Miriam Shatal
Miriam Shatal (hebräisch מרים שתל, geb. 12. Dezember 1903 in Amsterdam als Marianne Pinkhof; gest. 27. November 2006 in Beʾer Scheva, Israel) war eine niederländisch-israelische Komponistin von Chorwerken.[1][2]
Leben und Wirken
Marianne „Jannie“ Pinkhof (später bekannt als Miriam Shatal) wurde im Dezember 1903 in Amsterdam als Tochter von Hermannus Pinkhof (1863–1943) und Adeline de Beer (1867–1967) in eine kinderreiche jüdische Familie hineingeboren.[3][4] Sie war eine jüngere Schwester der Kinderbuchautorin Clara Asscher-Pinkhof. Bei den Dokumenten der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem findet sich ein Gruppenfoto, das Marianne im Jahr 1920 mit ihren Eltern und allen Geschwistern zeigt.[5]
Nach dem Schulbesuch studierte sie Biologie und erwarb 1929 einen PhD-Abschluss an der Universität Amsterdam.[6][7] Wenig später, am 13. Februar 1930, heiratete sie in der südholländischen Gemeinde Lisse den ebenfalls aus Amsterdam stammenden Arzt Isidore Spangenthal.[4] Mit ihm hatte sie sieben Kinder.
Viele Mitglieder ihrer Familie wurden Opfer des Holocaust, darunter ihre fünf Brüder. Ihr Vater starb mit 80 Jahren im Durchgangslager Westerbork, ihre 1932 geborene Tochter Ada Spangenthal wurde 1943 im KZ Auschwitz umgebracht. Ihre Brüder Meijer (geb. 1892) und Leonard (geb. 1898) starben im Vernichtungslager Sobibor, Jozef (geb. 1906) im KZ Bergen-Belsen und Sallie (geb. 1893) im KZ Oranienburg.[3]
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs emigrierte Marianne Spangenthal-Pinkhof 1948 mit ihrer verwitweten Mutter, ihrem Ehemann und den überlebenden Kindern nach Israel. Dort ließen sie sich 1949 im Süden des Landes in der Stadt Beʾer Scheva nieder, wo ihr Ehemann als Arzt in leitender Stellung tätig war.[7] Marianne Spangenthal-Pinkhof nahm den hebräischen Vornamen Miriam an, ihr Ehemann den Vornamen Jitzchak, und der Familienname wurde in Shatal geändert.
Ab 1951 gehörte Miriam Shatal einem neu gegründeten Chor an, in dem sie bis 1985 aktiv war.[7] Einige Jahre später, 1956, begann sie, selbst Werke für ihren Chor zu komponieren.[7] Parallel dazu nahm sie Kompositionsunterricht bei Haim Alexander und Paul Ben-Haim.[6] Miriam Shatals Musik umfasst hauptsächlich Kompositionen für gemischten Chor, Frauenchor mit Instrumentalbegleitung und Vertonungen von Psalmen. Ihre Werke wurden vom Israel Music Institute (IMI) veröffentlicht.[8] Shatals Korrespondenz mit Paul Ben-Haim ist an der National Library of Israel archiviert.[9]
Ihr Ehemann und ihre Mutter starben beide am selben Tag, dem 20. September 1967, in Beʾer Scheva.
1988 ehrte die Stadt Beʾer Scheva Miriam Shatal mit dem Bürgerpreis Yakir Beʾer Scheva (hebräisch יקיר באר שבע, dt. etwa „Freund Beʾer Schevas“), einem Zeichen der Dankbarkeit und Wertschätzung gegenüber Personen, die sich im Laufe ihres Lebens an öffentlichen Aktivitäten zum Wohle der Stadt und ihrer Bewohner beteiligt haben. Sie erhielt die Auszeichnung unter anderem auch für die Unterstützung ihres Ehemannes bei der Bereitstellung medizinischer Versorgung unter sehr schwierigen äußeren Bedingungen.[7]
Miriam Shatal starb am 27. November 2006, zwei Wochen vor Vollendung ihres 103. Lebensjahres, in Beʾer Scheva.
Kompositionen
Shatals Vokalkompositionen umfassen unter anderem:
- אל הר גאווה (Al Har Gawoah, dt. „Berg des Stolzes“); adaptiert für Gemischten Chor von M. Lushig[6]
- אל ארצי (El Artzi, dt. „In mein Land“); Frauenchor[6]
- ארבע בלדות (Arba baladot, dt. „Vier Balladen“); Gesang und Gitarre[10]
- הד (Hed, dt. „Echo“); Frauenchor[6]
- אני קורא לך (Ani kore lecha, dt. „Ich rufe Dich“); a cappella Frauenchor[11][12]
- קינה (Kinah, dt. „Klagelied“); Frauenchor und Geige[6]
- שלום עליכם (Shalom Aleichem, dt. „Friede sei mit Euch“); a cappella Gemischter Chor[13][14]
- תפילה (Tfilah, dt. „Gebet“)[6]
- (תהילים ק"ד ד' (ברכי נפשי (Barchi Nafshi, Psalm 104); Gemischter Chor[6]
- (תהילים קל"ג ג' (כטל חרמון (Ketal Chermon, Psalm 133)[6]
Einzelnachweise
- ↑ Jay Weitz: Alice Tischler: A Descriptive bibliography of art music by Israeli composers. […] In: Fontes Artis Musicae. Band 36, Nr. 4, 1989, S. 335–337, JSTOR:23507496 (Miriam Shatal als Komponistin erwähnt in Weitz’ Review zu Alice Tischlers Werk).
- ↑ Donald L. Hixon: Women in music: an encyclopedic biobibliography. 2. Auflage. Scarecrow Press, Metuchen, N.J. 1993, ISBN 0-8108-2769-7 (englisch).
- ↑ a b Marianne Spangenthal-Pinkhof. In: joodsmonument.nl. 7. April 2016, abgerufen am 1. Dezember 2025 (niederländisch, mit Foto).
- ↑ a b Standesamt Lisse, Heiratsregister, Eintrag Nr. 82 vom 13. Februar 1930; eingesehen auf wiewaswie.nl. am 1. Dezember 2025 (online).
- ↑ חתונה בטלאי צהוב באמסטרדם. In: yadvashem.org. Abgerufen am 1. Dezember 2025 (hebräisch, Marianne auf dem Gruppenfoto links unten).
- ↑ a b c d e f g h i Aaron I. Cohen: International Encyclopedia of Women Composers. Hrsg.: Books & Music. 2. Auflage. New York 1987, ISBN 978-0-9617485-2-4, S. 637 (englisch).
- ↑ a b c d e 1988 - יקירי העיר באר שבע [Die Freunde der Stadt Beʾer Scheva 1988]. In: beer7.localtimeline.com. Stadt Beʾer Scheva, abgerufen am 12. Januar 2025 (hebräisch, dort gelistet als „Dr. Miriam Shatal“).
- ↑ Miriam Shatal - Israel Music Institute. In: imi.org.il. 30. November 2025, abgerufen am 1. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Mirjam Shatal: Correspondence: Miriam Shatal – Paul Ben-Haim. 1963, OCLC 875086039 (englisch).
- ↑ Janna MacAuslan, Kristan Aspen: Guitar Music by Women Composers: An Annotated Catalog. Greenwood Press, 1997, ISBN 978-0-313-29385-6, S. 71 (englisch, online).
- ↑ Michaela Christine Hastetter: "Horch! mein Geliebter!": die Wiederentdeckung der geistlichen Schriftauslegung in den Hoheliedvertonungen des 20. Jahrhunderts. EOS Verlag Erzabtei St. Ottilien, 2006, ISBN 978-3-8306-7255-5, S. 595.
- ↑ I Call Upon Thee. In: imi.org.il. Israel Music Institute, abgerufen am 1. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ American Society for Jewish Music (Hrsg.): Musica judaica. 1988, S. 104 (englisch).
- ↑ May Peace Be With You (Shalom aleichem). In: imi.org.il. Israel Music Institute, abgerufen am 1. Dezember 2025 (englisch).