Morgenstund hat Gold im Mund

Morgenstund hat Gold im Mund ist ein sehr beliebtes Sprichwort. Es besagt, dass sich frühes Aufstehen lohne, weil es sich am Morgen gut arbeiten lasse und Frühaufsteher mehr erreichen würden. Es gehört seit dem 19. Jahrhundert zu den beliebtesten Sprichwörtern des deutschen Sprachraums, in Literatur und im Vulgärgebrauch, nicht zuletzt ist es in zahlreichen Abwandlungen ein beliebter Werbespruch.

Weiters, ist es in zahlreichen anderen germanischen Sprachen belegt wie Isländisch, Schwedisch, Norwegisch, Niederländisch, Englisch etc. und teils sogar in nicht-indogermanischen Sprachen wie Ungarisch. Es ist wahrscheinlich eine Lehnübersetzung des humanistenlateinischen Sprichworts aurora musis amica („Die Morgenstunde ist die Freundin der Musen“).

Etymologie

Erste sehr fantasiereiche Versuche der Herleitung begannen mit Wackernagel 1848. Dieser versuchte den Spruch von einem unbelegten Brauch der Aufbewahrung von Geld in der Mundhöhle herzuleiten. Tobler hingegen bezog sich in einer abstrakteren Herleitung auf die goldenen Zähne Heimdalls und weitere Gedanken der germanischen Mythologie. Auch Sprengers Versuch der Ableitung des Sprichwortes aus den grimm'schen Märchen ist zu jenen frühen Herleitungsversuchen zu zählen, obwohl er nach Geete veröffentlicht wurde (und auch ein Heinrich Lessmann noch 1922 eine ähnliche Herleitung probierte).

Die erste philologisch plausible Erklärung wurde von Robert Geete 1881 veröffentlicht, da dieser die altnordische Fassung des Sprichworts Morgunstund hefir gull i mund entdeckte. Mund ist in dieser nicht munnr, also Mundhöhle, sondern mund im Sinne von Hand (vgl. ahd. munt). Diese Herleitung blieb lange Zeit die dominante Herleitung und wurde 1960 noch von Kurt Krüger-Lorenzen vertreten.

Der zweite große Herleitungsansatz begann als Probleme der ersten Herleitung durch Alfred Götze aufgezeigt wurden, da dieser das Sprichwort nicht in den Sprichwortsammlungen des 16. Jhd. fand. Somit ließ sich argumentativ eine Entstehung vor dem 16. Jhd. schwer glaubwürdig machen, was eine Herleitung aus antiken Bräuchen oder von dem im 16. Jhd. archaischen mundt erschwerte. Er war der erste, welcher den Spruch mit dem humanistischen Sprichwort aurora musis amica in Verbindung brachte. Doch schloss er sich schlussendlich Heinrich Brunners Vermutung eines ultimativen Ursprungs des Spruches in einem Schulmeisterwitz zur Vermittlung dreier lateinischer Vokabeln (aurora=aurum in ore, Morgenröte = Gold im Mund) an. Diese Annahme wurde von Slijper, Ernst Kalinka, und Friedrich Seiler übernommen. Lutz Röhrich vertrat die Schulmeisterwitzthese noch im Jahre 1973.

Der dritte nennenswerte (und heute am ehesten konsensfähige) Herleitungsansatz begann durch Richard Jente. Dieser zeigte auf, dass es keinerlei Belege für eine Herleitung aus einem Schulmeisterwitz bzw. den Witz an sich gab und somit nur aurora musis amica als lateinische Entsprechung zu verstehen sein. Noch dazu stand im 16. und 17. Jhd. oft statt oder neben Gold weiter Arbeit, Brot und Gott im Spruch—was weiter gegen den Schulmeisterwitz spricht. Er zeigte auf, dass Georg Seybold 1669 die beiden Sprüche zusammen aufzeichnete „Aurora Musis amica, Die Morgenstund hat das Brod im Mund. Morgens studiert man am besten“. Archer Taylor identifizierte die frühste bekannte Verwendung des lateinischen Spruches in einem Brief von 1497 des Erasmus von Rotterdam an Christian Northoff.

Eine wirkliche Popularität des Spruchs findet sich laut Mieder erst seit dem 19. Jhd., welche seitdem durch den Gebrauch im Schulunterricht und der Werbung nur exponentiell zugenommen hat.

Literatur

  • Wolfgang Mieder: Morgenstunde hat Gold im Munde: Studien und Belege zum populärsten deutschsprachigen Sprichwort. Wien: Edition Praesens 1997, ISBN 978-3-901126-77-2
Wiktionary: Morgenstunde hat Gold im Munde – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen