Minnichhof (Meteorit)
| Minnichhof | |||||
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| Allgemeines | |||||
| Offizieller Name nach MBD |
Minnichhof | ||||
| Authentizität | sicher | ||||
| Lokalität | |||||
| Land | Österreich | ||||
| Region | Burgenland | ||||
| Ort | Minnichhof | ||||
| Fall und Bergung | |||||
| beobachtet | ja | ||||
| Datum (Fund) | 27. Mai 1905 | ||||
| Beschreibung | |||||
| Typ | Steinmeteorit | ||||
| Klasse | gewöhnliche Chondriten | ||||
| Referenzen | |||||
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Minnichhof ist ein Steinmeteorit, der am 27. Mai 1905 nahe Kroatisch Minihof (damals Malomháza, Komitat Ödenburg, Königreich Ungarn; heute Burgenland, Österreich) niedergegangen ist. Der Meteorit gehört zur Gruppe der gewöhnlichen Chondriten und ist der einzige wissenschaftlich anerkannte Meteorit des österreichischen Bundeslandes Burgenland.[1]
Die Gesamtmasse liegt bei rund 550 g; ein kleinerer Teil wird in der Meteoritensammlung des Naturhistorischen Museums Wien aufbewahrt, der Hauptteil in der Meteoritensammlung des Ungarischen Naturwissenschaftlichen Museums in Budapest.[2][3]
Fundort und historische Einordnung
Der Fall ereignete sich in der Nähe des heutigen Ortes Kroatisch Minihof (kroatisch Mjenovo, ungarisch Malomháza), einer Ortschaft in der Gemeinde Nikitsch im Bezirk Oberpullendorf im nördlichen Burgenland, nahe der Grenze zu Ungarn.[4]
Zum Zeitpunkt des Falls im Jahr 1905 gehörte das Gebiet politisch zum Königreich Ungarn (1867–1918) innerhalb der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Erst mit der Schaffung des Burgenlandes 1921 kam Kroatisch Minihof zu Österreich. In der Literatur wird der Fundort daher teils unter Ungarn, teils unter Österreich geführt; moderne Datenbanken führen Minnichhof heute offiziell als österreichischen Meteoriten, weisen aber auf diese historische Grenzsituation hin.
Fallereignis
Der Fall des Meteoriten wurde am 27. Mai 1905 gegen 10:45 Uhr vormittags beobachtet. Zeitgenössische Berichte schildern einen lauten, an Zischen oder Brausen erinnernden Geräuschpegel, gefolgt vom Sturz eines dunklen Körpers mit hoher Geschwindigkeit.[2]
Der Meteorit schlug in einer Lehmgrube bzw. auf Feldern in der Nähe von Kroatisch Minihof ein und grub sich in den Boden ein. Arbeiter, die vor Ort beschäftigt waren, beobachteten den Einschlag und bargen den Stein unmittelbar danach. Zeitungsberichte beschrieben ihn als etwa faustgroßen Meteoriten mit dunkler Oberfläche.
Da der Stein unmittelbar nach dem Fall aus dem Boden geholt wurde, war er praktisch unverwittert. Das Innere zeigt ein hellgraues, chondritisches Gestein, das von einer geschlossenen schwarzen Schmelzkruste überzogen ist.[2]
Masse und Verbleib
Die Gesamtmasse des Minnichhof-Meteoriten wird im Meteoritical Bulletin mit 550 g angegeben. Aus historischen Inventareinträgen des NHM Wien geht hervor, dass der von Friedrich Martin Berwerth für das k. k. Naturhistorische Hofmuseum erworbene Stein damals etwas über 500 g wog.
Heute befindet sich:
- Die Hauptmasse von rund 360 g in der Meteoritensammlung des Ungarischen Naturwissenschaftlichen Museums in Budapest.
- Ein kleiner Schnittkörper von 43 g im Naturhistorischen Museum in Wien, wo er in der Österreich-Vitrine als Teil der Meteoritenschau in Saal 5 ausgestellt ist.
Der Wiener Teil besitzt eine charakteristische schwarze Schmelzkruste auf der konvexen Seite und eine hellgraue Schnittfläche mit Chondren und fein verteilt eingebettetem metallischem Eisen.
Besitz- und Sammlungsgeschichte
Unmittelbar nach dem Fund hat Friedrich Berwerth, der Leiter der mineralogischen Abteilung des NHM Wien, den Stein vom Finder Stefan Buczolits um hundert Kronen angekauft.[2]
Da der Einschlagsort damals auf ungarischem Staatsgebiet lag, beanspruchte das Ungarische Nationalmuseum in Budapest den Meteoriten für sich. Der ungarische Kultusminister Albert Berzeviczy intervenierte bei den österreichischen Behörden, sodass der Meteorit nach Budapest überstellt werden musste. Im Gegenzug wurde dem NHM Wien ein Teilstück zugesichert. Ein Eintrag im Inventarbuch des NHM Wien dokumentiert, dass der kleine Schnitt erst 1918 – also 13 Jahre nach dem Fall – als Geschenk des Ungarischen Nationalmuseums nach Wien gelangte.[2]
Während des Ungarischen Volksaufstandes von 1956 kam es im Gebäude des Ungarischen Nationalmuseums zu Bränden, bei denen große Teile der mineralogischen und paläontologischen Sammlungen zerstört wurden. Zahlreiche Meteoriten gingen dabei verloren; die Hauptmasse des Minnichhof-Meteoriten überstand die Ereignisse jedoch, wenn auch mit leichten Spuren der Hitzeeinwirkung (angebranntes Etikett, etwas Ruß auf der Oberfläche).[2]
Klassifikation
In der Meteoritical Bulletin Database wird Minnichhof als Steinmeteorit des Typs „ordinary chondrite (OC)“ geführt; eine genauere Untergruppe wird nicht angegeben.[1] Eine petrographische und chemische Detailstudie aus dem Jahr 1977 ordnete Minnichhof innerhalb der Gruppe der L-Chondrite ein, mit Übergangsmerkmalen zwischen den Petrologischen Typen 5 und 6 (L5/L6).[5] In der Fachliteratur gilt die Einordnung als gewöhnlicher Chondrit mit L-ähnlicher Zusammensetzung als verbreitet, während die offizielle Datenbank der Meteoritical Society weiterhin die allgemeine Bezeichnung „OC“ ohne Untertyp verwendet.
Lokale Erinnerung und Bedeutung
Trotz der Seltenheit eines Meteoritenfalls geriet das Ereignis im kollektiven Gedächtnis von Kroatisch Minihof weitgehend in Vergessenheit. Medienberichte des 21. Jahrhunderts dokumentieren, dass selbst bei der Erarbeitung einer Ortschronik viele Bewohnerinnen und Bewohner zunächst keine Erinnerung an einen Meteoriteneinschlag hatten.[3]
Der Lehrer und Historiker Michael Hirschler, dessen Familie aus Kroatisch Minihof stammt, rekonstruierte die historische Überlieferung und publizierte 2019 eine zweisprachige Monografie über den Minnichhof-Meteoriten in der Reihe Da se ne pozabi – Damit es nicht vergessen wird.[6]
Der Einschlagsort kann heute vom Ortszentrum aus über eine kleine Gasse („Sotbend“) und die Kleinwarasdorfer Straße erreicht werden; die lokale Topographie des Fundorts ist in regionalen Darstellungen dokumentiert, wenngleich vor Ort keine großflächige touristische Infrastruktur besteht.
Minnichhof ist aus mehreren Gründen von Bedeutung:
- Er zählt zu den wenigen in Österreich dokumentierten Meteoritenfällen und ist der einzige wissenschaftlich anerkannte Meteorit aus dem heutigen Burgenland.
- Der Fall wurde direkt beobachtet, und der Stein wurde praktisch unmittelbar nach dem Einschlag geborgen, wodurch das Material als außergewöhnlich frisch und unverwittert gilt.
- Die Besitzgeschichte spiegelt politische Spannungen innerhalb der späten Habsburgermonarchie wider und ist außerdem durch die Zerstörungen von 1956 ein Beispiel für die Verletzlichkeit naturwissenschaftlicher Sammlungen.
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ a b Meteoritical Bulletin Database - Eintrag Minnichhof. Abgerufen am 23. November 2025 (englisch).
- ↑ a b c d e f Das bewegte und fast vergessene Schicksal des Minnichhof-Meteoriten. In: derstandard.at. 27. Mai 2025, abgerufen am 23. November 2025.
- ↑ a b Kroatisch Minihof: Vergessener Meteorit. In: burgenland.orf.at. 17. März 2013, abgerufen am 23. November 2025.
- ↑ Minnichhof meteorite, Kroatisch Minihof, Nikitsch, Oberpullendorf District, Burgenland, Austria. In: mindat.org. Abgerufen am 23. November 2025 (englisch).
- ↑ Ravasz, Csaba L; Emszt, M; Panto, Gy: The Minnichhof Meteorite. In: Acta mineralogica-Petrographica. Band 23, Nr. 1. Szeged 1977, S. 139–158 (u-szeged.hu [PDF]).
- ↑ Michael Hirschler: Der Meteorit von Kroatisch Minihof/Mjenovo. In: Burgenländische Heimatblätter. 2019, S. 144–159.