Museum für Frühindustrialisierung

Das Museum für Frühindustrialisierung ist ein industrie- und sozialgeschichtliches Museum in Wuppertal-Barmen. Es ist ein Standort des Museums Industriekultur Wuppertal. Thema des Museums ist die frühe Entwicklung der Industrie im Wuppertal im vielfältigen Zusammenspiel von technik-, sozial-, wirtschafts- und mentalitätsgeschichtlichen Faktoren. Das Museum wurde am 23. Oktober 1983 eröffnet und war seinerzeit das erste sozialhistorische Museum, welches die Industrialisierung thematisierte.[1]

Entstehungshintergrund

Wuppertal, speziell die heutigen Stadtteile Barmen und Elberfeld, spielte eine bedeutende Rolle während der Frühindustrialisierung in Deutschland. Der industrielle Boom setzte in Wuppertal schon um 1800 ein, so dass hier auch von einer Pionierregion der Industrialisierung auf dem europäischen Kontinent gesprochen werden kann.[2] Die Region entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem der bedeutendsten Textilzentren Europas.[3] Das Museum wurde gegründet, um diese Geschichte zu bewahren und die technischen und sozialen Entwicklungen während der Frühindustrialisierung zu dokumentieren und zu vermitteln.

Ausstellung

Das Museum zeigt nicht nur Maschinen, sondern beschäftigt sich vor allem mit den sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Industrialisierung. Es werden Themen wie Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit und die Entstehung der Arbeiterbewegung thematisiert. Gezeigt werden unter anderem Spinnmaschinen, Webstühle und andere Geräte, die in der Textilherstellung eingesetzt wurden, aber auch Maschinen anderer Produktionszweige wie der Metallverarbeitung und Färberei.[4]

Standort

Das Museum befindet sich in zwei authentischen Gebäuden, der Kannegießerschen Fabrik und der Reddehaseschen Remise. Die Kannegießersche Fabrik wurde 1895 von dem Kolonialwarenhändler Ernst August Kannegießer als Lager erbaut (es war nie eine Fabrik). Die Reddehasesche Remise ist ein früher Stahlbetonbau, der um 1900 errichtet worden ist. Hier konnten Pferde gemietet werden, die insbesondere für den Warentransport vom nahe gelegenen Barmer Bahnhof benutzt wurden. Die Dauerausstellung des Museums wurde zunächst nur in der Kannegießerschen Fabrik gezeigt. Erst 2004 kam die wesentlich größere Reddehasesche Remise als Ausstellungsort hinzu. Sie beinhaltete auch Bibliothek, Museumsmagazin und Büroflächen.

Modernisierung

Im Rahmen eines umfassenden Sanierungs- und Modernisierungsprogramms für das Engels-Haus und das Museum für Frühindustrialisierung werden die Ausstellungsgebäude des Museums Industriekultur Wuppertal ertüchtigt und saniert. Das 2024 neu eröffnete Besucherzentrum verbindet nun die beiden bisher voneinander getrennten Museen. Die neue Dauerausstellung im Museum für Frühindustrialisierung wird zur Zeit neu konzipiert. Die Wiedereröffnung des Museums ist für Frühjahr 2026 geplant.[5]

Commons: Museum für Frühindustrialisierung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. tm-webentwicklung GmbH Düsseldorf: Museum für Frühindustrialisierung. Abgerufen am 30. September 2022 (deutsch).
  2. Lars Bluma: Denker, Macher, Wuppertaler: Friedrich Engels und die Industriekultur. In: industriekultur. Nr. 3, 2020, S. 34–35.
  3. Rudolf Boch: Das Bergische Land im 19. Jahrhundert (1814–1914). In: Stefan Gorißen, Horst Sassin, Kurt Wesoly (Hrsg.): Geschichte des Bergischen Landes. Band 2: Das 19. und 20. Jahrhundert. Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2016, ISBN 978-3-7395-1132-0.
  4. Museum Industriekultur Wuppertal / Museum für Frühindustrialisierung. Abgerufen am 25. September 2024.
  5. Museum Industriekultur Wuppertal / Modernisierung. Abgerufen am 25. September 2024.

Koordinaten: 51° 15′ 58,1″ N, 7° 11′ 23,6″ O