Msia Amaghlobeli

Msia Amaghlobeli (georgisch მზია ამაღლობელი; geboren am 12. Mai 1975 in Schuachewi, Adscharische ASSR, Georgische SSR, Sowjetunion) ist eine georgische Journalistin und Medienunternehmerin, die als Gründerin des unabhängigen Nachrichtenportals Batumelebi und des überregionalen Online-Mediums Netgaseti bekannt wurde.[1] Seit Anfang 2025 gilt sie als erste politische Gefangene Georgiens seit 1991, die als Journalistin tätig ist.[1][2]

Leben

Msia Amaghlobeli begann vor mehr als 25 Jahren ihre journalistische Laufbahn.[1] Im Jahr 2001 gründete sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Eter Turadse in Batumi das unabhängige lokale Nachrichtenportal Batumelebi, das vor allem zu Themen wie Menschenrechten, Korruption und sozialen Fragen berichtete.[1][3] 2011 folgte in Tiflis die Gründung des überregionalen Online-Mediums Netgaseti.[1] Beide Plattformen genießen in Georgien den Ruf einer unabhängigen und vertrauenswürdigen Informationsquelle.[3]

Wirken

Amaghlobeli berichtete über zahlreiche Menschenrechtsverletzungen und politische Missstände, unter anderem im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Parlamentswahlen vom 26. Oktober 2024, die von der Opposition als manipuliert angesehen wurden.[1][4] Seit Ende November 2024 kam es landesweit zu täglichen Demonstrationen gegen die Regierung der Partei Georgischer Traum, die zugleich die Aussetzung der EU-Beitrittsverhandlungen bekanntgegeben hatte.[4] Die Proteste wurden von massiver Polizeigewalt begleitet, bei der Hunderte Menschen festgenommen und viele Journalisten angegriffen wurden.[1][4]

Am 11. Januar 2025 nahm Amaghlobeli zunächst an einer Protestaktion vor einer Polizeistation in Batumi teil, bei der sie einen Aufkleber mit dem Aufruf zu einem landesweiten Protest anbrachte.[4][5] Sie wurde daraufhin wegen einer Ordnungswidrigkeit kurzzeitig festgenommen und noch am selben Tag wieder freigelassen.[4][5][2] Später am Abend wurde sie erneut festgenommen, nachdem sie den Polizeichef von Batumi Irakli Dgebuadse leicht geohrfeigt hatte.[3][4][5][2] Videoaufnahmen zufolge handelte es sich um einen symbolischen Schlag ohne nennenswerte Gewaltwirkung.[4] Nach Angaben von Amaghlobeli und der Georgischen Anwaltsvereinigung (GYLA) beleidigte und bedrohte Dgebuadse sie in Polizeigewahrsam, verweigerte ihr Wasser und den Toilettengang und spuckte ihr ins Gesicht.[1][4][5]

Die Staatsanwaltschaft warf ihr „Widerstand, Bedrohung oder Anwendung von Gewalt gegen einen Ordnungshüter“ vor, was mit vier bis sieben Jahren Haft bedroht ist.[1][3][4][5] Ein Gericht in Batumi lehnte eine Freilassung gegen Kaution ab und ordnete Untersuchungshaft an.[5] Am 1. Februar 2025 erschien sie zur Verhandlung mit einem Exemplar des Buchs How to Stand Up to a Dictator der Nobelpreisträgerin Maria Ressa.[1][3] Am 5. Februar befand sie sich seit 25 Tagen im Hungerstreik, den sie am 18. Februar nach 38 Tagen beendete.[1][3] Laut ihrer Anwältin bestand die Gefahr einer Erblindung ohne angemessene medizinische Versorgung.[1] Bereits im Juli 2025 wies ihre Verteidigung darauf hin, dass sich ihr Gesundheitszustand in der Haft massiv verschlechtert habe, sie auf einem Auge bereits nichts mehr sehe und auf dem anderen nur noch über etwa zehn Prozent Sehkraft verfüge.[2]

Am 6. August 2025 wurde Amaghlobeli zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, nachdem das Gericht den ursprünglichen Tatvorwurf abgemildert hatte.[1][2] Internationale Organisationen und zahlreiche Botschaften, darunter 24 westliche Vertretungen, kritisierten das Verfahren als politisch motiviert und als Beispiel für die zunehmende Einschüchterung Medienschaffender in Georgien.[1][3][4] Ein Berufungsgericht in der zweitgrößten georgischen Stadt Kutaissi bestätigte am 18. November 2025 das erstinstanzliche Urteil und wies den Antrag der Verteidigung auf Aufhebung der Entscheidung zurück.[2] Zum Zeitpunkt der Berufungsverhandlung befand sich Amaghlobeli bereits seit rund zehn Monaten in Haft.[2] Die letzte siebenstündige Anhörung vor der Urteilsverkündung fand in einem kleinen Gerichtssaal mit nur wenigen Zuhörer:innen statt; Kolleg:innen und ihr nahestehende Personen hatten keinen Zugang.[2] Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich zahlreiche Demonstrierende, die mit Rufen wie „Freiheit für Mzia!“ und „Freiheit für politische Gefangene!“ ihre Solidarität bekundeten.[2]

Amaghlobeli verfolgte die Verhandlung in einem durch Glasscheiben abgetrennten Bereich des Gerichtssaals, blieb als Zeichen des Protests während der gesamten Sitzung stehen und nahm nicht auf der Anklagebank Platz.[2] In ihrem Schlusswort kritisierte sie neue, als repressiv wahrgenommene Gesetze, nach denen inzwischen bereits Menschen wegen des Tragens einer medizinischen Gesichtsmaske ins Gefängnis kommen könnten, und warnte, das Regime werde „alles daransetzen, uns ständig zu demütigen“.[2] Zugleich stellte sie die Frage, ob Georgien nach ihrer Entlassung ein Land sein werde, das für Freiheit, Demokratie und eine europäische Zukunft kämpfe, oder „ein Land, das Russland ohne Panzer erobert hat“.[2] Ihr Fall ist inzwischen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg anhängig; dort geht es vor allem um die Untersuchungshaft und die erste Festnahme der Journalistin.[2]

Ehrung

Amaghlobeli wurde am 22. Oktober 2025 der Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments zuerkannt. Er ist mit 50.000 Euro dotiert und soll am 16. Dezember in Straßburg verliehen werden.[6] Am selben Tag möchte das Parlament eine weitere Entschließung zur Lage in Belarus verabschieden.[7]

Commons: Msia Amaghlobeli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l m n Barbara Oertel: Pressefreiheit in Georgien: Georgische Journalistin zu zwei Jahren Haft verurteilt. In: Die Tageszeitung: taz. 8. August 2025, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 8. August 2025]).
  2. a b c d e f g h i j k l m Barbara Oertel: Repressionen in Georgien: Es bleibt bei zwei Jahren Haft. In: Die Tageszeitung: taz. 19. November 2025, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 20. November 2025]).
  3. a b c d e f g Hunger-striking journalist challenges Georgia's government from jail. 5. Februar 2025, abgerufen am 8. August 2025 (britisches Englisch).
  4. a b c d e f g h i j Fears grow for Georgian journalist after two weeks of hunger strike. 29. Januar 2025, abgerufen am 8. August 2025 (englisch).
  5. a b c d e f თამთა კახაბერიძე: დაკავების შემდეგ, ირაკლი დგებუაძემ მზია ამაღლობელს სახეში შეაფურთხა - საია - Netgazeti. In: NETGAZETI.ge. 15. Januar 2025, abgerufen am 8. August 2025 (georgisch).
  6. Sacharow-Preis geht an zwei inhaftierte Journalisten. In: orf.at. 22. Oktober 2025, abgerufen am 22. Oktober 2025.
  7. Andrzej Poczobut and Mzia Amaglobeli erhalten den Sacharow-Preis 2025 | Aktuelles | Europäisches Parlament. 22. Oktober 2025, abgerufen am 23. Oktober 2025.