Muhammad Saleh Akbar Balikh
Muhammad Saleh Akbar Balikh (* 1938 in Morae, Maubara, Liquiçá, Portugiesisch-Timor), der sich ab 1963 Mao Klao (Maoclao) nannte, ist ein ehemaliger indonesisch-osttimoresischer Revolutionär.
Werdegang
Die Eltern von Balikh waren von der Nachbarinsel Pantar nach Portugiesisch-Timor eingewandert. 1942 floh die Familie vor der japanischen Invasion nach Alor, wo die Eltern von den Niederländern aus unbekannten Gründen verhaftet wurden. Balikh wurde daher von Verwandten adoptiert. Er besuchte auf Pantar die Grundschule und danach die Lehrerbildungsanstalt in Kalabahi auf Alor, bevor er in die Oberschule in Kupang (Westtimor) geschickt wurde. 1958 setzte er seine Ausbildung in Jakarta fort. Seine Verwandten aus Pantar und Adonara verabschiedeten ihn dazu in einer Zeremonie und gaben ihm dabei einen Auftrag: Er möge seine Ausbildung in Jakarta fortführen, müsse sich aber auch Zeit nehmen, sich um das von Portugal kolonisierte Timor zu kümmern, denn dies sei auch „dein Recht und dein Erbe von Oa Wato Wele und Lian Nura (Pati Golo Raja Arakiang), einem stattlichen jungen Mann, der von Osttimor (Timor Timur) in die autarke Bergregion/Insel Ostflores zog, wo sein Thron und sein Haus im Regierungsbezirk Ostflores erhalten sind, denn er war ein Nachkomme eines großen Adligen und auch ein Nachkomme von Königen der oben genannten Inseln.“[1.1]
Dieser Bericht scheint reale und imaginäre Erbansprüche zu vermischen. Balikhs Familie führte ihre Abstammung auf einen Mann namens Pati Golo Raja Arakiang zurück, der möglicherweise im 17. Jahrhundert in Larantuka lebte, als das katholische Königreich auf Flores mit den Portugiesen verbündet war, während die benachbarten Inseln Solor und das muslimische Adonara in dieser Zeit unter niederländische Kontrolle fielen.[1.1] Eine weitere historische Verbindung könnte Emelia Doutel gewesen sein. Die Prinzessin aus dem Herrscherhaus von Maubara wurde 1859 von den Niederländern nach Alor gebracht, als im Zuge des Gebietsaustauschs gemäß dem Vertrag von Lissabon Alor an die Niederländer und Maubara an die Portugiesen ging. Balikh berief sich nie auf diese Prinzessin, verband aber seine Ansprüche auf eine königliche Abstammung in Timor mit seinem Geburtsort Maubara.[1.2]
In Jakarta kam Balikh in Kontakt mit Anhängern von Präsident Sukarnos Kampagne zur Befreiung Westneuguineas von den Niederländern und der Bewegung für die Selbstbestimmung der britischen Kolonien Sarawak und Sabah. Nach einer flammenden Rede von Sukarno zur Entkolonisierung der Gebiete im Malaiischen Archipel gründete Balikh mit Freunden am 5. Juli 1959 hinter dem Radiosender der Republik Indonesien in Zentraljakarta die „Union der Republik Timor-Dilly“ (Uni Republik Timor—Dilly, URT-D). Neben Balikh gehörten Emmanuel Maubere aus Ermera, Simon Serang Pria aus Maliana sowie einige weitere Personen aus verschiedenen Teilen Indonesiens zur Gruppe. Balikh gibt an, dass die Gruppe in ihrem Hauptquartier mehrmals Mitglieder des Militärs und des Geheimdienstes besuchten, um ihnen Mut zuzusprechen. Balikh beendete die Schule in Jakarta 1960 und begann, Wirtschaftswissenschaften an der Sawerigading-Universität zu studieren.[1.2]
Anfang 1961 reiste Balikh nach Atambua, der westtimoresischen Grenzstadt zu Portugiesisch-Timor. Am 9. April überquerte seine Gruppe die Grenze und erreichte Batugade. Dort setzten sie vor etwa 50 irritierten Einwohnern die Flagge der Union der Republik Timor und Balikh verlas hastig eine Erklärung aus zwei Sätzen:[1.2]
„Wir, das Volk des portugiesisch besetzten Timors, proklamieren die Unabhängigkeit. Weitere Angelegenheiten bezüglich der Unabhängigkeit des portugiesisch besetzten Timor werden zu einem späteren Zeitpunkt geregelt.“
Als portugiesische Beamte erschienen, um herauszufinden, was der Aufruhr sollte, zerstreute sich die Gruppe schnell und floh über die Grenze zurück nach Atambua.[1.2]
1963 veröffentlichte Balikh, der sich nun Mao Klao nannte, eine ausführliche Erklärung zur Bildung eines Militärrats der Union der Republik Timor-Dilly. Mao Klao erklärte sich zum Präsidenten des Präsidiums, seine Frau Aminah zu seiner Stellvertreterin, Emanuel Maubere zum Ratsvorsitzenden und verlieh 21 weiteren Personen Dienstgrade vom Major bis zum Brigadegeneral. Eine davon war bereits verstorben. Danach schrieb er weitere Dokumente, ließ sich im dunklen Anzug und Krawatte für ein offizielles Foto ablichten und schrieb handschriftlich darunter „Leiter der Delegation der URT in der Republik Indonesien“. 1964 entwarf Mao Klao das Muster eines Eintausend-Pataca-Geldscheins, der auf der Vorderseite die Proklamation von 1961 zeigte und auf der Rückseite eine Zeichnung bewaffneter Männer, die sich an der Grenze auf die Invasion von Portugiesisch-Timor vorbereiteten. Später versandte Mao Klao Briefe, in denen er offiziell indonesischen Beamten zu ihren Ernennungen gratulierte und sie über die Ziele der URT informierte.[1.3]
Als nach der Nelkenrevolution in Portugal auch in Portugiesisch-Timor Parteien gegründet wurden und die Kolonie für die Unabhängigkeit vorbereitet werden sollte, veröffentlichte er im Juli 1974 eine Verfassung seines nun Union der Republik Osttimor (Uni Republik Timor Timur) genannten Staates. Er stellte sich ein Zweikammerparlament vor, mit einem Unterhaus aus gewählten Abgeordneten und einem Oberhaus für die Liurais. Im Jahr darauf listete Mao Klao die Namen des Präsidenten, des Premierministers und der Minister seiner Regierung auf. Als Außenminister und stellvertretenden Ministerpräsident gab er den Namen „Ramos-Horta“ an, womit er wohl den FRETILIN-Außenminister José Ramos-Horta meinte. Er behauptete, dass der Generalsekretär der Vereinten Nationen ihn in Jakarta getroffen und gebeten habe, ihn zur Grenze zwischen Indonesien und Portugiesisch-Timor zu begleiten. Da seine Frau aber kurz vor der Entbindung stand, habe Mao Klao abgelehnt. Unterstützer von Mao Klao wurden vom indonesischen Militär schließlich festgenommen, ihm und seiner Frau gelang es aber, sich in einem Armenviertel im Norden von Jakarta zu verstecken. Ende 1975 wurde Mao Klao aber doch festgenommen und bis April 1976 inhaftiert. Wahrscheinlich befürchtete der militärische Geheimdienst, Mao Klao könne unnötige öffentliche Aufmerksamkeit während der laufenden Invasion Indonesiens in Osttimor erzeugen. Nach seiner Freilassung verwehrte das Militär Mao Klao die Einreise in das besetzte Osttimor.[1.4] Aufgrund des Drucks durch die indonesische Regierung soll Mao Klao schließlich aufgegeben haben und nach London ins Exil gegangen sein.[2]
Einzelnachweise
- ↑ Douglas Kammen: High Colonialism and New Forms of Oppression, 1894–1974. In: Three Centuries of Conflict in East Timor. Rutgers University Press, New Brunswick 2015, ISBN 978-0-8135-7410-3, S. 96–118, doi:10.36019/9780813574127-009 (Open Access).
- ↑ Union of the Republic / United Republic of Timor (1961). In: Flags of the World. Abgerufen am 2. November 2025 (englisch).