Mount-Coffee-Wasserkraftwerk

Mount-Coffee-Wasserkraftwerk
Lage

Koordinaten 6° 30′ 37″ N, 10° 39′ 4″ W
Land Liberia
Gewässer Saint Paul River
Daten

Typ Laufwasserkraftwerk
Primärenergie Wasserkraft
Leistung 88 MW elektrisch
Eigentümer Staatseigentum
Betreiber Liberia Electricity Corporation
Projektbeginn 1963, 2013
Betriebsaufnahme 1966, 2018
Stilllegung 1990 bis 2017
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Das Mount-Coffee-Wasserkraftwerk (englisch Mount Coffee Hydropower Plant) ist das größte Kraftwerk der westafrikanischen Republik Liberia.[1]

Es wurde in den Anfangsjahren auch als T.J.R. Faulkner / W.F. Walker Hydroelectric Power Station bezeichnet und war nach dem Firestone-Wasserkraftwerk das zweite Wasserkraftwerk Liberias.

Lage

Der Staudamm und das Maschinenhaus wurden von 1963 bis 1966 am Unterlauf des Saint Paul River errichtet und befinden sich etwa 30 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Monrovia. Das Kraftwerk wurde als Laufwasserkraftwerk geplant. Am Standort bei den Ortschaften Arthington und Milsburg, nahe dem Berg Mount Coffee, wurde ein Haupt-Damm von etwa 150 m Länge, eine Hochwasseranlage mit 10 Öffnungen mit jeweils 19 m hohen Stahlschützen, sowie drei Nebendämme und ein Turbinenhaus errichtet. Der Standort lag an einer Flussbiegung, an der sich ein natürlicher Seitenarm des Saint Paul River zur Wasserstandsregulierung nutzen ließ. Weitere technische Anlagen und Unterkünfte für das Personal entstanden 500 Meter südlich des Damms auf einer Anhöhe.

Betriebsgeschichte

Das Kraftwerk diente dem Aufbau der Stromversorgungsnetze in Liberia, vordringlich wurde es für den Hafenbetrieb Monrovias und für die Bevölkerung der liberianischen Hauptstadt genutzt. Das Kraftwerk wird von der eigens gegründeten Liberia Electricity Corporation betrieben, diese hatte auch den Netzausbau zu organisieren.

Als Generatoren und Umspann-Transformatoren wurden amerikanische Fabrikate verwendet, die Generatoren lieferten 64 Megawatt Leistung, die Endverbraucher bezogen wahlweise 220 V oder 110 V Netzspannung bei einer Netzfrequenz von 60 Hertz. Zu dieser Zeit wurde das liberianische Stromnetz noch nach US-Norm aufgebaut.

Während des Liberianischen Bürgerkrieges wurde die Anlage von den Aufständischen attackiert; 1990 verhinderten die Aufständischen mit Gewalt das Öffnen der Hochwasseranlage mit dem Resultat, dass der größte Nebendamm (Höhe mehr als 20 m) überschwemmt und auf einer Länge von über 200 m bis auf die Fundation weggespült wurde. In den folgenden Jahren wurde das Turbinenhaus vollständig geplündert (Metallteile demontiert). Der Hauptdamm und die Hochwasseranlage blieben intakt und dienten seither als Brücke. Während Hochwasserzeiten floss der Fluss durch die halbgeöffnete Hochwasseranlage und durch die Bresche im Nebendamm.

Nach dem Ende des Bürgerkrieges wurden mehrfach Untersuchungen am Damm vorgenommen, die eine Wiederinbetriebnahme des Kraftwerkes zum Ziel haben. Diese wurden von der US-Regierung mit 400.000 US-Dollar als Entwicklungshilfe finanziert. Die Studien erbrachten den Nachweis für die technische Eignung des Dammes, jedoch müssen die zerstörten Turbinen und Ausrüstungen des Kraftwerkes, die Stromleitungen und Umspannwerke vollkommen erneuert werden. Als Beschaffungskosten der technischen Anlagen, Beratungs-, Personal- und Betriebskosten für die Anlaufphase wurden etwa 383 Millionen US-Dollar veranschlagt.

Mit Unterstützung dänischer Entwicklungshelfer wurde Liberias Stromnetz im Jahr 1998 auf den europäischen Energienetz-Standard umgestellt.

Die in Liberia vorhandenen Kraftwerkskapazitäten waren erschöpft. Ein liberianischer Regierungsplan sah deshalb vor, das Kraftwerk Mount-Coffee-Damm wieder in Betrieb zu nehmen und zugleich ein westafrikanisches Energieverbundnetz mit den Nachbarstaaten Sierra Leone, Guinea und Elfenbeinküste aufzubauen. 2013 wurde ein Planungsvertrag mit Norplan[2] und Fichtner geschlossen.[3]

Im März 2017 wurde die erste der beiden von Voith gelieferten Francis-Turbinen und Generatoren mit jeweils 22 Megawatt Leistung in Betrieb genommen.[4] 2018 sind auch die beiden weiteren in Betrieb genommen und damit die Leistung auf insgesamt auf 88 MW erhöht worden.[1][5]

Einzelnachweise

  1. a b Mt. Coffee Hydropower Plant Rehabilitation Project auf lecliberia.com
  2. Norplan wurde inzwischen zu Asplan Viak
  3. LEC Signs Consulting Services Agreement with Norplan/Fichtner for Mt. Coffee Owner's Engineer auf mtcoffeeliberia.com (archive.org)
  4. AFRICANEWS meldet am 15. März 2017 Abschluss der ersten Etappe der Reparaturarbeiten.
  5. Mount Coffee Hydropower Plant auf aera-group.fr