Mohrenstraße 32 (Coburg)
Das Gebäude Mohrenstraße 32 in der oberfränkischen Stadt Coburg ist ein Wohn- und Geschäftshaus, das 1893 errichtet wurde. Es ist als Baudenkmal in der Bayerischen Denkmalliste eingetragen. Von 1905 bis 1938 hatte der jüdische Arzt Emil Gutmann seine Praxis für Chirurgie und Orthopädie in dem Haus.
Geschichte
Der Baumeister Johannes Köhler errichtete 1893 in der Coburger Mohrenstraße 32 das repräsentative Wohn- und Geschäftshaus für die Postdirektorswitwe Constanze Behling.[1] Samuel Gutmann (1847–1912), der ein Handelsgeschäft für Modewaren mit seinem Bruder Hirsch in Coburg betrieb, wurde 1904 neuer Eigentümer des Hauses. 1905 eröffnete sein Sohn Emil Gutmann (1877–1956) dort eine Facharztpraxis für Chirurgie und Orthopädie. Nach dem Tod von Samuel Gutmann im Jahr 1912 erbte Emil Gutmann das Anwesen. Er ließ 1923 durch Paul Schaarschmidt einen Dachstuhl auf die bestehende Mansarde errichten. Ende der 1920er Jahre erweiterte Gutmann seine Praxis zu einer renommierten Fachklinik für Orthopädie.[2]
Im März 1933 rief die NSDAP zum Boykott der Klinik auf. Außerdem wurde Gutmann im April 1933 die kassenärztliche Zulassung entzogen. Ende September 1938 verlor er seine Approbation. Bis Ende 1939 konnte er das Haus Mohrenstraße (1937–1945 Straße der SA) 32 für 65.000 RM verkaufen. Der Verkaufserlös kam jedoch auf ein Sperrkonto. Mitte Oktober 1941 emigrierten Emil Gutmann und seine Frau Sofie nach Kuba, im Oktober 1943 zogen sie in die USA.[2]
Im Jahr 1958 wurde das Erdgeschoss für einen modern ausgebaut. 1977 folgte die Erweiterung über die gesamte Erdgeschossfläche.[1]
Architektur
Das dreigeschossige Mansarddachhaus hat für die Mohrenstraße eine auffallende Breite. Die Fassade im Stil der Neurenaissance gestaltet, besteht aus Ziegel mit Sandsteingliederungen. Sie gliedert sich in drei flache Risalite mit Doppelfensterachsen und Zwischenfelder mit einer Achse. Dem mittleren Risalit ist ein zweigeschossiger, vierachsiger Konsolerker vorgesetzt. Ein Doppelgesims trennt das Erdgeschoss vom ersten Obergeschoss, in dem die äußeren Fenster Dreiecks-, die inneren Segmentbogengiebel tragen, die bis zum Sohlbankgesims im zweiten Obergeschoss reichen. Die äußeren Doppelfenster werden durch Pfeiler geteilt. Die Fenster im zweiten Obergeschoss tragen ein Sturzgebälk mit Zahnschnitt zwischen Konsolen. Der Zahnschnitt wiederholt sich im Kranzgesims, das um die Risalite verkröpft ist. Die schmalen Fenster im Erker ruhen auf diamantierten Brüstungen und schließen in beiden Geschossen mit einem Triglyphenfries ab. Die Mitte des Mansarddaches beherrscht ein zweiachsiger Zwerchgiebel, den eine Attika mit Reliefdarstellung abschließt. Die übrigen vier Fensterachsen setzen sich nach oben durch Gauben mit Segmentbogengiebeln fort.[1]
Zwei zweigeschossige Rückgebäude mit Satteldächern, wohl aus dem 18. Jahrhundert, schließen sich an das Hauptgebäude an.[1]
Literatur
- Peter Morsbach, Otto Titz: Stadt Coburg (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band IV.48). Karl M. Lipp Verlag, München 2006, ISBN 3-87490-590-X, S. 260.
Weblinks
- Denkmalliste für Coburg (PDF) beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Akten-Nummer D-4-63-000-356
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Peter Morsbach, Otto Titz: Stadt Coburg (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band IV.48). Karl M. Lipp Verlag, München 2006, ISBN 3-87490-590-X, S. 260.
- ↑ a b Biographie von Emil Gutmann
Koordinaten: 50° 15′ 37,34″ N, 10° 57′ 49,74″ O