Mithridates (Satrap von Kappadokien)

Mithridates war ein im späten 5. und frühen 4. Jahrhundert lebender persischer Adliger. Zunächst war er Anhänger des achämenidischen Prinzen Kyros des Jüngeren, ging aber nach dessen Tod in der Schlacht bei Kunaxa 401 v. Chr. zum Großkönig Artaxerxes II. über.

Leben

Mithridates ist nur durch die Bemerkungen des griechischen Militärs und Geschichtsschreibers Xenophon in seiner Anabasis bekannt. Er war ein Gefolgsmann des Prinzen Kyros des Jüngeren[1] und nahm als Reiterführer am Feldzug gegen dessen älteren Bruder, den Großkönig Artaxerxes II., teil. Kyros’ Ziel war der Sturz seines Bruders, um selbst den Thron zu erlangen. Zur Unterstützung seines militärischen Unternehmens rekrutierte er auch eine starke Armee von mehr als 10.000 griechischen Söldnern. Nachdem Kyros in der Schlacht bei Kunaxa (September 401 v. Chr.) gegen seinen Bruder gefallen war, lief Mithridates zu Artaxerxes II. über.

Die Söldner versuchten nun, gegen den Widerstand des persischen Königs wieder in ihre Heimat zu gelangen (Zug der Zehntausend). Nach der heimtückischen Gefangennahme des Klearchos und anderer ihrer Führer durch den Satrapen Tissaphernes näherte sich Mithridates im Januar 400 v. Chr. morgens den Griechen und stellte sich, als sei er noch immer ihr Freund. Er wollte über ihre Pläne informiert werden, weil er, wie er behauptete, erwäge, sich ihnen anzuschließen. Einer der neugewählten Führer, Cheirisophos, sagte nur, sie wünschten friedlich in ihre Heimat zurückziehen; bei einer Behinderung ihres Rückmarschs würden sie sich aber energisch wehren. An Mithridates’ Antwort, dass dies gegen den Willen des Artaxerxes II. nicht durchsetzbar sei, erkannten die Söldner, dass er auf Befehl des Tissaphernes handelte. Nach erneuter Beratung mit seinen Mitfeldherren erklärte Cheirisophos, dass sie mit dem Großkönig keine Verhandlungen mehr führen wollten und jeder sich ihnen nähernde Perser als Feind eingestuft werde.[2]

Nachdem die Söldner am späten Vormittag desselben Tages den Fluss Zapatas gerade überquert hatten, zog ihnen Mithridates erneut, diesmal mit einem kleinen Heer von 200 Reitern sowie 400 Bogenschützen und Schleuderern, entgegen und stellte sich weiterhin freundschaftlich. Als er nahe genug herangekommen war, gab er seinen Männern den Befehl, die Griechen mit Pfeilen und Wurfgeschossen anzugreifen, wobei die von Xenophon kommandierte Nachhut Verluste erlitt. Unter den Söldnern gab es zwar kretische Bogenschützen, doch konnten sie wegen der geringeren Reichweite ihrer Waffen die Feinde nicht treffen. Xenophons Kommando, die Krieger des Mithridates zu verfolgen, blieb wirkungslos, da die Söldner kein dafür nötiges Reiterkontingent hatten. Vielmehr zerriss dadurch ihre Aufstellung im Karree. In der Folge gab es weitere Verletzte. Unter Anstrengungen konnten die Griechen sich vom Feind lösen und am Abend einige Dörfer erreichen. Der misslungene Befehl zog Xenophon Vorwürfe der anderen Heerführer zu, und er gestand seinen Fehler auch ein.[3]

Am Morgen des nächsten Tages hatten die zum Tigris weiterziehenden Griechen gerade eine Schlucht überwunden, als Mithridates in ihrem Rücken erschien und sie mit 1000 Reitern und 4000 Bogenschützen attackierte. Die Söldner hatten aber inzwischen eine eigene kleine Reitertruppe aufgestellt. Sie gingen mit dieser sowie mit Hopliten und Leichtbewaffneten zum Gegenangriff über und schlugen die feindlichen Truppen in die Flucht. Für die Männer des Mithridates stellte die Schlucht ein schwieriges Hindernis dar. Eine Reihe persischer Infanteristen wurde von der Söldnerschar eingeholt, und sogar einige Reiter des Mithridates gerieten in ihre Gefangenschaft.[4]

Für seinen Seitenwechsel zum Großkönig und Dienst gegen die Griechen wurde Mithridates zum Satrap von Lykaonien und Kappadokien ernannt.[5] Sein weiteres Schicksal ist unbekannt. In der Forschung wird diskutiert, ob er mit jenem gleichnamigen Dynasten der Stadt Kios in Mysien identisch ist, dessen Reich laut dem Historiker Diodor[6] der phrygische Satrap Ariobarzanes vor 362 v. Chr. übernahm.[7]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Xenophon, Anabasis 2, 5, 35.
  2. Xenophon, Anabasis 3, 3, 2–5; dazu Wolfgang Will: Der Zug der 10.000, München 2022, S. 104 f.
  3. Xenophon, Anabasis 3, 3, 6–11; dazu Wolfgang Will: Der Zug der 10.000, München 2022, S. 105 f.
  4. Xenophon, Anabasis 3, 4, 2 f.; dazu Wolfgang Will: Der Zug der 10.000, München 2022, S. 106 f.
  5. Xenophon, Anabasis 7, 8, 25.
  6. Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 15, 90, 3.
  7. Fritz Geyer: Mithridates 1. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XV,2, Stuttgart 1932, Sp. 2157.