Molkereigenossenschaft Suhlendorf

Molkerei-Genossenschaft Suhlendorf
Rechtsform Eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Nachschusspflicht
Gründung 1892
Auflösung 1963
Auflösungsgrund Unternehmensfusion
Sitz Suhlendorf
Branche Molkereibetrieb

Die Molkerei-Genossenschaft Suhlendorf war eine genossenschaftlich organisierte Molkerei in Suhlendorf im Landkreis Uelzen in Niedersachsen. Sie wurde 1892 gegründet und nahm 1893 den Betrieb auf.[1] Die Genossenschaft entwickelte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einem bedeutenden regionalen Verarbeitungsbetrieb und war mehrfach für ihre Produkte ausgezeichnet. 1963 ging sie in der Molkereigenossenschaft Wieren und später in die Uelzena eG auf.

Gründung und Aufbau

Mit der Erfindung der Milchzentrifuge durch den französisch-schwedischen Ingenieur und Erfinder Gustav de Laval im Jahr 1878 begann die industrielle Verarbeitung von Milchprodukten in Europa. Die neue Technik ermöglichte eine schnelle und effiziente Trennung von Rahm und Magermilch und bildete die Grundlage für die moderne Molkereiwirtschaft. In dieser Zeit entstanden vielerorts genossenschaftlich organisierte Molkereien, die es Landwirten ermöglichten, die neuen Verfahren gemeinschaftlich zu nutzen.

In der Gemeinde Suhlendorf beschlossen ortsansässige Landwirte sowie aus den umliegenden Dörfern, wie Grabau, Növenthien, Nestau, Wellendorf, Dallahn und Groß und Klein Ellenberg, um 1890, eine eigene Molkereigenossenschaft zu gründen. Erste Kostenschätzungen für den Neubau einer Molkerei mit technischer Ausstattung beliefen sich auf etwa 35.000 Reichsmark. Am 12. Dezember 1892 fand im damaligen Gasthaus Holdmann die Gründungsversammlung statt, bei der 58 Mitglieder beitraten. Mit der Planung und Bauleitung wurde das Architektur- und Ingenieurbüro Stuwe aus Harsum bei Hildesheim beauftragt. Der Betrieb nahm am 1. Oktober 1893 seine Arbeit auf. Das anfangs verarbeitete Milchvolumen betrug rund 1500 Liter täglich. Bereits ein Jahr später zählte die Genossenschaft 120 Mitglieder; bis 1930 stieg die täglich verarbeitete Milchmenge auf etwa 8800 Liter.[2]

Entwicklung bis 1945

Zur Energieversorgung des Betriebs wurde die Molkerei bald mit einer leistungsfähigen Dampfmaschine ausgestattet und verfügte auch über eine eigene, unabhängige Wasserversorgung durch einen Brunnen.[3] Der Erste Weltkrieg führte zu einem deutlichen Rückgang der Milchanlieferungen, die zeitweise auf rund 3000 Liter pro Tag sanken. 1920 erwarb die Genossenschaft zur Erweiterung des Betriebsgeländes ein Grundstück zwischen der Güstauer Straße und der Billungstraße. 1938 begann die Herstellung von Schichtkäse, einer in mehreren Schichten abgesetzten Frischkäseart. Der Zweite Weltkrieg führte erneut zu einem Rückgang der Milchproduktion und zu Einschränkungen in der Milchverarbeitung.

Nachkriegszeit und Modernisierung

Nach Kriegsende verlor die Genossenschaft ihre bisherigen Absatzgebiete in Sachsen-Anhalt und Berlin und stellte die Produktion auf Schnittkäse um. 1949 erhielt sie als eine der ersten Molkereien in Niedersachsen das Markenrecht für Tilsiter Käse. Im Jahr 1950 wurde die Betriebsanlage auf dem 1920 erworbenen Gelände erweitert und um ein neues Kesselhaus, eine Kartoffeldämpfanlage, moderne Laborräume und einen Verkaufsraum für Molkereiprodukte ergänzt. In der Nachkriegszeit gehörte die Molkereigenossenschaft zu den größten milchverarbeitenden Betrieben im Ostkreis Uelzen und verarbeitete pro Jahr deutlich mehr als eine Million Liter Milch.[4]

Auszeichnungen

Die Molkereigenossenschaft Suhlendorf wurde mehrfach von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) für ihre Erzeugnisse prämiert, darunter 1901 in Würzburg und Berlin mit Goldmedaillen sowie 1929 auf der Wanderausstellung der DLG in München. 1950 erhielt sie in Frankfurt am Main den Siegerehrenpreis für Butter, 1951 in Hamburg für Tilsiter Käse und 1952 für Frischmilch.[5]

Werbung und Vermarktung

In der Nachkriegszeit warb die Genossenschaft auf ihren Geschäftspapieren mit „allerfeinster Tafelbutter aus pasteurisiertem Rahm“ und nutzte den sogenannten Postkolliversand für den direkten Versand an überregionale Abnehmer.

Zusammenschlüsse und Schließung

Im Jahr 1963 stellte die Molkereigenossenschaft Suhlendorf aufgrund veränderter Marktbedingungen ihren Betrieb ein und schloss sich mit den Molkereien in Wieren, Rosche, Soltendieck, Lüder und Stoetze zur Molkereigenossenschaft Wieren zusammen. Mit der weiteren Konzentration in der Milchwirtschaft des Landkreises Uelzen wurde die Milchverarbeitung ab dem 1. Januar 1986 bei der Uelzena eG in Uelzen fortgeführt. Kurz darauf wurde die Molkerei Wieren geschlossen und das Gebäude verkauft.

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Einzelnachweise

  1. Herbert Schulze, Hellmut Schröder u. a.: Suhlendorf. Eine Chronik. Hrsg.: Gemeine Suhlendorf. Selbstverlag, Suhlendorf 2012, S. 252–256.
  2. Herbert Schulze, Hellmuth Schröder u. a.: Suhlendorf. Eine Chronik. Hrsg.: Gemeinde Suhlendorf. Selbstverlag, Suhlendorf 2012, S. 253.
  3. Verleihung von Wasserrechten an die Molkereigenossenschaft Suhlendorf, Kreis Uelzen. In: Arcisyns Niedersachsen Bremen. Niedersächsisches Landesarchiv, abgerufen am 28. Oktober 2025.
  4. Martin Schwind: Der Landkreis Uelzen. Landeskundlich-statistische Kreisbeschreibung als Grundlage für Verwaltung und Landesentwicklung. In: Prof. Dr. Kurt Brüning (Hrsg.): Die Landkreise in Niedersachsen. Reihe D, Band 2. Bremen-Horn 1949, S. 166.
  5. Herbert Schulze, Hellmuth Schröder u. a.: Suhlendorf. Eine Chronik. Hrsg.: Gemeinde Suhlendorf. Selbstverlag, Suhlendorf 2012, S. 256.