Museum der Geschichte Rigas und der Schifffahrt
Museum der Geschichte der Stadt Rigas und der Seefahrt | |
| Daten | |
|---|---|
| Ort | Riga |
| Besucheranzahl (jährlich) | 238 123 |
| Betreiber |
Ministerium für Kultur (Lettland)
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| Website | |
| ISIL | LV-MUZ-001426 |
Das Museum der Geschichte der Stadt Riga und der Seefahrt (lettisch Rīgas vēstures un kuģniecības muzejs) ist ein Museum in Riga. Es zeigt die Geschichte der Stadt seit ihrer Gründung im Jahr 1201 bis zur ersten Besetzung Lettlands durch die Sowjetunion 1940.
Das Museum befindet sich in der Altstadt von Riga an der Palasta-Straße 4 und gehört zum Gebäude-Ensemble des Rigaer Doms. Es ist das älteste öffentliche Museum im Baltikum und eines der ältesten Museen in Europa. 2018 wurden 238.123 Besucher gezählt. Damit stand das Museum auf der Liste des am häufigsten besuchten Museen Lettlands auf Rang drei.
Geschichte des Museums
Das Museum befindet sich im ehemaligen Dominikanerkloster am Dom zu Riga. Der östliche und südliche Teil gehörten zu den Hauptgebäude des Klosters, der westliche Teil wurde von der Rigaer Domschule genutzt. Bis ins 15. Jahrhundert waren in dem Gebäude auch Mitglieder des Domkapitels untergebracht. Im Zuge der Durchsetzung der Reformation in Riga wurde das Kloster aufgelöst. Über der Fassade des Hauptportals halten zwei Löwen die Wappen des Rigenser Erzbischofs bzw. des Domkapitels – eine Erinnerung daran, dass hier einst das Domkloster stand.[1]
Das Museum geht auf die privaten Sammlungen des deutschbaltischen Arztes und Forschers Nicolai von Himsel zurück. Seine Mutter Anna Catharina Himsel schenkte die Sammlung entsprechend seinem Wunsch der Stadt Riga.[2] Am 22. Februar 1773 gründete die Stadt Riga das Museum und benannte es nach Nicolai Himsel. Es wurde im sogenannten Anatomie-Theater der Universität in der Kalēju-Straße 34/36 untergebracht. Das Gebäude ist nicht mehr erhalten. 1791 wurde das Museum in den Ostflügel des Rigaer Domensembles verlegt, der für die Unterbringung der Stadtbibliothek und des Museums umgebaut wurde.[3]
1816 wurde das Museum um ein Kunstkabinett erweitert, 1881 wurde die Münzsammlung des Himsel-Museums und die numismatischen Sammlungen der Stadt zum Städtischen Münzkabinett zusammengefasst. Die weitere Entwicklung stand im engen Zusammenhang mit den Aktivitäten der Gesellschaft für Geschichte und Alterthumskunde der russischen Ostsee-Provinzen, des Naturforschervereins zu Riga von 1845, der Literärisch-praktische Bürger-Verbindung (gegründet 1802) und der Rigaer Gesellschaft der praktizierenden Ärzte (gegründet 1822). Im Laufe der 1850er Jahre wurden die Sammlungen dieser Vereinigungen im Rigaer Museum in der Šķūņu-Straße 11 ausgestellt. Im folgenden Jahrzehnt kamen die naturwissenschaftlichen und archäologischen Teile der Himselschen Sammlungen zum Rigaer Museum, andere Teile gingen an die neu gegründete Städtische Kunstgalerie.
Ende der 1880er Jahre wurde ein Teil der Baulichkeiten des Dom-Ensembles an der Palasta-Straße 4 für Museumszwecke umgebaut. In das neue Museum einbezogen wurde auch die zweigeschossige, langgestreckte Säulenhalle, die ein Kernstück der einstigen Stadtbibliothek gewesen war. (Sie wird bis heute häufig für Konzerte genutzt.) Dorthin zogen die wissenschaftlichen Sammlungen der genannten Gesellschaften um. Deren Betreuung erfolgte durch die Gesellschaft für Geschichte und Alterthumskunde der russischen Ostsee-Provinzen. Durch den neuen Standort erhielt das Museum den neuen Namen Dom-Museum.
In den 1930er Jahren wurde das stadtgeschichtlich und kulturgeschichtlich ausgerichtete Museum um eine Abteilung zur Schifffahrt erweitert.[3] 1932 wurden das Dom-Museum einschließlich aller Sammlungen in die Denkmalschutzliste der Republik Lettlands aufgenommen, vier Jahre später wurde das Museum geschlossen.
Gleichzeitig gründete die Stadtverwaltung Rigas das Historische Museum der Stadt Riga. Den Grundstock für dieses Museum bildeten die Objekte des ehemaligen Dom-Museums. Zudem stellte das Denkmalamt aus seinen Beständen Gegenstände zur Verfügung, die die Geschichte Rigas und die Kultur seiner Bürger veranschaulichen.
Die ersten Besetzung Lettlands durch die Sowjetunion 1940 und der Zweite Weltkrieg wirkten sich verheerend auf das Museum aus. Die Auswanderung der Deutsch-Balten, die Evakuierung der Sammlungen und die Zensur der sowjetischen Verwaltungen, die eine Vielzahl von Objekten als ideologisch inakzeptabel betrachteten, führten zum Verlust eines Teils seiner Sammlungen. Unter den Sowjets wurde das Museum 1940 verstaatlicht. Nach der zweiten Besetzung Lettlands durch die Sowjetunion 1944/1945 wurde der Name des Museums mehrfach geändert. 1964 erhielt es seinen heutigen Namen: Museum für die Geschichte der Stadt Riga und der Schifffahrt.
2024 umfassten die 75 Sammlungen des Museums mehr als 600.000 Objekte.[4] Ausgestellt ist dort auch die über 500 Jahre alte Holzfigur Madonna auf der Mondsichel, welche 1943 durch Angehörige der Wehrmacht aus Riga geraubt und bis 2001 im Museumsquartier St. Annen in Lübeck aufbewahrt wurde.[5] Die Rückgabe erfolgte dabei kurz vor den Feierlichkeiten anlässlich des 800-jährigen Stadtjubiläums, zu denen die Madonna erstmals wieder der Öffentlichkeit in ihrer Heimatstadt präsentiert wurde. Sie ist eine von nur 30 Holzschnitzereien dieser Qualität und diesen Alters in Lettland.
Zweigstellen
Das Museum wurde um drei Zweigstellen erweitert:
- das Museum der Marineschule Ainaži in Ainaži (gegründet 1969)
- das Wohnhaus-Museum (gegründet 1992)
- das Fotografie-Museum (gegründet 1993)
Dauerausstellungen
Der Schwerpunkt der Dauerausstellung liegt in der Geschichte der Stadt Riga. Sie ist in die folgenden Epochen gegliedert (Stand 2026):
- „Vorgeschichte“: Die Siedlungen und Kulturen am Unterlauf der Daugava bis zur Gründung der Stadt Riga 1201
- Riga als Teil Livlands: vom 13. bis zum 16. Jahrhundert
- Riga unter schwedischer Riga und polnischer Herrschaft: von 1581 bis 1710
- Riga im Russischen Reich: von 1710 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts
- Riga im Russischen Reich während der Industrialisierung: von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1918
- Riga als Hauptstadt der Republik Lettland bis zur ersten sowjetischen Besetzung: von 1918 bis 1940
In allen Ausstellungsräumen geben Ringbücher (auch in deutscher Sprache) den Besuchern – Vitrine für Vitrine – Auskunft zu jedem der dort gezeigten Objekte.
Daneben gibt es drei weitere Dauerausstellungen:
- Geschichte der lettischen Schifffahrt (insbesondere Schiffsmodelle und nautische Geräte)
- Silberkabinett
- Kreuzgalerie des Rigaer Doms
Sonderschauen
Bei den Sonderschauen organisiert das Museum neben den normalen Ausstellungen innerhalb des Museums auch virtuelle Ausstellungen und Wanderausstellungen.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Alexander Neyland, Marģers Vestermanis, Māra Ozoliņa und andere: Großer Stadtführer durch Riga. Riga 1992, S. 38.
- ↑ Kurzbiographie. Baltisches Biografisches Lexikon digital, abgerufen am 3. April 2024.
- ↑ a b Alexander Neyland, Marģers Vestermanis, Māra Ozoliņa und andere: Großer Stadtführer durch Riga. Riga 1992, S. 147.
- ↑ Geschichte des Museums. Museum of the History of Riga and Navigation, abgerufen am 3. April 2024 (englisch).
- ↑ Odyssee mit Happy-End: Madonna auf der Mondsichel. Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, 14. September 2001, abgerufen am 16. Februar 2025.