Minjona (Frauenchor)

Minjona (offiziell: deutsch Frauenchor Minjona der Universität Lettlands, lettisch Latvijas Universitātes sieviešu koris "Minjona") ist ein Frauenchor an der Universität Lettlands. Zum vierzigjährigen Jubiläum im Jahr 2015 wurde Minjona bei einem internationalen Wettbewerb als weiblicher Spitzenchor auf den neunten Platz in der Welt gesetzt.[1]

Geschichte

Gründung

Am 24. Dezember 1974 kam es zu einem ersten Probesingen und bereits am 11. Februar 1975 zur ersten offiziellen Probe des neu gegründeten Frauenchors. Seitdem wird das letztere Datum als jährliches Jubiläum begangen.

Der Chor wurde damit 1975 vom ersten männlichen Chorleiter Viesturs Gailis gegründet und geleitet. Bereits im Herbst 1975 wurde der Frauenchor für die zwei volkstümlichen Lieder lettisch Tumša nakte, zaļa zāle und lettisch Bēdu, manu lielu bēdu erstmalig zu Ton- und Video-Aufnahmen in das Lettische Fernsehen eingeladen. Den Namen Minjona erhielt der Frauenchor mit Bezug auf Johann Wolfgang von Goethes deutschen Bildungsroman Wilhelm Meisters Lehrjahre dann 1977.[2]

Riga war zu dieser Zeit die Hauptstadt der Lettischen Sozialistischen Sowjetrepublik (LSSR) in der damaligen Sowjetunion.

Namensgebung

Am 5. April 1977 gab sich der Chor den lettischen Namen – Minjona – welcher von der literarischen Figur der „Mignon“ aus Deutschland inspiriert ist. Die Mignon [miɲɔ̃] ist eine Figur aus Goethes Bildungsroman Wilhelm Meisters Lehrjahre von 1795/1796 und wurde ehemals zum romantischen Inbegriff des knabenhaften, erotisch anziehenden Mädchens. Die literarische Gestalt erscheint bereits in der ersten Version des Romans, Wilhelm Meisters theatralische Sendung, welche Goethe zwischen 1777 und 1785 verfasste und die aber erst über hundert Jahre später dann erstmals 1911 veröffentlicht wurde. Der Herkunft des Namens Mignon ist dagegen französisch und bedeutet „Herzchen“, „Liebling“. Die Idee zur Namensgebung kam zweihundert Jahre später durch Gailis' Vater, damals als Interpret der Musik von Emīls Dārziņš bekannt, und war aus dem von ihm damals geschaffenen Singspiel „Minjona“ für gemischten Chor entstanden. Der junge Gailis schrieb das Stück daraufhin stimmlich für einen Frauenchor entsprechend um.[2]

Das neu geschaffene lettische Singspiel „Minjona“ für Frauenchor war für viele Jahre die Hymne des weiblichen Chors Minjona und beruht auf Goethes Gedicht Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?. Dieses gehört mit zu den berühmtesten Gedichten deutscher Sprache und besingt die schon im 18. Jahrhundert unter Deutschen verbreitete Italiensehnsucht. Die eingängigen und schönen Verse regten bereits zu Lebzeiten Goethes zu Umdichtungen, Anspielungen und Parodien an und wurden vielfach vertont. So jetzt im 20. Jahrhundert auch hier in Lettland, was durchaus mit Hintersinn als versteckte Kritik an den damaligen Zuständen in der Sowjetunion betrachtet werden kann.

Der Frauenchor heute

Der Frauenchor Minjona ist heute fest in der Universität Lettlands verankert und hat ungefähr 30 weibliche Mitglieder.

Personen in Leitungsfunktion sind heutzutage:[3]

  • Musikalische Leitung: Romāns Vanags (m)
  • Chorleitung: Evija Vanaga (w), Elīna Auziņa-Baiguševa (w)
  • Konzertmeisterin: Ilze Dzērve (w)
  • Chefdirigent: Romāns Vanags (m)

Die Kontaktanschrift Raiņa bulvāris 19, Riga, LV-1586 ist zugleich die Anschrift der Universität.[4]

Die auf ein Jahrzehnt der Gründung des Chors folgende Periode von 1987 bis 1991 der nationalen Bewegungen im Baltikum und des gewaltlosen Kampfes um die Wiedererlangung der staatlichen Unabhängigkeit wird als Singende Revolution bezeichnet. Das in dieser Tradition mit dem Frauenchor Minjona auch von der Universität unterstützte Lettische Liederfest (lettisch Vispārējie latviešu Dziesmu un Deju svētki) ist ein wiederkehrendes kulturelles Großereignis in Lettland und fügt sich in die Tradition der Liederfeste der baltischen Länder Estland, Lettland und Litauen ein.

Der volkstümliche und zeitgenössische musikalische Gesang und damit auch der Frauenchor Minjona sind feste Bestandteile der lettischen Identität.[5]

Siehe auch

Commons: Liederfest (Lettland) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. World Rankings of Women's Choirs. In: Interkulture. April 2015, archiviert vom Original am 12. Februar 2013; (englisch).
  2. a b Minjona: hronika (11.02.1975–19.03.1977), Sammelband; Rīga 1975/1977. (lettisch)
  3. Vadība. In: lu.lv. 2025, abgerufen am 30. November 2025 (lettisch).
  4. Kontakti. In: lu.lv. 2025, abgerufen am 30. November 2025 (lettisch).
  5. Siehe das lettische Sängerfest-Gesetz: Dziesmu un Deju svētku likums