Mittertennhaus

Das Mittertennhaus ist ein historischer Haustyp, bei dem unter einem Dach Wohnung, Stadel (Scheune) und Stallungen untergebracht sind. Die Tenne ist in der Mitte platziert und gewöhnlich traufseitig erschlossen.

Beschreibung

Mittertennhaus heißt in der historischen (ländlichen) Bauforschung das sogenannte Einhaus oder Einfirsthaus, bei dem räumlich Wohnteil, Dresch- und Stadeleinfahrtstenne und Stall aufeinander folgen.

Für das Rottal ist das Mittertennhaus gut dokumentiert. Die Marxensölde im Freilichtmuseum Massing ist ein gut erhaltenes und für die Sach-Volkskunde wissenschaftlich erschlossenes Beispiel.

In Niederbayern hat sich kein Mittertennhaus vom älteren Typ erhalten, bei dem Tenne und Fletz ein Raum waren, wobei in das Tennentor eine kleine Handpforte eingesetzt war.

Geschichte

Als sich mit der Einführung der ganzjährigen Stallhaltung um 1800 die bäuerliche Arbeit wesentlich verdichtete, wurde auch bei den Kleinbauernanwesen nach Raumstrukturen geforscht, die effizienteres Arbeiten und dennoch eine stärkere Trennung von Wohnen und Viehhaltung ermöglichten. Das Mittertennhaus, bei dem sich die befahrbare Stadeltenne zwischen Wohnteil und Stallungen unter einem gemeinsamen Dach befindet, hat sich bewährt, sodass landwirtschaftliche Anwesen dieser Art im 19. Jahrhundert in großer Zahl neu errichtet wurden. Die Liberalisierung des bäuerlichen Eigentums-, Betriebs- und Erbrechts, außerdem die Verteilung der Allmenden bewirkte zudem, dass mehr Kleinbauernanwesen entstanden, die Land- und Viehwirtschaft im Neben- oder Zuerwerb betrieben.

Ältere und regionale Varianten des Mittertennhauses mit giebelseitiger Erschließung sind im Rottal, in Tirol und in Wallern im Böhmerwald dokumentiert und in geringer Zahl erhalten.

Mittertennhäuser in Museen

  • Die Marxensölde ist ein 1812 erbauter Einfirsthof aus Seemannshausen bei Gangkofen im bayerischen Landkreis Rottal-Inn. Er befindet sich seit 1985 im Freilichtmuseum Massing. Die Tenne ist traufseitig erschlossen.[1]
  • Der Dunningerhof ist 1654 datiert. Er stammt aus Thaur (Bundesland Tirol) und ist nun in das Museum Tiroler Bauernhöfe in Kramsach übertragen. Die Tenne ist giebelseitig erschlossen; sie erfüllt auch die Funktion des Hausflures (Ehrn, Fletz) und erschließt Stube, Küche, Speisekammer und Treppe zum Obergeschoss.

Literatur

  • Rudolf Hoferer: Der Mittertennbau in Südostdeutschland. In: Bayerische Hefte für Volkskunde 13, Heft 5/6, 1940, S. 70–75
  • Otto Schweiger: Das Mittertennhaus von Amelgering. In: Heimat an Rott und Inn, 1968, S. 125–127
  • Martin Ortmeier: Glump und Gloria. Die Rekonstruktion eines niederbayerischen Kleinbauernhauses. In: Ostbairische Grenzmarken. Passauer Jahrbuch für Geschichte, Kunst und Volkskunde, Bd. 29 (1987), S. 134–150
  • Martin Ortmeier: Das Mittertennhaus im Freilichtmuseum Massing. Oder Ansätze zu einer Verstetigung der Wissenschaft in den niederbayerischen Freilichtmuseen. In: Eißing, Thomas, Markus Rodenberg und Georg Waldemer (Hg.). Badstube Betsaal Bauernhaus. Eine Festschrift für Herbert May. Bad Windsheim (Verlag Fränkisches Freilandmuseum) 2025, 461–471, ISBN 978-3-946457-26-8

Einzelnachweise

  1. Zum Mittertennhaus Marxensölde siehe auch den Artikel in Niederbayern-Wiki.