú (307.100) das drittgrößte indigene Volk in Kolumbien.[1] Die Gemeinden mit der größten Nasa-Bevölkerung sind laut einer Volkszählung aus dem Jahr 2005 Toribío, Páez und Caldono.[2] Neben Cauca gibt es einige Nasa-Gemeinden in den Departements Valle del Cauca, Putumayo, Tolima, Huila, Caquetá und Meta.[3]
Die Nasa sind wie alle Andenvölker seit der Conquista stark von der spanischen Kultur beeinflusst. Seit dem 20. Jahrhundert und bis heute ist der Koka-Anbau und die daraus resultierende Drogenkriminalität ein immer wiederkehrendes Problem für die Ethnie. Das indigene Volk der Nasa im Norden des Cauca, befindet sich seit der Kolonialzeit im Widerstandskampf. Die Nasa kämpfen um Autonomie, ihre traditionellen Territorien, Kultur, Sprache, Bräuche, Wissen und für die Realisierung ihres Weltbildes, das auf Harmonie zwischen allen Lebewesen beruht. Sie befinden sich inmitten des bewaffneten Konfliktes zwischen Politik, Militär, Paramilitär und Guerilla.[4]
Dieser negativen Entwicklung setzt sich seit 1971 eine Re-Indigenisierungsbewegung entgegen, die neben Kämpfen um Landrechte intensiv versucht, das ethnische Bewusstsein zu stärken. Die Bewegung geht von einer intellektuellen Elite aus, deren Ziel es ist, fremde Kulturelemente zu verbannen und das präkolumbische Erbe so weit wie möglich wieder zu beleben. Dies gilt sowohl für rituelle Revitalisierung der ethnischen Religion und des Schamanentums (und kommt damit einem Krisenkult nahe), als auch für viele andere Kulturelemente. 1994 kam es zu einem verheerenden Erdbeben im südlichen Stammesgebiet, das den Prozess deutlich festigte und beschleunigte. Die Schamanen deuteten dies als Warnschuss der Mutter Erde und anderer numinoser Geistmächte, weil die Indianer dem kommerziellen westlichen Lebensstil gefolgt seien, der bereits große Schäden an der lebenssichernden Umwelt verursacht hätte.[5]
Etymologie
Die Eigenbezeichnung Nasa bedeutet in Nasa Yuwe „Menschen“ bzw. „Volk“, Nasa Yuwe wörtlich „Sprache des Volkes“.[6] Der zuvor von der spanischen Kolonialverwaltung verwendete Name Páez wird von den indigenen Organisationen nicht mehr verwendet. Die Organización Nacional Indígena de Colombia (ONIC) führt das Volk heute als „Pueblo Nasa“.[6] Der Name Paez ist eine Fremdbezeichnung aus der spanischen Kolonialzeit für das indigene Volk der Nasa. Er geht laut Daniel Ricardo Martínez Bernal auf eine kastilisierte Form des Nasa-Wortes pats zurück, das „a la derecha (del río)“ („rechts [vom Fluss]“) bedeute.[7] Laut Juan Carlos Castro Bermúdez handle es sich zufolge der Nasa-Linguisten aus dem Reservat Yaquivá jedoch um ein zusammengesetztes Wort, wobei „Pa“ „ankamen“ und „ez“ „Laus“ bedeutet. Man könne also davon ausgehen, dass dieser Begriff nicht aufgrund der Lage rechts vom Fluss entstanden sei, sondern als abwertende Bezeichnung für die Ankunft der Spanier als eine Plage.[8] Laut José Herinaldy Gómez Valencia wurde die Bezeichnung »paeces« von den Spaniern beim Erstkontakt eingeführt.[9]
Literatur
- Nina Richter: Hochland Kolumbien: Paez-Schamanismus. 2001, E-Book ISBN 978-3-640-01925-0.
- Josef Drexler: Öko-Kosmologie – die vielstimmige Widersprüchlichkeit Indioamerikas: Ressourcenkrisenmanagement am Beispiel der Nasa (Paez) von Tierradentro, Kolumbien. Verlag LIT; 5. Februar 2009, ISBN 3-8258-1926-4.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Poblaciòn indìgena de colombia | Resultados del censo nacional de poblaciòn y vivienda 2018 (PDF; 4,0 MB), auf dane.gov.co
- ↑ Ministerio de Cultura: Nasa (Paez), la gente del agua
- ↑ Departamento administrativo nacional de Estadística: Colombia una nación multicultural | Su diversidad étnica (PDF; 1,0 MB), Mai 2007.
- ↑ Gewaltfreier Widerstand der NASA Summereder, Magdalena (2012) Gewaltfreier Widerstand der NASA. Diplomarbeit, Universität Wien. Fakultät für Sozialwissenschaften
- ↑ Drexler 2009, S. 144–145.
- ↑ a b Organización Nacional Indígena de Colombia (ONIC): «Perfil del Pueblo Nasa (antes llamado Páez)»
- ↑ Daniel Ricardo Martínez Bernal: Más allá de la resistencia civil: Juan Tama y la cacica Gaitana en los antecedentes de la resistencia no violenta de los pueblos Nasa, S. 178. In: Educación, Identidad y Derechos como estrategias de los pueblos indígenas. II decenio de los pueblos indígenas (2005-2015). Universidad Católica de Murcia, España. ISBN 978-84-92986-91-0
- ↑ Castro Bermúdez, A. C., & Téllez Navarro, R. F. (2018). Explorando el origen de nuestros ancestros: el nacimiento del pueblo Nasa: La historia de un genocido. Revista Republicana, 24.
- ↑ José Herinaldy Gómez Valencia (2000): «Lugares y Sentidos de la Memoria Indígena Páez». Convergencia 7(21), PDF bei RedALyC