Miranda (Schiff, 1871)

Miranda
Schiffsdaten
Flagge Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich
Schiffstyp Yacht
Bauwerft John I. Thornycroft & Company, Chiswick
Baunummer 10
Stapellauf Juni 1871
Übernahme Juli 1871
Verbleib unbekannt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge 15,16 m (Lüa)
Breite 1,98 m
Tiefgang (max.) 0.76 m
Verdrängung 3,73 t
Maschinenanlage
Maschine 2-Zyl.-Dampfmaschine
Maschinen­leistung 72 PS (53 kW)
Höchst­geschwindigkeit 18,4 kn (34 km/h)
Propeller 1

Die Miranda war eine britische Yacht der John I. Thornycroft & Company in Chiswick. Aufgrund ihrer enormen Geschwindigkeit wurde sie als Hochgeschwindigkeitsyacht bezeichnet.

Geschichte

Die Miranda hatte eine Länge über alles von 15,16 m (49 ft 9 in), eine Breite von 1,98 m und einen Tiefgang von 0,76 m. Die Verdrängung des aus Bessemer Stahl gefertigten Boots wurde mit 3,73 t angegeben. Die Maße entsprachen der 1870 gebauten Swallow (Baunummer 7), die eine Geschwindigkeit von 16,2 kn erreichte. Sie wurde von einer Verbunddampfmaschine mit zwei Zylindern angetrieben. Die Kolben hatten einen Durchmesser von 0,15 m und einen Hub von 0,20 m und die nominale Leistung des Motors wurde mit 8 PS angegeben. Bei 600/min erreichte er eine Leistung von 72 PS. Den Dampf lieferte ein mit Kohle beheizter Dampflokomotivkessel, der bei einem Druck von bis zu 120 psi (etwa 8 Bar) arbeitete. Der zweiflügelige Propeller hatte einen Durchmesser von 0,77 m.

Die Yacht lief im Juni 1871 vom Stapel. Da sie auf der Henley Royal Regatta im folgenden Monat als Schiedsrichterboot zum Einsatz kommen sollte, wurde sie in kürzester Zeit fertiggestellt und übergeben. Bei der Regatta wurde sie vorsichtshalber nur mit 100 psi betrieben, trotzdem erreichte sie gegen den Strom der Themse eine Geschwindigkeit von 16,8 kn. Bei späteren Test unter vollem Druck erreichte die Miranda flussabwärts bei starkem Gegenwind von Vauxhall zur Westminster Bridge eine Geschwindigkeit von über 20 kn. Von der Barnes Railway Bridge nach Chiswick erreichte sie bei mehreren Tests eine Geschwindigkeit von 20,3 kn. Durch äußere Einflüsse korrigiert rechnete man mit einer effektiven Geschwindigkeit von 18,4 kn.

Der britische Marineingenieur John Scott Russell hatte jedoch die These aufgestellt, dass ein Schiff, dass etwa 20 kn schnell fahren soll, eine Mindestlänge von 400 ft (etwa 122 m) benötigt. Aus diesem Grund wurde die Rekordfahrt in Zweifel gezogen. Im folgenden Jahr führte der Ingenieur Frederick Joseph Bramwell zahlreiche Tests mit der Miranda durch.[1] Er konnte zeigen, dass sie tatsächlich so schnell war. Die zunächst unerklärliche Geschwindigkeit führte er auf die leichte Bauweise des Boots und der Maschine zurück.[2]

Der Bau der Miranda gilt als bedeutender Schritt zur Entwicklung von Torpedobooten.[3][4]

Literatur

  • Engineering, Band 12 (7. Juli – 29. Dezember 1971), 3. November 1871, S. 284 (Digitalisat)
  • The Engineer, Band 33 (5. Januar – 28. Juni 1872), 19. April 1872, S. 281–282 (Digitalisat)

Fußnoten

  1. Bramwell, Frederick Joseph (1818 - 1903) bei orp.esrc.unimelb.edu.au
  2. Journal Article bei orp.esrc.unimelb.edu.au
  3. Alfred Dudszus, Alfred Köpcke: Das große Buch der Schiffstypen. Band 2. Weltbild Verlag (Lizenzausgabe von transpress, Berlin), Augsburg 1995, S. 276.
  4. Edgar C. Smith, A Short History of Naval and Marine Engineering, 1937, S. 258 (Digitalisat)