Musica reanimata
Musica reanimata Förderverein zur Wiederentdeckung NS-verfolgter Komponisten und ihrer Werke e.V.[1] ist ein 1990 in Berlin[2] gegründeter gemeinnütziger Verein, der sich für die Wiederentdeckung von Komponisten einsetzt, die in der NS-Zeit vom Nationalsozialistischen Regime verfolgt wurden, wie beispielsweise Viktor Ullmann, Erwin Schulhoff oder Mieczysław Weinberg.[3][4][5]
Zu diesem Zweck veranstaltet der Verein Gesprächskonzerte in Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk und dem Konzerthaus Berlin sowie wissenschaftliche Konferenzen, z. B. zu Erwin Schulhoff und zu Viktor Ullmann und zuletzt im Dezember 2019 zu Gideon Klein aus Anlass seines 100. Geburtstags. Die Veranstaltungsreihe "Musikalischer Widerstand gegen das Protektorat" im Juni 2024 beleuchtete das Wirken der tschechischen Komponisten Miloslav Kabeláč, Petr Eben und Rudolf Karel.
Ferner publiziert der Verein die eigene Schriftenreihe Verdrängte Musik und eine eigene Zeitschrift[4][6] sowie CDs einiger Gesprächskonzerte, z. B. zu Ilse Weber, Siegfried Borris, Richard Mohaupt und Joseph Horovitz. Darüber hinaus fördert musica reanimata auch die biographische Recherche zu verfolgten Komponisten sowie die musikwissenschaftliche Erforschung ihrer Werke.[1]
Der Verein besteht aus ca. 120 Mitgliedern.[7] Vorsitzender ist der Musikwissenschaftler Albrecht Dümling.[8] Dem Vorstand gehören außerdem Jascha Nemtsov, Bettina Brand, Habakuk Traber und Reinhard Flender an. Geschäftsführer ist Peter Sarkar, Ehrenmitglieder sind Gottfried Eberle, Winfried Radeke und der 1996 verstorbene Komponist Berthold Goldschmidt. Dem Kuratorium des Vereins gehören der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert, der Dirigent Daniel Barenboim, der Historiker Wolfgang Benz, der ehemalige Berliner Kultursenator Volker Hassemer und der Musiker Udo Lindenberg an. Der 2016 verstorbene Hans-Günter Klein war jahrelang Vorstandsmitglied und Herausgeber der Schriftenreihe Verdrängte Musik. Musica reanimata wurde mit dem Kritikerpreis für Musik 2006 des Verbandes der Deutschen Kritiker e.V. ausgezeichnet.[5]
Während in den ersten Jahren der Fokus der Vereinsarbeit vorrangig auf im Ghetto Theresienstadt internierten Komponisten wie Viktor Ullmann, Pavel Haas und Hans Krása lag, wurde er später auf Exilkomponisten wie Hanns Eisler, Jerzy Fitelberg, Ernst Krenek, Ursula Mamlok oder Mieczysław Weinberg oder KZ-Überlebende wie Szymon Laks, Karel Reiner und Hans Winterberg ausgeweitet.[7]
Siehe auch
Weblinks
- Homepage des Vereins
- Bettina Brinker: Der Verein "musica reanimata" verschafft Vergessenen Gehör. In: Hamburger Abendblatt. 9. November 2006, archiviert vom am 14. März 2016; abgerufen am 5. November 2025.
- Eintrag des Vereins auf der Seite des Deutschen Musikinformationszentrums
- Auflistung der Artikel der nmz (neue musikzeitung) über musica reanimata
- Schriftenreihe "Verdrängte Musik" (herausgegeben im Auftrag von musica reanimata) beim von Bockel Verlag
- Schriftenreihe "Verdrängte Musik" (2000-2016) beim Pfau-Verlag
Einzelnachweise
- ↑ a b Musica reanimata. In: Deutsches Musikinformationszentrum
- ↑ Vereinsregister des AG Charlottenburg, VR 11688 B
- ↑ Isabel Herzfeld: Die Lücken der Musikgeschichte schließen: „musica reanimata“ feiert 20-jähriges Jubiläum | nmz - neue musikzeitung. In: nmz.de. 8. Dezember 2010, abgerufen am 16. März 2024.
- ↑ a b Musica reanimata – Index
- ↑ a b Bettina Brinker: Der Verein "musica reanimata" verschafft Vergessenen Gehör. In: Hamburger Abendblatt. 9. November 2006, archiviert vom am 14. März 2016; abgerufen am 5. November 2025.
- ↑ Pfau Verlag. Reihe Verdrängte Musik
- ↑ a b Aufgaben und Ziele des Vereins. Abgerufen am 5. November 2025
- ↑ Dr. Albrecht Dümling, Berlin – Biografie ( vom 22. Februar 2024 im Internet Archive)