Mychajlo Kolatschewskyj
Mychajlo Mykolajowytsch Kolatschewskyj (auch Mychajlo Kalatschewskyj, ukrainisch Михайло Миколайович Колачевський; * 26. September 1851 in Popiwka, Gouvernement Cherson (heute Oblast Kirowohrad); † 1907 in Rokytne) war ein ukrainischer Komponist, Pianist und Jurist.
Leben und Wirken
Kolatschewskyj besuchte von 1863 bis 1870 ein privates klassisches Gymnasium in Odessa. 1870 begann er ein Jurastudium an der Universität Odessa, wechselte jedoch aus gesundheitlichen Gründen an die Universität Kiew. 1872 reiste er zur Behandlung nach Deutschland und wurde im selben Jahr Student an der Leipziger Konservatorium. Dort studierte er, wie zuvor Mykola Lyssenko, bei Ernst Richter, Salomon Jadassohn, Carl Reinecke, Ernst Ferdinand Wenzel und Ignaz Moscheles.[1] Am 28. Juni 1876 fand unter seiner Leitung im Gewandhaus die Uraufführung seines Abschlusswerks Ukrainische Sinfonie statt.[2][3]
Nach seinem Studium in Deutschland kehrte Kolatschewskyj in die Ukraine zurück und ließ sich in Krementschuk nieder. In den 1880er Jahren war Kolatschewskyj Ehrenrichter am Bezirks- und Provinzgericht. Ab 1890 stand er zehn Jahre lang an der Spitze der Exekutive in der Verwaltung von Krementschuk. Neben seiner juristischen Tätigkeit beschäftigte er sich mit Musik, gründete ein Klaviertrio und organisierte Kammerkonzerte. 1901 fand in Krementschuk die erste Aufführung der Ukrainischen Sinfonie in der Ukraine statt, gespielt vom Orchester von Dmitri Achscharumow.[4]
Im Herbst 1903 verschlimmerte sich seine chronische Erkrankung zu einer fortschreitenden Lähmung, sodass er sein seit 1900 ausgeübtes Amt als Richter niederlegte. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er auf seinem Gut im Dorf Rokytne, wo er am 26. September 1907 verstarb. Sein Grab wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. 1987 wurde auf dem Friedhof in Rokytne eine Grabplatte in Form eines Klavierdeckels aufgestellt.
Kolatschewskyj war verheiratet und hatte zwei Söhne und eine Tochter.[5]
Zu seinem musikalischen Werk zählen neben der Ukrainischen Sinfonie ein Streichquartett, Klavierstücke, ein Requiem und 19 Romanzen. Seine Kompositionen sind vielfach auf ukrainische Volkslieder und Melodien zurückgeführt.[6]
Einzelnachweise
- ↑ Olha Wassylenko: Творчість М. Колачевського у просторі української культури ХІХ сторіччя. In: Київське музикознавство. 2014, S. 121–131 (gov.ua).
- ↑ Kolachevsky Mykhailo Mykolayovych - Ukrainian Musical World. Abgerufen am 26. September 2025 (englisch).
- ↑ Kalachevsky, Mykhailo: Ukrainische Sinfonie (1876). Abgerufen am 26. September 2025.
- ↑ В. В. Кузик: Колачевський Михайло Миколайович. In: Енциклопедія Сучасної України. 12. Dezember 2014 (com.ua [abgerufen am 25. September 2025]).
- ↑ Valentyna Kulyk: Михайло Колачевський: розшуки і знахідки. In: МУЗИКА. 28. Juni 2016, abgerufen am 24. September 2025 (ukrainisch).
- ↑ Kalachevsky, Mykhailo. Abgerufen am 26. September 2025.