Mordechai Ben-Porat

Mordechai Ben-Porat (Geburtsname: Murad Murad; hebräisch נמרדכי בן-פורת, arabisch مردخاي بن بورات, * 12. September 1923 in Bagdad; † 3. Januar 2022) war ein israelischer Politiker, der zwischen 1965 und 1984 mit Unterbrechungen Mitglied der Knesset und von Juli 1982 bis Januar 1984 als Minister ohne Geschäftsbereich im Büro des Ministerpräsidenten fungierte. Während seiner vier Amtszeiten in der Knesset vertrat er fünf verschiedene Parteien und wurde 2001 für sein Lebenswerk und besondere Leistungen für Staat und Gesellschaft mit dem Israel-Preis ausgezeichnet.

Leben

Mordechai Ben-Porat war das älteste von elf Kindern von Regina und Nessim Yehezkel Murad. Als er schulpflichtig wurde, änderte sein Vater den Familiennamen in Kazzazz (was „Seidenhändler“ bedeutet und der Beruf von Ben Porats Großvater war). Er besuchte die High School in Bagdad und schloss sich 1942 der Haluzim-Bewegung im Irak an. Nach seiner Auswanderung (Alija) in das Mandatsgebiet Palästina 1945 trat er 1947 der Hagana bei, der jüdischen Miliz, aus der später die israelischen Streitkräfte hervorgingen, und nahm am Palästinakrieg teil, ein vom 30. November 1947 bis 15. Mai 1948 dauernder Guerillakrieg im Mandatsgebiet. 1948 war er Absolvent des ersten Offizierslehrgangs der Verteidigungsstreitkräfte (IDF) und organisierte zwischen 1949 und 1951 die Massenauswanderung von Juden aus dem Irak, weswegen er im Zeitraum von 1950 bis 1951 viermal von den irakischen Behörden verhaftet wurde. Er absolvierte ein Studium der Politikwissenschaft an der Zweigstelle der Hebräischen Universität in Tel Aviv sowie ein Studium der Verwaltungswissenschaft an der Universität Tel Aviv. Er war zunächst Mitglied der Arbeiterpartei Mapai (Mifleget Poʿalei Eretz Jisraʾel) und bekleidete zwischen 1955 und 1969 das Amt des Vorsitzenden des Ortsrates von Or Jehuda. Er engagierte sich zudem als Gründer und Vorsitzender des dortigen Zentrums für babylonisch-jüdische Kultur.[1][2]

Bei der Parlamentswahl am 2. November 1965 wurde Ben-Porat für die Mapai erstmals zum Mitglied der Knesset gewählt und gehörte dem Parlament nach seinen Wiederwahlen am 28. Oktober 1969 sowie am 31. Dezember 1973 in der sechsten, siebten und achten Legislaturperiode vom 22. November 1965 bis zum 15. März 1977 an. Er trat 1965 der von David Ben-Gurion[3] gegründeten Liste der Arbeiter Israels Rafi (Reschimat Poʿalei Israel) bei und trat daraufhin in die am 21. Januar 1968 als Nachfolgerin der Mapai entstandene Israelische Arbeiterpartei Avoda (Mifleget haʿAvoda haJisrɛ̝ʾelit) ein. In der sechsten Legislaturperiode (1965 bis 1969) gehörte er dem Ausschuss für Innere Angelegenheiten (23. November 1965 bis 11. Mai 1966), dem Ausschuss für Verfassung, Recht und Justiz (23. November 1965 bis 17. November 1969), dem Arbeitsausschuss (11. Mai 1966 bis 7. März 1967), dem Ausschuss für Bildung und Kultur (7. März 1967 bis 17. November 1969) sowie ferner dem Sonderausschuss zur Prüfung des Primar- und Sekundarschulsystems (7. März 1967 bis 11. Juni 1968) als Mitglied an. In der darauf folgenden siebten Legislaturperiode (1969 bis 1974) war er vom 18. November 1969 bis zum 21. Januar 1974 Mitglied des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten und Verteidigung und des Ausschusses für Verfassung, Recht und Justiz sowie ferner zwischen dem 6. Januar 1970 und dem 21. Januar 1974 Mitglied des Ausschusses für Bildung und Kultur. Er fungierte zwischen 1970 und 1972 zudem als stellvertretender Sekretär der Arbeiterpartei und war damit ein enger Mitarbeiter des Parteivorsitzenden Levi Eschkol.[4][1][2]

In der achten Legislaturperiode (1974 bis 1977) fungierte Mordechai Ben-Porat zwischen dem 4. Februar 1974 und dem 27. Januar 1976 als stellvertretender Sprecher der Knesset und damit als Vertreter von Parlamentspräsident Yisrael Yeshayahu-Sharabi.[5] Daneben gehörte er den Ausschüssen für Verfassung, Recht und Justiz (11. Februar 1974 bis 13. Juni 1977), für Staatskontrolle (11. Februar 1974 bis 8. März 1977) sowie für Auswärtige Angelegenheiten und Verteidigung (11. Juni 1974 bis 8. März 1977). Nachdem er am 15. März 1977 aus der Avoda ausgetreten war, verblieb er bis zum 13. Juni 1977 fraktionsloses Mitglied der Knesset. Daneben engagierte er sich seit 1975 als stellvertretender Vorsitzender des Weltdirektoriums der Weltorganisation für Juden aus arabischen Ländern WOJAC (World Organization of Jews from Arab Countries) und fungierte 1979 als Gesandter des Vorstands der Jewish Agency for Israel, um die Ausreise von Juden aus dem Iran zu unterstützen. Als Vertreter der Bewegung für nationale Erneuerung Telem (Tnu'a LeHithadshut Mamlakhtit) wurde er bei der Parlamentswahl am 30. Juni 1981 noch einmal Mitglied der Knesset, der er nunmehr bis zum 13. August 1984 angehörte. Nach dem Tode von Mosche Dajan[6] am 16. Oktober 1981 wurde er Vorsitzender der Telem und bekleidete das Amt bis zur Auflösung der Partei am 6. Juni 1983, woraufhin er die Bewegung für Sozialzionistische Erneuerung (Tenoa'a LeHithadshut Tzionut Hevratit) und deren anderer Abgeordneter Jigal Hurwitz[7] die Partei Rafi – Nationale Liste (Rafi – Reshima Mamlakhtit) gründete. Während der zehnten Legislaturperiode (1981 bis 1984) gehörte er bis zum 12. August 1982 dem Ausschuss für Arbeit und Soziales als Mitglied an und engagierte sich zeitweilig als Vorsitzender der Parlamentarischen Freundschaftsgruppe Israel-Japan. Am 5. Juli 1982 wurde er als Minister ohne Geschäftsbereich im Büro des Ministerpräsidenten in das Kabinett Menachem Begin II, die 19. Regierung Israels,[8] berufen und behielt diese Funktion zwischen dem 10. Oktober 1983 und dem 31. Januar 1984 auch im darauf folgenden Kabinett Jitzchak Schamir I.[9] 1988 trat er der Nationalliberalen Bewegung Likud (Tnu'ah Leumit Liberalit) bei, übernahm aber keine weiteren politischen Ämter. 2001 wurde er für sein Lebenswerk und besondere Leistungen für Staat und Gesellschaft mit dem Israel-Preis ausgezeichnet.[1][2]

Veröffentlichungen

  • The Problem of the Ingathering of the Exiles, („Das Problem der Sammlung der Exilanten“), 1982
  • Who is a Refugee in the Middle East, (Wer ist ein Flüchtling im Nahen Osten?), 1983
  • Mapping the Tensions in Israeli Society, („Die Kartierung der Spannungen in der israelischen Gesellschaft“) (1987)
  • Is Peace with the Arabs Possible, („Ist Frieden mit den Arabern möglich?“), 1991
  • Contribution of Babylonian Jewry to the Existence of the Nation, („Der Beitrag des babylonischen Judentums zum Bestehen der Nation“), 1991
  • Le-Bagdad ṿa-ḥazarah, To Baghdad and Back, („Nach Bagdad und zurück“), 1996
Commons: Mordechai Ben-Porat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Mordechai Ben-Porat. Knesset, abgerufen am 1. Dezember 2025 (englisch).
  2. a b c Mordechai Ben-Porat. Prabook, abgerufen am 1. Dezember 2025 (englisch).
  3. Ben-Gurion, David. rulers.org, abgerufen am 1. Dezember 2025 (englisch).
  4. Eshkol, Levi. rulers.org, abgerufen am 1. Dezember 2025 (englisch).
  5. Yisrael Yeshayahu. Knesset, abgerufen am 1. Dezember 2025 (englisch).
  6. Moshe Dayan. Knesset, abgerufen am 1. Dezember 2025 (englisch).
  7. Igael Hurvitz. Knesset, abgerufen am 1. Dezember 2025 (englisch).
  8. Nineteenth Government. Knesset, abgerufen am 1. Dezember 2025 (englisch).
  9. Twentieth Government. Knesset, abgerufen am 1. Dezember 2025 (englisch).