NS-Zwangsarbeit bei Ford in Köln

Die NS-Zwangsarbeit bei Ford in Köln fand von 1942 bis 1945, also bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, statt. Um dem Produktionsdruck als kriegswichtiges Automobilunternehmen nachzukommen, reichten die deutschen Arbeiter nicht mehr aus.[1] Im Jahr 1943 waren etwa die Hälfte der 5000 Arbeitskräfte im Kölner Werk kriegsgefangene Russen und aus der Sowjetunion und der Ukraine verschleppte Frauen und Mädchen.

Die Unterbringung fand in Baracken in unmittelbarer Nähe der Fabrik in Köln-Niehl statt. Es gab drei, streng voneinander abgegrenzte Lager: für die Gefangenen aus dem Westen, dem Osten und denen aus Italien. Die Verpflegung und Behandlung der „Ost-Arbeiter“ war deutlich schlechter als die der anderen Zwangsarbeiter. Sie schliefen in großen, schlecht beheizten Räumen mit dreistöckigen Holzpritschen. Zunächst durften nur die „West-Arbeiter“ das Gelände am Sonntag verlassen. Im Sommer 1943 bekamen auch die Arbeiterinnen mit dem „OST“-Aufnäher diese Ausnahmegenehmigung.[2]

Um ihren Hunger zu stillen, entwendeten manche Häftlinge Nahrungsmittel und wurden mit Schlägen und Einzelhaft im Karzer bestraft. Es entstanden konspirative Gemeinschaften, die die Gestapo „Plündererbanden“ nannte.[3]

Es gab zwei Arbeitsschichten: von 5 bis 14 und von 14 bis 23 Uhr. Die Zwangsarbeiter wurden von Angestellten des Werkschutzes bewacht. Der Werksarzt führte Zwangsabtreibungen an „Zivilrussinnen“ durch.[4] Viele im Lager geborene Säuglinge und Kleinkinder starben. Die meisten ihrer Gräber finden sich auf dem Kölner Westfriedhof.

Im August 1944 unterhielt Ford eine eigene Abteilung im KZ Buchenwald, genannt „Köln-Ford“. Am 20. August 1944 meldete SS-Oberscharführer Josef Gergel den erfolgreichen Einsatz von 50 Gefangenen aus Buchenwald für Transport- und Schreinerarbeiten in Köln.[5] Die SS erhielt pro Tag 6 Reichsmark für diese Facharbeiter.

Ende Februar 1945 stellte Ford die Produktion ein. Die meisten Zwangsarbeiter wurden auf die rechte Rheinseite gebracht.[6]

Aufarbeitung

Die Aufarbeitung des Zwangsarbeiter-Themas geschah in der geschichtswissenschaftlichen Fachliteratur und im NS-Dokumentationszentrum Köln. Die Ford-Werke in Köln halten ihr Archiv verschlossen. In seinem 1987 erschienenen Buch Ford-Schritte widmet Hanns-Peter Rosellen der Zwangsarbeit nur diese Zeilen über den Beginn des Jahres 1945:

„Die rund 500 Fremdarbeiter und Kriegsgefangene — meist Franzosen und Russen —wurden eilig ins rechtsrheinische Gebiet transportiert. Bei vielen Firmen rächten sie sich nach ihrer Freilassung noch für schlechte Behandlung während der Kriegstage mit Plünderungen und Schlägereien.“[7]

Der Betriebsrat des Unternehmens veröffentlichte im Jahr 2011 das Buch zu einer Ausstellung 80 Jahre Arbeitsbedingungen bei Ford in Köln. Darin findet sich eine Seite mit knappen Informationen über das Außenlager im KZ Buchenwald. Autor Thomas Freels schließt mit dem Satz: „Etwa 245 Insassen des Zwangsarbeiterlagers blieben bis zum Eintreffen der amerikanischen Streitkräfte auf dem Werksgelände.“

Literatur

  • Projektgruppe Messelager, Verein des EL-DE-Haus e.V. (Hrsg.): Zwangsarbeit bei Ford.[8]

Einzelnachweise

  1. Ford in Köln war geprägt von der ideologischen Nähe von Henry Ford und Adolf Hitler.
  2. Working for the enemy: Ford, General Motors, and forced labor in Germany during the Second World War. Berghahn Books, New York, NY 2004, ISBN 978-1-84545-013-7, S. 188.
  3. Hauptstadtarchiv Düsseldorf RW 34/8 und BR 2023 VH I/1327
  4. Reinhold Billstein u. a. (Hrsg.): Working for the Enemy. Ford, General Motors and Forced Labor in Germany during the Second World War. Berghahn Books, New York, London 2004, ISBN 1-84545-013-2.
  5. Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen Ludwigsburg, IV 406 AR 85/67
  6. UB: ZwangsarbeiterInnen bei FORD AG Köln. In: Untergrund-Blättle. (xn--untergrund-blttle-2qb.ch [abgerufen am 5. September 2025]).
  7. Hanns-Peter Rosellen, Hanns-Peter Rosellen: Ford-Schritte: Der Wiederaufstieg der Ford-Werke Köln von 1945 - 1970 (= Sachbuch-Edition Belletechnik (= Zyklam-Edition Belletechnik). Nr. 2). 1. Auflage. Zyklam-Verl, Frankfurt 1988, ISBN 978-3-88767-079-5.
  8. Zwangsarbeit-Archiv