Monique Pelletier (Politikerin)
Monique Denyse Pelletier, geborene Bédier (* 25. Juli 1926 in Trouville-sur-Mer, Département Calvados; † 19. Oktober 2025 in Neuilly-sur-Seine, Département Hauts-de-Seine),[1] war eine französische Juristin und Politikerin (UDF).
Biografie
Nach dem Besuch des Lycée Racine in Paris studierte sie Rechtswissenschaften und war anschließend von 1948 bis 1960 als Staatsanwältin in Jugendstrafsachen in Nanterre. Danach war sie als Rechtsanwältin tätig.
Monique Pelletier begann ihre politische Laufbahn in den 1970er Jahren, als sie 1971 zunächst Mitglied des Gemeinderates und 1977 Stellvertretende Bürgermeisterin von Neuilly-sur-Seine, dem wohlhabendsten Vorort von Paris, wurde. Außerdem war sie Mitglied des Politischen Büros der Republikanischen Partei und in dieser Funktion eine Unterstützerin von Valéry Giscard d’Estaing bei dessen erfolgreicher Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 1974. 1977 ernannte sie Präsident Giscard d’Estaing zur Leiterin einer landesweiten Untersuchung über Drogensucht und Drogenmissbrauch unter Jugendlichen. Die Schlussfolgerungen ihres Berichts über den Drogenmissbrauch brachten ihr den Spitznamen „Madame Anti-Drogue“ ein.
Anfang 1978 wurde sie von Premierminister Raymond Barre zur Staatssekretärin bei Justizminister Alain Peyrefitte ernannt. Am 12. September 1978 berief sie Barre zur beigeordneten Ministerin für den Status von Frauen beim Premierminister. Damit wurde die Zuständigkeit für Frauen aufgewertet, ihre indirekte Vorgängerin Françoise Giroud hatte nur den Rang einer Staatssekretärin innegehabt. Die Stellung als beigeordnete Ministerin bedeutete insbesondere, dass Pelletier regulär an den Kabinettssitzungen teilnehmen konnte.
Sie begrüßte die Möglichkeit, mit anderen Ministern gleichberechtigt zu sprechen, und erklärte, dass sie sich selbst als „das ständige Gewissen der Regierung in Fragen mit Frauenbezug“ sehe. Die Mutter von sieben Kindern setzte einen ihrer Schwerpunkte in die Vorbereitung einer Reform von Gesetzen zur Ehe, um diese für Frauen vorteilhafter zu gestalten. Daneben begann sie auch mit der Ausarbeitung von Fragen über die Pensionen von Müttern mit mehreren Kindern, verwarf diese jedoch als unrealistische Vorschläge für ein „Hausfraueneinkommen“, da die Kosten für eine derartige Entlohnung nach ihrer Schätzung die Höhe der Einnahmen aus der Einkommensteuer übersteigen würden. Pelletier setzte sich außerdem dafür ein, Vergewaltigung zu einem Schwerverbrechen (Crime) aufzustufen – sie war bis dahin in Frankreich nur ein Délit („Delikt“), was einen niedrigeren Strafrahmen von maximal 10 Jahren Haft bedeutete –, und trat für die Entfristung der Loi Veil ein, die ab 1975 Schwangerschaftsabbrüche in Frankreich straflos gestellt hatte und ursprünglich nur auf fünf Jahre befristet war.[2]
Am 4. März 1981 trat Pelletier als Ministerin zurück, um Sprecherin in der Wiederwahlkampagne von Giscard d’Estaing zu werden.[3] Nach dessen Niederlage und ihrer eigenen Niederlage bei ihrer Parlamentskandidatur zog sie sich aus dem aktiven politischen Leben zurück, um wieder als Rechtsanwältin zu arbeiten.
Im März 2000 ernannte Präsident Jacques Chirac sie zum Mitglied des Verfassungsrates (Conseil constitutionnel), des französischen Verfassungsgerichts. Diese Position bekleidete sie bis März 2004.
Für ihre Verdienste wurde sie 2013 Großoffizier der Ehrenlegion.[4] Außerdem war sie seit 2010 Großoffizier des Ordre national du Mérite.[5]
Pelletier äußerte sich bis ins hohe Alter politisch. Unter anderem unterzeichnete sie 2016 im Kontext der Affäre Denis Baupin gemeinsam mit 16 weiteren früheren Ministerinnen eine Erklärung gegen sexuelle Belästigung in der französischen Politik.[6] Sie gab dabei an, 37 Jahre zuvor von einem – namentlich nicht genannten – Senator belästigt worden zu sein.[7]
Pelletier starb am 19. Oktober 2025 im Alter von 99 Jahren. Die amtierende Ministerin für Gleichstellung Aurore Bergé würdigte Pelletier an ihrem Todestag als „große Stimme für die Rechte der Frauen, für ihre Würde und für die Gleichstellung“.[2]
Veröffentlichungen
- Droit dans ma vie. Guide juridique pour tous et pour tous les jours. Stock, Paris 1975 (Collection Laurence Pernoud).
- Nous sommes toutes responsables. Stock, Paris 1981, ISBN 2-234-01395-X.
- La Ligne brisée. Flammarion, Paris 1995, ISBN 2-08-067163-4.
Weblinks
- Informationen zu Monique Pelletier beim französischen Verfassungsrat (französisch)
Einzelnachweise
- ↑ Eintrag zu Monique Pelletier in Fichier des personnes décédées (französisch).
- ↑ a b L’ex-ministre Monique Pelletier, qui a œuvré pour la criminalisation du viol, est morte à 99 ans. In: Ouest-France (online). 19. Oktober 2025, abgerufen am 19. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Solène Cordier: Monique Pelletier, ancienne ministre et militante des droits des femmes, est morte. In: Le Monde (online). 19. Oktober 2025, abgerufen am 19. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Décret du 31 décembre 2013 portant élévation aux dignités de grand’croix et de grand officier. In: Journal officiel de la République française. Nr. 0001/2014, Text Nr. 1, 1. Januar 2024 (französisch, online auf Légifrance).
- ↑ Décret du 14 mai 2010 portant élévation aux dignités de grand’croix et de grand officier. In: Journal officiel de la République française. Nr. 0111/2010, Text Nr. 3, 15. Mai 2010 (französisch, online auf Légifrance).
- ↑ Harcèlement sexuel: «Nous ne nous tairons plus», disent 17 anciennes ministres. In: Libération (online). 15. Mai 2016, abgerufen am 19. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ Une ancienne ministre agressée il y a 37 ans : “Honte à moi de mon silence!” In: Le Journal du Dimanche (online). 10. Mai 2016, abgerufen am 19. Oktober 2025 (französisch).