Mina McKenzie

Mina Louise McKenzie (* 2. Februar 1930 in Palmerston North, Neuseeland; † 11. März 1997 ebenda) war eine neuseeländische Kuratorin und war die erste Māori-Direktorin eines neuseeländischen Museums. Als Kuratorin und spätere Direktorin des Manawatū Museums entwickelte sie ein Museumskonzept, das dem traditionellen Māori-Wissen Vorrang vor westlichen Sammelpraktiken einräumte. Von 1988 bis 1990 war sie Präsidentin des Verbandes der Kunstgalerien und Museen und ab 1987 Vorsitzende des Kulturerhaltungsbeirats des Innenministers. Von 1982 bis 1987 war sie Präsidentin des neuseeländischen Komitees des Internationalen Museumsrates.[1][2][3]

Leben und Werk

McKenzie war das einziges Kind von Nukuteaio Selina Potaka und deren Ehemann Arnold Gillespie. Durch ihren Vater war sie Mitglied der Familie Seifert, die in der örtlichen Flachsindustrie eine herausragende Rolle spielte. Ihre Mutter hatte Stammeszugehörigkeiten zu Ngāti Hauiti, Ngāti Raukawa, Te Ati Haunui-a-Pāpārangi und Rangitāne o Manawatū. Ihre Großmutter Esther Lyons Caselberg war die Tochter des ersten Ladenbesitzers in Mangaweka, Eli Caselberg, und seiner Frau Catherine, von denen jüdische Verbindungen aus Osteuropa stammten, die über Großbritannien zustande kamen. McKenzie verbrachte ihre Kindheit in Miranui und anschließend auf dem elterlichen Bauernhof in Ōpiki, bevor sie die Whanganui Girls' High School besuchte. Von 1948 bis 1950 studierte sie Zoologie am Otago University College und wechselte 1963 zu einem geisteswissenschaftlichen Studium an die Massey University. Während ihres Studiums in Otago lernte McKenzie den Fotografen Barry James Woods kennen, den sie am 18. Dezember 1952 in Wellington heiratete. Sie arbeitete kurzzeitig für das Ministerium für Māori-Angelegenheiten und half nach ihrer Rückkehr nach Palmerston North 1953 beim Aufbau einer regionalen Zweigstelle der Māori Women’s Welfare League. Mit ihrem Ehemann bekam sie zwei Kinder, ließ sich jedoch im März 1963 von ihm scheiden.[4]

Am 17. Juni 1965 heiratete sie in Palmerston North Bruce Alan McKenziem, mit dem sie zwei Töchter bekam.

Kuratorin und Direktorin des Manawatū Museums

Wie viele Frauen ihrer Zeit gelang McKenzie der Übergang ins Berufsleben schrittweise, zunächst durch unbezahlte und später durch Teilzeitarbeit. Als sich 1967 das hundertjährige Jubiläum der Ansiedlung von Pākehā in Palmerston North näherte, waren viele angesehene Bürger der Ansicht, dass es der Stadt noch immer an grundlegenden kulturellen Einrichtungen wie einem Museum mangelte. Der Stadtrat stellte dem neu gegründeten Museumsverein ein altes Haus für die temporäre Ausstellung lokalgeschichtlicher Exponate zur Verfügung, und McKenzie und ihr Ehemann gehörten zu den Freiwilligen, die die Eröffnung dieses Museums im Jahr 1971 ermöglichten. 1974 wurde ihr die Stelle der kommissarischen Kuratorin mit einem kleinen Honorar angeboten. Mit dem Umzug des Museums in größere Räumlichkeiten im Jahr 1975 wurde ihre Stelle in eine Vollzeitstelle umgewandelt und nach der Einstellung weiterer Mitarbeiter wurde McKenzie im September 1978 die erste Direktorin des Manawatū Museums. Sie war die erste Māori in Neuseeland, die eine solche Position besetzte und bis zu ihrem Ruhestand 1994 leitete.[5]

Unter ihrer Leitung zog das Manawatū Museum 1975 von einem kleinen Haus in größere Räumlichkeiten und 1994 an einen noch größeren Standort. Keines dieser Gebäude war eigens für diesen Zweck errichtet worden. Von Anfang an konnte sie auf die Unterstützung eines engagierten und unterstützenden Kuratoriums zählen, dessen Mitglieder, wie beispielsweise Professor Keith Thomson von der Massey University, Kontakte zu Regierungsbehörden und anderen neuseeländischen Museen herstellten. Die staatlichen Arbeitsprogramme der 1980er-Jahre ermöglichten es McKenzie, neue Mitarbeiter, darunter auch Māori, einzustellen und sie im kulturell angemessenen Umgang mit Taonga zu schulen.

Von den frühen 1980er- bis zu den frühen 1990er-Jahren war McKenzie eine Schlüsselfigur bei den meisten wichtigen Initiativen im neuseeländischen Museumssektor. Sie engagierte sich stark im Verband der Kunstgalerien und Museen Neuseelands (AGMANZ) und war von 1988 bis 1990 dessen Präsidentin. McKenzie trug maßgeblich zur Umwandlung des AGMANZ in Museums Aotearoa bei, eine neue Organisation mit einer bikulturellen Satzung.[6]

Von 1982 bis 1987 war sie Präsidentin des neuseeländischen Komitees des Internationalen Museumsrates. Von 1985 bis 1988 war sie die einzige Frau im Leitungskomitee von Te Māori, der Ausstellung von Māori-Kunst, die Mitte der 1980er-Jahre in den USA und in Neuseeland gezeigt wurde.Te Māori erwies sich als wegweisend für Museen in Neuseeland und trug dazu bei, die internationale Wahrnehmung indigener Kunst weg von der Betrachtung primitiver Kunst hin zu einem Verständnis der Werke aus der Perspektive der Kultur, die sie hervorgebracht hat, zu verändern. Es beeinflusste maßgeblich die Entwicklung des neuen Museums von Neuseeland, Te Papa Tongarewa. McKenzie war 1985 Mitglied des Entwicklungsteams des Museums und wirkte an einem Dokument mit, das sowohl einen Plan für die neue Institution als auch ein Leitbild für die Museumspraxis in einer bikulturellen Gesellschaft darstellte.[7]

McKenzies Bemühungen um eine engere Zusammenarbeit zwischen Iwi und Museen setzten sich in den späten 1980er Jahren fort. Sie trieb die Integration von 1987 bis 1991 von Māori in Museen voran, sowohl in professionelle als auch in beratende Funktionen, und förderte als Vorsitzende des Cultural Conservation Advisory Council (1987–1991) die Ausbildung von Māori-Restauratoren. Das erste Treffen der Māori-Schutzbeauftragten (Kaitiaki Māori Hui) fand 1989 im Te Hou Hou Marae statt.

Eine weitere wichtige ihrer Initiativen war die Taonga-Māori-Konferenz von 1990. Ziel der Konferenz war es, Museumsfachleute aus aller Welt zusammenzubringen, die für Māori-Sammlungen verantwortlich sind. Die internationalen Teilnehmer besuchten Marae in ganz Neuseeland und knüpften Kontakte zu Māori-Gemeinden. Die während der Konferenz entstandenen Beziehungen führten schließlich zur Rückführung von Taonga nach Neuseeland. In Anerkennung dieser und anderer Leistungen wurde McKenzie 1990 mit einer Gedenkmedaille zum 150-jährigen Jubiläum Neuseelands ausgezeichnet.

Ab 1992 zog sich McKenzie allmählich aus nationalen Führungspositionen zurück, blieb aber weiterhin eine wichtige Rednerin, Mentorin und Unterstützerin anderer Museumsfachleute. Sie spielte auch eine bedeutende Rolle bei der Etablierung des Studiengangs Museumswissenschaften an der Massey University, wo sie von 1990 bis zu ihrem Tod als Honorardozentin tätig war. 1998 verlieh ihr die Universität posthum die Massey-Medaille in Anerkennung ihres Engagements für die Etablierung der Museumswissenschaften als eigenständige akademische Disziplin.[8]

Sie war von 1989 bis 1991 Mitglied des Gesundheitsausschusses der Region Manawatū–Wanganui und engagierte sich lange im regionalen Komitee des Historic Places Trust in Manawatū. Ihre Verbindungen zum Stamm der Ngāti Hauiti prägten viele Jahre ihr Engagement im Te Wehi o Te Rangi (Waka) Trust in Whanganui. Für ihre Verdienste um Palmerston North wurde ihr 1993 der Palmerston North Civic Honour Award verliehen.

McKenzie hatte sich lange für ein neues, eigens dafür errichtetes Museum in Palmerston North eingesetzt, doch daraus wurde nichts. 1994 wurde das Manawatū Museum im Zuge einer Stadterneuerung mit einem neuen Wissenschaftszentrum zum Wissenschaftszentrum und Manawatū Museum zusammengelegt, das in mehreren umgebauten Gebäuden untergebracht war. Da McKenzie wusste, dass die neue Einrichtung weniger Raum für ihren Führungsstil bieten würde, bewarb sie sich nicht um die Position der Gesamtdirektorin, sondern engagierte sich aktiv beim Umzug der Museumssammlung an den neuen Standort. 1995 ging sie schließlich in den Ruhestand und übernahm eine Rolle als Kaumatua (älteste Älteste), in der sie weiterhin die Beziehungen zwischen dem Museum und den Tāngata Whenua (den Māori) pflegte.

In vielen ihrer Sachbücher thematisierte sie die Herangehensweise neuseeländischer Museen an Māori-Schätze (taonga) und Fragen der Bikulturalität.

McKenzie starb 1997 im Alter von 67 Jahren an einer Herzkrankheit und wurde auf dem Pourewa-Familienfriedhof in Rātā beigesetzt.[9]

Auszeichnungen und Ehrungen

  • 1990: New Zealand 1990 Commemoration Medal
  • 1993: Palmerston North Civic Honour Award
  • 1997: Mina-McKenzie-Stipendium und die jährliche Mina-McKenzie-Vorlesung[10]
  • 1998: Massey-University-Medaille
  • 2018: Mina-McKenzie-Preis im Rahmen der New Zealand Museum Awards, mit dem herausragende Leistungen von Persönlichkeiten im Museumsbereich gewürdigt werden[11]

Literatur

  • D. Butts: Editorial. New Zealand Museums Journal 27:2, Summer 1997, S. 2–3.
  • M. McKenzie: The conservation of cultural property – the New Zealand position. AGMANZ Journal, 18:3, S. 34–35.
  • M. McKenzie: Forty years on. AGMANZ Journal 19.2, 1988, S. 4–5.
  • M. McKenzie: The Manawatū Museum Society Incorporated 1970–1991: an historical Survey. Palmerston North, 1991.
  • M. McKenzie: Te ao hou o ngā kaitiaki o ngā taonga. AGMANZ Journal, 15:4, Dezember 1984, S. 28–29.
  • S. Park: Mina McKenzie: poroporoaki at Rata Marae. New Zealand Museums Journal 27:2, SOmmer 1997, S. 6–7.
  • J. Saunders: McKenzie a skilful leader. Manawatū Standard, 13. März 1997, S. 3.
  • M. Tennant: Mina McKenzie and the Manawatū Museum. Manawatū Journal of History 18, 2022, S. 28–37.
Commons: Mina McKenzie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Māori and museums | McKenzie, Mina Louise | Dictionary of New Zealand Biography | Te Ara. Abgerufen am 27. Dezember 2025 (englisch).
  2. McKenzie, Mina Louise | Dictionary of New Zealand Biography | Te Ara. Abgerufen am 27. Dezember 2025 (englisch).
  3. Mina Louise McKenzie; Ngāti Raukawa, Te Āti Haunui a Pāpārangi, Rangitāne. In: Komako. Abgerufen am 27. Dezember 2025 (englisch).
  4. A Bridge Between Worlds: Mina McKenzie and Te Māori - Part 1. In: Te Manawa - Museum of Art, Science and History. 10. September 2024 (temanawa.co.nz [abgerufen am 27. Dezember 2025]).
  5. Mina McKenzie and the Manawatū Museum - Manawatū Heritage. Abgerufen am 27. Dezember 2025.
  6. A Bridge Between Worlds: Mina McKenzie and Te Māori - Part 1. In: Te Manawa - Museum of Art, Science and History. 10. September 2024 (temanawa.co.nz [abgerufen am 27. Dezember 2025]).
  7. Philippa Jane Butler: Te Maori past and present : stories of Te Maori : a thesis presented in partial fulfilment of the requirements for the degree of Master of Arts in Social Anthropology at Massey University. 1996 (handle.net [abgerufen am 27. Dezember 2025] Massey University).
  8. A Bridge Between Worlds: Mina McKenzie and Te Māori - Part 1. In: Te Manawa - Museum of Art, Science and History. 10. September 2024 (temanawa.co.nz [abgerufen am 27. Dezember 2025]).
  9. A Bridge Between Worlds: Mina McKenzie and Te Māori - Part 1. In: Te Manawa - Museum of Art, Science and History. 10. September 2024 (temanawa.co.nz [abgerufen am 27. Dezember 2025]).
  10. A Bridge Between Worlds: Mina McKenzie and Te Māori - Part 2. In: Te Manawa - Museum of Art, Science and History. 10. September 2024 (temanawa.co.nz [abgerufen am 27. Dezember 2025]).
  11. 2018 ServiceIQ New Zealand Museum Awards - WINNERS ANNOUNCED | Scoop News. Abgerufen am 27. Dezember 2025.