Naftali Avnon

Naftali Avnon (hebräisch אבנון נפתלי Avnon Naftal) auch Naftali Rubinstein (geboren 10. April 1910 in Pinsk, Russisches Kaiserreich, ab 1920 Polen, heute Belarus; gestorben 22. Juni 1977 in Tel Aviv)[1], war ein jüdischer, russischer Bauhausschüler[2][3], Fotograf, Fotojournalist, Kameramann, Autor und Grafiker. Er war Mitbegründer der Israelischen Filmvereinigung Igud Anaf Hakolnoa.

Leben

Naftali Avnon wurde am 10. April 1910 in Pinsk, in einer wohlhabenden und zionistischen Familie, geboren. Über seine Eltern und Familie ist bis jetzt nichts bekannt.

Ausbildung am Bauhaus

Naftali Avnon besuchte in Warschau das Gymnasium bis zur 10. Klasse und schloss sich schon in jungen Jahren der internationalen sozialistisch-zionistischen Jugendorganisation Hashomer Hatzair an. Im Jahr 1928, im Alter von 18 Jahren, zog Avnon nach Dessau und begann nach dem Vorstudium sein Studium für Druck/Reklame an der dortigen Bauhaus-Schule.[4] Zu seinen Lehrern zählten der Maler und Kunsttheoretiker Josef Albers, der Maler und Typograf Joost Schmidt und das Studium der Fotografie bei Walter Peterhans.

“Am interessantesten sind in diesem Zusammenhang Probenfotografien, die von dem Bauhaus-Studenten Naftali Avnon (1910–1977) vom Frauentanz aufgenommen wurden. Diese geben eine Vorstellung von der unheimlichen, etwas gestelzten Bewegung, die die puppenartigen "Frauen" (eigentlich Männer) in ihren extravaganten Masken und Kostümen herstellten, die wie orientalische Parodien der Mode des neunzehnten Jahrhunderts aussehen. Noch interessanter ist, dass die Schnappschüsse die Kraft der Tänzer offenbaren, den Fotografen in Bewegung zu bringen, ihn den seltsamen Kreaturen näher zu kommen und sich von ihnen zu entfernen, sie aus ungewöhnlichen Winkeln oder in verschiedenen Lichtkonfigurationen zu betrachten. Schlemmer wollte die Bilder jedoch nicht veröffentlichen, weil sie kein angemessenes Gefühl für den Raum vermittelten, in dem die Tänzer auftraten, und weil sie spontan oder amateurhaft aussahen, nicht wie echte Kunstwerke. Er bevorzugte die gestellten Fotografien des Stücks von Umbo (Otto Umbehr), die zwar an sich durchaus interessant sind, aber nicht die Idee eines Tanzes vermitteln (Faber, Tanzfoto, 79–83)”

Faber: The Bauhaus Experiments[5]

Im Fotokurs freundete er sich mit seiner jugoslawischen Kommilitonin und überzeugten Kommunistin Ivana Tomljenović-Meller an, die später Fotografin, Grafikdesignerin und Kunstlehrerin wurde. Ivana Tomljenović-Meller war in die KPD eingetreten und bewegte sich innerhalb des Kreises der Kommunistischen Studentenfraktion am Bauhaus.[6]

Im Jahr 1929 nahm Naftali Avnon an der Ausstellung Film und Foto (FiFo), ausgerichtet vom Deutschen Werkbund, in Stuttgart teil und ging nach Abschluss seines Bauhausstudiums nach Paris.[1]

Zeit in Warschau

Um 1934 kehrte Avnon nach Warschau zurück und eröffnete ein Grafik- und Fotostudio, zu dessen Kunden Buchverlage, das Ministerium und private Unternehmen gehörten. Hier schloss er sich dem Kreis der Sympathisanten der Ideale der Russischen Revolution der "Fortschrittlichen Internationalen" an.

Reise nach Palästina 1936

Im Jahr 1936 reiste er zum ersten Mal nach Palästina und folgte seinen Eltern, die dorthin emigriert waren. 1937 kehrte er zur Weltausstellung nach Paris zurück, verband sich auch dort mit der kulturellen Bohème und arbeitete erstmals am experimentellen Kino.

Im Zweiten Weltkrieg

In den Jahren 1936 bis 1942 arbeitete er als Fotojournalist und fotografierte er für die Spendenorganisation Keren Hayesod und der Organisation für Umweltprojekte JNF. Im Jahr 1938 kehrte er für immer nach Tel Aviv zurück. Wie in Warschau und Paris knüpfte Naftali Avnon auch hier in Tel Aviv Kontakt zu jungen israelischen Künstlern und Intellektuellen, zu denen Nissim Aloni, Uri Zohar, Amir Gilboa, Natan Zach, Heda Bushes, Shabtai Tevet, Rachel Eitan und Mimi Brafman gehörten.[1] Naftali Avnon trat dem Team der Filmabteilung der jüdischen Gewerkschaft bei, die vom Schweizer Kameramann und Filmregisseur Helmar Lerski geleitet wurde. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs meldete er sich freiwillig zur britischen Armee und diente dort von 1941 bis 1945 in der Einheit für Kartografie und Fotografie. Später leistete er seinen Dienst in der Karten- und Fotodienst-Einheit der zionistisch paramilitärischen Untergrundorganisation Palästinas Hagana, zu der auch unter anderem die in Deutschland geborene Fotografin Margot Meier-Sadeh (1910–1951), der Fotojournalist Boris Carmi (1914–2002) und sein Sohn Rotenberg gehörten.

Israelische Streitkräfte Abteilung Filmeinheit 1948

Da die israelischen Streitkräfte topografische Karten zur Unterstützung im Palästinakrieg (1947–1949) benötigten, schufen sie die Karten- und Fotoabteilung (MASRIT) und erstellten Mitte des Jahres 1948 eine Untereinheit für den Film. Unter der Leitung von Naftali Rubinstein gelang dieses Vorhaben. Zu diesem Zeitpunkt änderte er seinen Namen in Naf (Naftali) Avnon.

“Avnons fundierte Kenntnisse in Fotografie, Filmemachen und seine geschickte Kameraführung, die er durch seine umfangreiche Ausbildung und Erfahrung vor dem Krieg erworben hatte, zeichneten ihn und die Arbeit seines Teams aus. Im Gegensatz zu seinen Kollegen in anderen Bereichen des israelischen Militärs, die dazu neigten, die Kamera einfach auf das Geschehen zu richten und alles aufzunehmen, was gerade passierte, wie ungeschnittenes Filmmaterial des IDF-Sprechers von Anfang an die Fähigkeit schätzte, beim Drehen von Filmmaterial eine Erzählung zu schaffen, und sich der Kamerawinkel, der Platzierung der Motive und der Beleuchtung bewusst war. Ton wurde erst viel später vor Ort aufgenommen, aber in dieser frühen Phase wurde er in der Postproduktion zusammen mit Musikstücken, Soundeffekten und Audiokommentaren hinzugefügt. Einer der ersten Mitarbeiter Avnons mit Erfahrung im Filmemachen, Alfred „Freddy“ Steinhardt (1923–2012), sagte später, dass die Einheit mit mehreren Leuten begann, die nichts über Film wussten, aber versuchten, der Front zu entgehen.”

Rachel S. Harris: From Battlefield to Big Screen: Tracing the Origins of Israeli Cinema Through the Archives of the IDF Film Unit[7]

Nach dem Palästinakrieg

Nach Kriegsende lag eine der besonderen Aufgaben der Einheit in der Produktion von Lehr- und Informationsfilmen, die der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Diese Filme waren in der Regel von staatlichen Stellen in Auftrag gegeben worden und boten die größten Möglichkeiten für Kreativität und erzählerische Entwicklung.[8] Diese Militäreinheit wurde, sowohl wie ihr Leiter Naftali Avnon als auch seine Mitarbeiter für ihren Beitrag zum Filmschaffen und ihren Versuch, eine nationale Filmindustrie in Israel aufzubauen, respektiert und anerkannt. Im Jahr 1948 trat Avnon in die Israel Defense Forces (IDF) ein und gründete die Teaching Films Unit. Ab 1950 gab er die professionelle Fotografie auf, arbeitete als freischaffender Grafiker und war als professioneller Berater für Design und Fotografie im israelischen Pavillon auf internationalen Messen tätig. Im Jahr 1952 gehörten Avnon und Steinhardt mit einer Gruppe von Kameraleuten und Filmtechnikern zu den Gründern der Israelischen Filmvereinigung Igud Anaf Hakolnoa.[9]

Naftali Avnon starb am 22. Juni 1977 in Tel Aviv und wurde im Kibbuz Mischmar haEmek beigesetzt. Die meisten seiner Bücher über Grafik, Fotografie und Kunst schenkten seine Erben der Bezalel Academy of Art in Jerusalem.[1]

Mitgliedschaften

  • 1939 bis 1941 Der Verband der professionellen Fotografen im Land Israel (Palestine Professional Photographers Association (PPPA)) (התאחדות הצלמים המקצועיים בארץ-ישראל)

Filmografie

  • 1946 bis 1950 Balaam's Story, Kamera, Standfotos
  • 1950 Mi Klalah L'Brahah, Kamera, Kamera-Assistent
  • 1947/48 Adamah, Kamera
  • 1940/41 Kupat Cholim, Aufnahmeleitung
  • 1941 Labour Palestine, Aufnahmeleitung
  • 1940 Amal, Aufnahmeleitung
  • 1939/40 Yaldei Haschemesch, Aufnahmeleitung[10]

Eigene Werke

  • So eat, my darling A guide to the yiddish kitchen von Uri Sella und Naf Avnon New York : F. Fell Publishers 1977
  • Porträts und Porträts "דיוקן ודיוקנאות" – Naf Avnon, Tzur & Tzur Publishing, Aviraz Press, 1980

Literatur

  • Zum Gedenken an Nafti Avnon – Kommandant der Filmeinheit (לזכר נפתי אבנון – מפקד יחידת ההסרטה), Nathan Gross, Al HaMishmar, 27.7.1977
  • Naf starb im Sommer (נף מת בקיץ), Niva Lanir-Palevsky, Davar, 31. August 1979
  • Beilage zu den Toten im Sommer, Yaakov Tzur, Davar, 28.9.1979
  • Gespräch mit Michael Salai (שיחה עם מיכאל סלעי), September 2002
  • Gespräche mit Raya Gordon und Mimi Brafman (שיחות עם רעיה גורדון ומימי ברפמן), August 2002
  • Sela Rona, Photography in Palestine – Eretz Israel in the 1930s and 1940s, Begleitbuch zu einer Ausstellung, Hakibbutz Hameuchad Publishing, Red Line, Herzliya Museum, Mai 2000, S. 46, 297
  • Photographers of the Land, Herausgeber: Guy Raz, Mapa and Hakibbutz Hameuchad Publishing, 2003, S. 111–119. Und sie haben Deutschland verlassen... müssen. Fotografen und ihre Bilder 1928–1997, Hrsg.: Klaus Honnef / Frank Weyers (Autor), Bonn, 1997, S.

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Erwähnung in der Literatur

  • Ulricke Pilarczyk: Gemeinschaft in Bildern Jüdische Jugendbewegung und zionistische Erziehungspraxis in Deutschland und Palästina/Israel. Wallstein, Göttingen 2009, ISBN 978-3-8353-0439-0, S. PDF (igdj-hh.de [PDF]).

Einzelnachweise

  1. a b c d e Avnon Naftali. In: Fotografen. Das Zentrum für Dokumentation und Erforschung lokaler Fotografie Das Haus der Fotografie המרכז לתיעוד ומחקר של צילום מקומי בית הצילום (hebräisch), abgerufen am 25. September 2025.
  2. Anmerkung: Im Kontext des Bauhauses wurde und wird Naftali Avnon, wie auch einige andere jüdische Studenten, aus der Region des Russischen Kaiserreichs als „polnische Juden“ angesehen, obwohl Polen als eigenständiger Staat zu dieser Zeit nicht existierte.Elisabeth Blum, Jesko Fezer, Günther Fischer, Angelika Schnell: Linke Waffe Kunst Die Kommunistische Studentenfraktion am Bauhaus. Birkhäuser, 2022, ISBN 978-3-0356-2489-2, S. 184 (google.de).
  3. Laut Einschreibebuch an der Bauhausschule gibt Naftali Avnon als Staatsangehörigkeit Polnisch an. Avnon Naftal. In: Grunddaten. Forschungsseite bauhaus community, abgerufen am 27. September 2025.
  4. Elisabeth Blum, Jesko Fezer, Günther Fischer, Angelika Schnell: Linke Waffe Kunst Die Kommunistische Studentenfraktion am Bauhaus. Birkhäuser, 2022, ISBN 978-3-0356-2489-2, S. 187 (google.de).
  5. The Bauhaus Experiments Schools of Bodily Expressivity
  6. Elisabeth Blum, Jesko Fezer, Günther Fischer, Angelika Schnell: Linke Waffe Kunst Die Kommunistische Studentenfraktion am Bauhaus. Birkhäuser, 2022, ISBN 978-3-0356-2489-2, S. 182 (google.de).
  7. From Battlefield to Big Screen: Tracing the Origins of Israeli Cinema Through the Archives of the IDF Film Unit
  8. Film und Fotografie - Exilforschung ein internationales Jahrbuch Band 21. De Gruyter, 2022, ISBN 978-3-11-242290-8, S. 181 (google.de).
  9. Rachel S. Harris: From Battlefield to Big Screen: Tracing the Origins of Israeli Cinema Through the Archives of the IDF Film Unit (Identities, vol. 18 no. 1, 2025, p. 187-206 ). In: Journal of Jewish Identities Issue 18, Number 1, January 2025 Johns Hopkins University Press. Project MUSE, 2025, abgerufen am 25. September 2025.
  10. Naftali Rubinstein. In: Filmografie. filmportal.de, abgerufen am 25. September 2025.