Mustersiedlung Ramersdorf

Die Mustersiedlung Ramersdorf im Münchner Stadtteil Ramersdorf, benachbart zur Wallfahrtskirche St. Maria Ramersdorf, wurde 1934 gebaut und im Rahmen der „Deutschen Siedlungsausstellung München 1934“ mit eingerichteten Musterhäusern der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Bezeichnung Mustersiedlung weist darauf hin, dass sie zu ihrer Entstehungszeit ein beispielhafter Beitrag zum Siedlungsbau sein sollte. Die Ideen dazu gehen bis in die Mitte der 1920er Jahre zurück. Initiiert und vorangetrieben wurden Entwicklung und Bau der Siedlung vom damaligen Siedlungs- und Wohnungsbaureferenten Guido Harbers, der auch sehr bestrebt war, dieses Projekt den Nazis ideologisch anzudienen. Seitens der NSDAP zeigte man damals jedoch nur wenig Interesse an dem Vorhaben, unter anderem auch, weil die geplanten Häuser aus damaliger Sicht als zu großzügig erachtet wurden und auch die Gärten nicht als Selbstversorgergärten vorgesehen waren, sondern als Erholungsgärten. Somit entsprach diese Siedlung nicht der damaliger NS-Siedlungsideologie. Die erhoffte Vorbildfunktion für den Bau weiterer Siedlungen blieb dementsprechend aus.

Der Siedlungsbau wurde 1934 in kürzester Zeit nach dem viele Jahre vorher entwickelten Konzept und unter der Leitung Harbers umgesetzt. Nach einem Wettbewerb waren für die 192 Häuser – überwiegend Einfamilienhäuser und einige Doppel- und Reihenhäuser – 18 Architekten mit 34 verschiedenen Haustypten beteiligt. Unter anderem Friedrich Ferdinand Haindl, Sep Ruf, Franz Ruf, Lois Knidberger, Albert Heichlinger, Max Dellefant, Theo Pabst, Christoph Miller, Hanna Loev und Karl Delisle waren für die Entwürfe verantwortlich.

Im Jahr 1935/36 wurde mit der Gustav-Adolf-Kirche auf dem Siedlungsgebiet ein protestantischer Kirchenneubau mit einem Pfarrhaus gebaut.

Das Gebiet mit 15 ha ist in sich geschlossen und von großzügigen Grünflächen durchzogen, die Häuser hatten eine Wohnfläche von 56 – 129 m² mit unterschiedlich großen Gärten. Nach Ende der Siedlungsausstellung wurden die Häuser als Eigenheime verkauft.

Die neu angelegten Straßen waren ursprünglich nach den Toten des Hitler-Putsches von 1923 benannt. Nach 1945 wurden sie in oberbayerische Ortsnamen geändert, wie sie in den anderen Neubaustraßen von Ramersdorf üblich waren.

Die Siedlung ist bis heute in ihrer Grundstruktur vollständig erhalten. Sie ist seit 1978 in der bayerischen Denkmalliste als schützenswertes Ensemble eingetragen. Richtlinien für Schutz, Veränderungen und Erweiterungen sind auch im Bebauungsplan Nr. 463 der Landeshauptstadt München geregelt.

Seit 2012 gibt es den Verein MORES e.V (Mustersiedlung Ortskern Ramersdorf Ensembleschutz), der sich um die Belange der Siedlung kümmert, auch in Bezug auf den alten Ortskern.

Literatur

  • Ulrike Haerendel: Kommunale Wohnungspolitik im Dritten Reich. Siedlungsideologie, Kleinhausbau und „Wohnraumarisierung“ am Beispiel Münchens. Oldenbourg, München 1999, ISBN 3-486-56389-0 (zugleich Dissertation, Universität München, 1995/96) (Volltext digital verfügbar).
  • Ursula Henn: Die Mustersiedlung Ramersdorf in München. Ein Siedlungskonzept zwischen Tradition und Moderne. Uni-Druck, München 1987, ISBN 3-87821-222-4 (Miscellanea Bavarica Monacensia 138, Neue Schriftenreihe des Stadtarchives), (Zugleich: München, Techn. Univ., Diss., 1987).
Commons: Mustersiedlung Ramersdorf – Sammlung von Bildern

Koordinaten: 48° 6′ 45,63″ N, 11° 36′ 38,38″ O