Mittenselbstentladewagen

DB Ommv 72
DB El-u 061
Baujahr(e): 1962–
Länge über Puffer: 10.000 mm
10.500 mm (mit Handbremse)
Gesamtradstand: 5400 mm
Leermasse: 11,5 t
11,8 t (mit Handbremse)
Lademasse: 28,5 t
28,0 t (mit Handbremse)
Ladelänge: 8700 mm
Ladebreite: 2700 mm
Ladehöhe: 1650 mm
Ladefläche: 23,7 m²
Laderaum: 40,0 m³

Mittenselbstentlader waren eine spezielle Bauform von offenen Güterwagen. Sie wurden in den 1950er Jahren entwickelt, um die einfache Entladung von Schüttgütern ohne große technische Hilfsmittel zu ermöglichen. Insgesamt beschaffte die Deutsche Bundesbahn (DB) seit Ende der 1950er Jahre knapp 450 Fahrzeuge. Die letzten Wagen wurden Ende der 1980er Jahre ausgemustert.

Entwicklung

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Eisenbahn noch das vorherrschende Transportmittel, Schüttgüter hatten daran einen großen Anteil, denn circa 75 % aller in offenen Güterwagen beförderten Wagenladungen waren Schüttgüter, vor allem feste Brennstoffe. Dementsprechend betrug der stückzahlmäßige Anteil offener Güterwagen am Güterwagenbestand der DB Anfang der 1960er Jahre etwa 45 %. Allerdings konnten die Sendungen nur mit Waggonkippanlagen, Kränen, Baggern oder per Hand entladen werden. Damit war der Entladevorgang zeitraubend und kostspielig. Auch bei den meisten Selbstentladewagen waren teure Entladevorrichtungen (Tiefbunker u. Ä.) notwendig.

Da Kleinempfänger keine Möglichkeit zur preisgünstigen Entladung der Wagen besaßen, wanderten diese zunehmend zum Straßenverkehr ab. Daher wurden in den 1950er Jahren neue Selbstentladewagen entworfen: die Muldenkipper der Bauart Ommi sowie die Seitenselbstentladewagen der Bauart Otmm. Diese Selbstentladewagen hatten jedoch den wesentlichen Nachteil, dass sie fast nur in einer Laufrichtung beladen werden konnten. Dem Lastlauf stand also ein Leerlauf gegenüber.

Neben Flurkippern und Hubkippern der Bauart Ommu wurden auch Mittenselbstentladewagen konstruiert. Im Gegensatz zu weiteren entwickelten Selbstentladewagen gehörten die Mittenselbstentladewagen zu den offenen Güterwagen, da diese einen ebenen Wagenboden besaßen. Bei den Mittenselbstentladewagen wurden beide Wagenhälften hydraulisch angehoben, damit rutschte das Ladegut in die Wagenmitte, von wo aus es über ein Förderband einfach entladen werden konnte.

Einsatz

Talbot lieferte 1959 zwei Versuchswagen, die sich bewährten. Daraufhin baute Talbot eine erste Serie von 50 Wagen. In der ersten Hälfte der 1960er Jahre beschaffte die DB eine geringfügig verbesserte Serie mit nochmals 390 Wagen.

Da der Wagenladungsverkehr von Kleinempfängern ohne Entladevorrichtungen in den 1970er Jahren immer weiter zurückging, begann ab der zweiten Hälfte der 1970er die Ausmusterung der Mittenselbstentlader. Die letzten Fahrzeuge wurden Ende der 1980er Jahre von der DB aus dem Bestand gestrichen.

Konstruktive Merkmale

Die Konstruktion der Mittelselbstentladewagen wurde in ihren verkehrlichen Kenngrößen und Baumerkmalen an die offenen UIC-Standardgüterwagen des Typs 2 angelehnt. Dementsprechend entsprechen die Länge des Wagens über Puffer, der Achsstand, die Ladelänge, die Ladebreite, die lichte Weite der Seitenwandtüröffnung und die Höhe des Laderaums den Abmessungen der UIC-Standardgüterwagen. Auch das Laufwerk mit Federung und Federaufhängung wurde übernommen. Lediglich die Wagenfußbodenhöhe musste aufgrund der Schütteinrichtung mit 1.300 mm über Schienenoberkante etwa 65 mm höher angeordnet werden.

Das Untergestell der Güterwagen bestand aus geschweißten Walz- und Abkantprofilen aus St 52. Auf dem Untergestell befand sich ein 4 mm starker Blechfußboden. Die beiden kippbaren Hälften besaßen an der Stirnwand jeweils eine Stirnklappe. An den Seitenwänden befand sich eine zweiflügelige Drehtür, die fest mit dem Untergestell verbunden war. Damit war der Wagen stirn- als auch seitenkippfähig.

Die Bremserbühne war an den entsprechenden Fahrzeugen angeschraubt.

Literatur

  • Helmut Behrends, Wolfgang Hensel, Gerhard Wiedau: Güterwagen-Archiv 2. transpress, Berlin 1989, ISBN 3-344-00330-5.
  • Helmut König: Der Mittenselbstentlader, ein offener Mehrzweckgüterwagen mit selbsttätiger Schüttgutentladung. In: Glasers Annalen. 86. Jahrgang, Heft 3. Berlin März 1962, S. 65–70.