Museum of West African Art
Eingangsbereich in der Bauphase im Juni 2025 | |
| Daten | |
|---|---|
| Ort | Benin City |
| Art | |
| Architekt | David Adjaye |
| Leitung |
Phillip Ihenacho
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| Website | |
Das Museum of West African Art kurz MOWAA (deutsch: Museum der Westafrikanischen Kunst) ist ein kunst- und kulturhistorisches Museum in Benin City, Nigeria. Es soll das Wissen um das kulturelle Erbe und die historische und gegenwärtige Kunst und Kultur Westafrikas bewahren, erweitern und zelebrieren. Die Ausstellung umfasst Artefakte aus drei Jahrtausenden und reicht in das 1. Jahrtausend v. Chr. zurück. Der Komplex wurde von dem in Tansania geborenen Architekten David Adjaye entworfen und beherbergt moderne Konservierungs- und Restaurierungswerkstätten, Ausstellungsräume, eine Bibliothek, einen Hörsaal, einen Museumsshop und ein Freigelände mit öffentlichen Plätzen und Gärten.
Hintergrund
Die ursprünglich geplante Hauptaufgabe des Museum of West African Art war die sachgemäße Konservierung und Unterbringung der im 19. Jahrhundert von den britischen Kolonialtruppen geraubten und in Sammlungen in Amerika und Europa weit verstreuten Benin-Bronzen aus dem 15./16. Jahrhundert. Die im Zuge der Restitution von Raubkunst sukzessive wieder nach Nigeria zurückkehrenden Kunstwerke sollten dort konserviert, umfassend erforscht, aufbewahrt und ausgestellt werden. Zunächst sollte das Museum Edo Museum of West African Art heißen, was jedoch später verworfen wurde, da das Haus über die Region Edo und das Volk der Edo hinauswirken soll.[1]
Die Ausrichtung des MOWAA auf die Benin-Bronzen scheiterte schließlich an den seit Jahren anhaltenden Streitigkeiten über das rechtmäßige Eigentum und die Kontrolle an den zurückgegebenen Artefakte zwischen der Nigerianischen Bundesregierung, der Landesregierung des Bundesstaates Edo sowie dem traditionellen lokalen Herrscher, dem Oba von Benin, Ewuare II.[2] 2023 beanspruchte Oba Ewuare II. als spiritueller Kustos der lokalen Kultur die zurückkehrenden Kunstwerke für den Königshof, aus dem sie im 19. Jahrhundert geraubt wurden. Aus diesen Gründen hat das MOWAA keine dieser Bronzen im Bestand, was eine Neuausrichtung des Hauses erforderlich machte.[3] Aus Sicht des Obas würde eine Ausstellung der Benin-Bronzen im MOWAA die rechtmäßige Rolle des Königreichs als Hüter seiner Kulturschätze untergraben.[4] Der Oba plant die Bronzen in einem palasteigenen Benin Royal Museum auszustellen.[5]
Am 9. November 2025 kam es während einer Vorbesichtigung vor der offiziellen Eröffnung zu Protesten im Museum, worauf die Veranstaltung abgebrochen[1] und der geplante Eröffnungstermin vom 11. November 2025 auf unbestimmte Zeit verschoben wurde.[5]
Finanzierung
Die ursprüngliche EMOWAA-Stiftung, die gemeinnützige Organisation hinter dem MOWAA-Pavillon und -Museum, wurde 2019 gegründet, um den Erhalt westafrikanischer Kunst und Kultur zu fördern.[6] Gründungspartner der Stiftung waren unter anderem der nigerianische Bundesstaat Edo, das deutsche Auswärtige Amt, die Andrew W. Mellon Foundation, die A. G. Leventis Foundation und das British Museum.[7] In einem ersten Schritt sagte Deutschland Mittel in Höhe 4,5 Millionen Euro zu,[8] die später auf 6,9 Millionen Euro ausgeweitet wurden.[9][10] Zu den weiteren großen Geldgebern gehört die Mellon-Foundation mit 3 Millionen Dollar.[11] Bis 2025 wurden insgesamt 25 Millionen Dollar von Spendern zur Verfügung gestellt.[12]
Trivia
Der in Planung befindliche Bau des Museums, die Repatriierung der Benin-Bronzen und deren Zusammenhang mit dem Sklavenhandel des historischen Königreichs Benin war in Deutschland am 6. September 2022 Gegenstand einer Kleinen Anfrage der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag, die die Bundesregierung am 20. September 2022 beantwortete.[13]
Weblinks
- Offizielle Website (englisch)
Einzelnachweise
- ↑ a b Todah Opeyemi: Protesters storm Nigeria's new art museum. In: BBC. 9. November 2025, abgerufen am 10. November 2025 (englisch).
- ↑ Noah Anthony Enahoro: Nigeria Debates the Fate of Returning Benin Bronzes. In: New Lines Magazine. 2. April 2024, abgerufen am 10. November 2025 (englisch).
- ↑ Alex Marshall: Even Without Benin Bronzes, This New Museum Aims to Be a Powerhouse. In: The New York Times. 7. November 2025, abgerufen am 10. November 2025 (englisch).
- ↑ Hilka Dirks: Eklat in Benin-StadtKönig als Hüter der Kulturschätze? In: taz. 10. November 2025, abgerufen am 11. November 2025.
- ↑ a b Press Statement 10 November 2025. 12. November 2025, abgerufen am 12. November 2025 (englisch).
- ↑ bobbyCHD: EMOWAA Strengthens Focus on Modern and Contemporary Art with Two New Appointments - MOWAA. 15. August 2023, abgerufen am 14. November 2025 (englisch).
- ↑ Support MOWAA. Abgerufen am 14. November 2025.
- ↑ Auswärtiges Amt: Statement by Foreign Minister Maas after his meeting with a Nigerian delegation and the architect Sir David Adjaye. Abgerufen am 14. November 2025 (englisch).
- ↑ Das Museum und die Bronzen: Zwischenfall in Benin-City. 14. November 2025, abgerufen am 14. November 2025.
- ↑ Antwort der Staatssekretärin Susanne Baumann vom 19. Mai 2023. In: Deutscher Bundestag Drucksache 20/6865. Abgerufen am 14. November 2025.
- ↑ MOWAA Receives $3 Million Grant From Mellon Foundation. Abgerufen am 14. November 2025.
- ↑ The fallout from Nigeria's spectacular $25m museum and the Benin Bronzes. 13. November 2025, abgerufen am 14. November 2025 (britisches Englisch).
- ↑ Vorgang - Kleine Anfrage: Der geplante Bau des Edo Museum of West African Art in Benin City und die Rolle des historischen Königreiches Benin im Sklavenhandel. In: Deutscher Bundestag. Abgerufen am 10. November 2025.