Moschee in Wilanów
Die Moschee in Wilanów ist die ältere von zwei Warschauer Moscheen. Sie wurde 1993 eröffnet und liegt im Stadtteil Wilanów in der Ulica Wiertnicza 103. Das von Sunniten[1] betriebene islamische Bethaus wird als Islamisches Kulturzentrum (Centrum Kultury Islamu w Warszawie) geführt, die Religionsgemeinschaft gehört dem Muzułmański Związek Religijny w Rzeczypospolitej Polskiej (MZR) an.
Geschichte
1906 gab es in Warschau rund 300 ansässige Muslime und etwa tausend russische Soldaten islamischen Glaubens. Sie wurden als Tataren bezeichnet und stammten überwiegend aus der Wolgaregion.[2] Die Gemeinde hatte kein Gotteshaus. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg hatte es Pläne gegeben, in Warschau eine kleine Moschee zu bauen. Wegen des Krieges kam es jedoch nicht zu diesem Bau.[3] Nach dem Krieg wuchs die muslimische Gemeinde in Warschau durch Flüchtlinge aus der RSFSR und später der UdSSR sowie vormalige Kriegsgefangene der russischen Armee.
Geplante Moschee in Ochota
1925 wurde die Muslimische Religiöse Union in der Republik Polen (MZR) gegründet. Da es zunehmend auch diplomatische Vertreter muslimischer Länder in der Hauptstadt gab, kam in der Zwischenkriegszeit erneut die Idee auf, eine Moschee zu errichten. 1928 wurde ein Komitee für den Bau der Moschee geschaffen. 1934 erwarb die Gemeinde ein Grundstück im Warschauer Stadtbezirk Ochota und begann mit den Planungen für den zukünftigen Bau.[3] 1935 wurde dazu ein Architektur-Wettbewerb ausgeschrieben. Das Gebäude sollte mindestens ein Minarett und eine Kuppel haben. Der Hauptgebetsraum sollte 350 Männern, eine Galerie 100 Frauen Platz bieten.[4] Der 1936 gekürte Siegerentwurf stammte von Stanisław Kolendo und Tadeusz Miazek und sah ein Gebäude mit einer zwiebelförmigen Kuppel vor, umgeben von vier je 20 Meter hohen Minaretten. Den zweiten Preis im Wettbewerb erhielt ein Entwurf von Marek Leykam. Die Architekten Maciej Nowicki und Stanisława Sandecka gewannen den dritten Preis.[2]
Der Bau konnte zunächst wegen Geldmangels, dann wegen Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nicht realisiert werden. Polnische diplomatische Vertretungen in muslimischen Ländern hatten sich zwar an der Suche nach Geldern für den Bau der Moschee in Warschau beteiligt. Es gelang ihnen jedoch nicht, größere Summen aufzubringen. Mufti Jakub Szynkiewicz reiste 1937 sogar nach Indien, doch auch dieser Versuch brachte nicht die erhofften Ergebnisse.[3]
Moschee in Wilanów
Die erste Moschee Warschaus wurde in einem umgebauten Wohnhaus im von vielen Diplomaten bewohnten Stadtbezirk Wilanów eingerichtet. Der Umbau erfolgte ab 1992, im Jahr 1993 eröffnete das Bethaus. Die Bauarbeiten wurden mit finanzieller Unterstützung Saudi-Arabiens durchgeführt.[1] Das Gebäude beherbergt islamische Kultureinrichtungen und das Büro der muslimischen Gemeinde. Es wurde im maurischen Stil gestaltet und verfügt über kein Minarett.
Sonstiges
Im Stadtbezirk Ochota befindet sich die im Jahr 2014 fertiggestellte Moschee in Ochota.
Auf dem Tatarenfriedhof in Warschau gibt es ein Gebetshaus, welches mit Mitteln des Türkischen Präsidiums für Internationale Kooperation und Koordination im Jahr 2020 saniert wurde.[3]
Die beiden islamischen Friedhöfe - der noch genutzte Muslimische Tatarenfriedhof und der aufgelassene Muslimische Kaukasusfriedhof - befinden sich im Stadtbezirk Wola.
Einzelnachweise
- ↑ a b Philipp Fritz, Muslimische Minderheit. Mohammed, syrischer Flüchtling in Polen, 16. Juni 2018, welt.de (abgerufen am 4. Oktober 2025)
- ↑ a b Rafał Jabłoński, Meczet przy Mekki i Medyny, Życie Warszawy, 4. Juni 2010 (polnisch, abgerufen am 4. Oktober 2025)
- ↑ a b c d Agata S. Nalborczyk, Mosques and Cemeteries of the Polish Muslim Tatars as an Example of Islamic Legacy in the Central Eastern European Landscape in the 21st Century, in: Europe’s Islamic Legacy: 1900 to the Present, ISBN 9789004510722, DOI, Brill 2023, S. 98–129 (englisch)
- ↑ Jerzy S. Majewski, Mekki i Medyny na Ochocie, wyborcza.pl, 1. Januar 2003 (polnisch, abgerufen am 4. Oktober 2025)
Weblinks
- Website des Islamischen Kulturzentrums in Wilanów (englisch)
Koordinaten: 52° 10′ 27,8″ N, 21° 4′ 41,2″ O