Nakahama Manjirō

Nakahama Manjirō, auch Nakanohama Manjirō, John Manjirō und John Mung (jap. 中浜 万次郎, ehem. 中濱 萬次郎; * 27. Januar 1827 in Nakanohama (Teil des heutigen Tosashimizu); † 12. November 1898) war ein japanischer Übersetzer und Beamter während der Edo-Zeit (Bakumatsu) und der Meiji-Restauration.

Leben

Als Sohn eines Fischers geboren, ging er dem Beruf seines Vaters nach. Er und vier weitere Fischer wurden 1841 von einem Taifun auf eine einsame Insel verschlagen. Nach einem halben Jahr wurde er von William Whitfield, einem US-amerikanischen Walfänger gerettet. Nach Ende der Waljagdsaison begleitete er Whitfield in die USA, der ihn als Pflegesohn betrachtete und in seine Familie aufnahm. Er erhielt eine strukturierte Schulbildung und erlernte Englisch, Mathematik, Navigation sowie Vermessungskunde. Er arbeitete als Walfänger und als Goldsucher in Kalifornien. Diese neuen Erfahrungen und Kenntnisse wurden ihm später in Japan sehr nützlich, da dort durch die Abschließung Japans Fremdsprachkenntnisse und westliches Wissen nur eingeschränkt verbreitet waren.

1850 kehrte er über das Königreich Hawaiʻi und die Ryūkyū-Inseln nach Japan zurück und erreichte 1851 Kagoshima in Satsuma. Dort wurde er auch von Daimyō Shimazu Nariakira befragt, der sehr am Westen interessiert war. 1852 in sein Heimatlehen Tosa zurückgekehrt, wurde er in den niederen Samuraistand erhoben und wählte den Familiennamen Nakahama nach seinem Heimatdorf aus.

1853 wurde er auf Betreiben Abe Masahiros zu einem Bakufu-Beamten ernannt. In dieser Verwendung übersetzte er Bücher über Navigation und Dokumente, die ausländische Botschaften betrafen. Er verfasste ein Werk über englische Konversation und unterrichtete Navigation an der vom Shogunat ins Leben gerufenen Marineschule. Es war das Jahr, in dem der amerikanische Commodore Matthew Perry auf Befehl des amerikanischen Präsidenten Millard Fillmore mit seiner Flotte von vier Schiffen Japan besuchte und das Land zwang, «sich zu öffnen», was weitreichende politische Veränderungen in Japan auslöste.

1860 reiste Nakahama an Bord der Kanrin Maru als Mitglied der japanischen Gesandtschaft in die Vereinigten Staaten.

Später leitete er den Walfang um die Bonin-Inseln und unterrichtete Englisch in Satsuma und Tosa. Nach Beginn der Meiji-Restauration wurde er Professor für Englisch an der Tōkyō Kaisei Gakkō, des Vorläufers der Universität Tokyo.

1870 begleitete er Ōyama Iwao auf einer Europareise, die den Zweck hatte, aus dem Verlauf des Deutsch-Französischen Kriegs neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Zu seinem Ziehvater Whitfield hielt er zeitlebens Briefkontakt. Dieser Verbindung wurde auch von den Nachfahren fortgesetzt und bildete die Basis für eine seit 1987 bestehende Städtepartnerschaft zwischen Fairhaven (Massachusetts) und Tosashimizu. Aus dieser Partnerschaft entwickelte sich die John Manjiro-Whitfield-Gedenkgesellschaft, die sich als Graswurzelbewegung der Völkerverständigung zwischen Japan und USA widmet.[1]

Sein Sohn Nakahama Tōichirō wurde ein bekannter Arzt.

Rezeption

Der am 28. Oktober 1989 von Tsutomu Seki entdeckte Asteroid (4841) Manjiro wurde nach Nakahama benannt.

Literatur

  • Ardath W. Burks (Hrsg.) The Modernizers. Overseas Students, Foreign Employees, and Meiji Japan. Westview Press, Boulder and London 1985. ISBN 0-86531-826-3
  • Kaneko Hisakazu: Manjiro, the man that discovered America. Houghton-Mifflin, Boston 1956.
  • Iwao Seiichi (Hrsg.): Biographical Dictionary of Japanese History. Kondansha International, Tokyo 1978. ISBN 0-87011-274-0
  • Shintaro Takagi (Hrsg.): The Japan biographical encyclopedia & who's who. Rengo Press, Tokyo 1958.
  • S. Noma (Hrsg.): Nakahama Manjirō. In: Japan. An Illustrated Encyclopedia. Kodansha, 1993. ISBN 4-06-205938-X, S. 1038.
Commons: Nakahama Manjirō – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. [1]