Mwana Kupona

Mwana Kupona binti Mshamu (* 1810 in Pate; † 1860) war eine Dichterin des 19. Jahrhunderts und Verfasserin des didaktischen Lehrgedichts Utendi wa Mwana Kupona, welches zu den bekanntesten Werken der frühen Swahili-Literatur zählt.[1] Sie gilt in der Literaturgeschichtsschreibung als erste prominente swahilische Dichterin und behauptet mit ihrem Werk einen kanonischen Status in der traditionell männlich dominierten Swahili-Dichtung.[2][3]

Leben

Die Namensform Mshamu ist in bibliografischen und handschriftlichen Quellen belegt; Varianten ohne Endvokal (Msham) finden sich ebenfalls, doch führen maßgebliche Kataloge die Autorin als Mwana Kupona binti Mshamu.[1][4] Sie entstammte dem Lamu-Archipel an der heutigen Nordküste Kenias (Pate/Siyu), einer Region mit ausgeprägter swahilischer Handschriftkultur.[1] Mwana Kupona kam 1810 auf der zum heute kenianischen Lamu-Archipel gehörenden Insel Pate zur Welt, die damals dem Sultanat Sansibar unterstand.[5] Über ihr Leben ist nur Weniges sicher überliefert; eine zentrale Quelle sind biografische Notizen, die in Form eines Fragebogens an den Enkel der Dichterin und an das Umfeld ihres Ehemanns übermittelt wurden.[6] Demnach war sie mit dem Siyu-Herrscher Scheich Bwana Mataka verheiratet und hatte Kinder, darunter die Tochter Mwana Hashima binti Sheikh, der sie später ihr berühmtes Gedicht widmete.[6][1]

Wirken

Utendi wa Mwana Kupona ist ein Lehrgedicht in klassischer utenzi-Form, das einer jugendlichen Tochter mütterliche Ratschläge zu Eheführung, häuslichem Verhalten und religiösen Pflichten erteilt.[1][7][3] Der Text ist stark religiös grundiert und entfaltet seine Ethik aus einem islamischen Wertehorizont, wobei die Forschung zugleich auf ambivalente und ironische Brechungen hinweist.[3] Ihr Utendi entstand 1858, was der Text selbst mit der islamischen Jahreszahl 1275 datiert; die Handschriftenüberlieferung bestätigt diese Datierung.[4] Das Werk zirkulierte zunächst in zahlreichen Handschriftenkopien in arabischer Schrift, wie erhaltene Manuskripte belegen.[7][4] Eine frühe Druckausgabe erschien 1917; seitdem liegt der Text in mehreren Editionen und Übersetzungen vor.[3][7] Das Gedicht fand weite Verbreitung und es existieren zahlreiche Abschriften.[8] Trotz des scheinbar säkularen Themas ist das Werk stark religiös und sogar mystisch geprägt. Die letzten Zeilen des Gedichts sind der Autorin selbst gewidmet:

„Mwenye kutunga nudhumu
Ni gharibu mwenye hamu
Na ubora wa ithimu
Rabbi tamghufiria
Ina lake mufahamu
Ni mtaraji karimu
Mwana Kupona Mshamu
Pate alikozaliwa
Tarikhiye kwa yakini
Ni alifu wa miyateni
Hamsa wa sabini“

Mwana Kupona: Utendi wa Mwana Kupona

Die Autorin bezeichnet sich als trauernde Witwe, als Sünderin, die aber auf Vergebung durch Gott vertraut; sie nennt ihren Namen (Mwana Kupona Mshamu) und ihren Geburtsort Pate und endet mit der Jahresangabe 1275 (islamischer Kalender).

Rezeption

Mwana Kupona wurde mit dem Utendi in die 1992 erschienene Anthologie Daughters of Africa von Margaret Busby aufgenommen.[9] Der kenianische Autor und Dozent für Swahili-Literatur Kitula King'ei veröffentlichte 2000 ein Kinderbuch mit dem Titel Mwana Kupona: Poetess from Lamu, basierend auf der Arbeit und dem Leben von Mwana Kupona.

Commons: Mwana Kupona – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Utendi wa Mwana Kupona. Paukwa; (altsyrisch).
  • Lourenco Noronha: Einführung in die Swahili-Literatur. 2009;.
  • Ruth Finnegan: Oral Literature in Africa. 2012; (englisch).
  • Kitula King'ei: Aspects of Autobiography in the Classical Swahili Poetry: Problems of Identity of Authorship. In: Folklore vol. 16. 2001 (englisch, folklore.ee [PDF]).
  • Shujaa Stories (Hrsg.): The Legend of Mwana Kupona, Queen of Swahili Poetry (Bajuni). 7. November 2024 (englisch, youtube.com).

Einzelnachweise

  1. a b c d e Tendi: six examples of a Swahili classical verse form with translations & notes. In: KU Libraries Exhibits. Abgerufen am 24. September 2025 (englisch).
  2. Mwana Kupona binti Msham. In: Encyclopaedia Britannica. Abgerufen am 24. September 2025 (englisch).
  3. a b c d Mwana Kupona binti Msham(u): Utendi wa Mwana Kupona. In: Kindlers Literatur Lexikon (Online), SpringerLink. Abgerufen am 24. September 2025.
  4. a b c Utenzi wa Mwana Kupona (MS 34882a) – Hichens Collection. In: SOAS Digital Collections. Abgerufen am 24. September 2025 (englisch).
  5. MS 53508c, manuscript, Hitchens Collection
  6. a b MS 53508 (SOAS Library): Biographical information about Mwana Kupona and Bwana Mataka. In: Fihrist – Islamic Manuscripts Catalogue. Abgerufen am 24. September 2025 (englisch).
  7. a b c The advice of Mwana Kupona upon the wifely duty: from the Swahili texts (Azanian Classics of Swahili Literature 2). In: OPUS 4 – Universitätsbibliothek Frankfurt. 6. April 2009, abgerufen am 24. September 2025 (englisch).
  8. Ridder Samsom: Die Swahili-Manuskriptkultur. In: manuscript cultures. Centre for the Study of Manuscript Cultures (CSMC), Hamburg (uni-hamburg.de [PDF]).
  9. Margaret Busby (Hrsg.): Daughters of Africa. 1992, S. 67–69 (englisch).