Militärflugplatz Žatec-Staňkovice
Der Militärflugplatz Žatec-Staňkovice (urspr. Fliegerhorst Saaz genannt) (ICAO-Code: LKZC)[1] war ein militärisch genutzter Flugplatz im Nordosten der Stadt Žatec im Okres Louny auf der Gemarkung der Ortschaften Staňkovice, Bitozeves und Žiželice in Tschechien. Er wurde im Jahr 1993 geschlossen und von 2003 bis 2006 vollständig zurückgebaut. Das Gelände gehört jetzt zum Industriegebiet Triangle.[2][3]
Lage
Der Flugplatz lag etwa 6 km nordöstlich des Zentrums von Žatec an der Fernstraße I/7 von Chomutov nach Prag in einer Höhe von etwa 274 m (899 ft). Die Lage des Flugplatzes ist auf einer Karte der Jahre 2001–2003 dargestellt.[4][5]
Geschichte
Ursprünglich war der Bau von vier Flugplätzen in der Umgebung von Saaz geplant, und zwar bei den Orten Žiželice (Schießelitz), Lišany (Lischan), Bitozeves (Witoseß) und Minice (Münitz), die später als Žatec I, Žatec II, Žatec III und Žatec IV bezeichnet wurden.[6] Der Militärflugplatz Saaz wurde im Jahr 1944 für den Einsatz der Jagdflugzeuge Me-262 errichtet und besaß zunächst eine Landebahn von 1700 m × 45 m bzw. nach anderen Angaben 1700 m × 60 m (Ausrichtung 280°) sowie eine Notlandebahn (Rollbahn) von 1400 m × 20 m (Ausrichtung 260°),[7] er wurde ursprünglich als Fliegerhorst Saaz bezeichnet. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war er Einsatzort des strahlgetriebenen Jagdflugzeugs Messerschmitt Me 262. Die letzten Flugzeuge starteten von hier aus noch am 8. Mai 1945, wobei mehrere Piloten in ihre Heimatorte im anglo-amerikanisch besetzten Gebiet flogen, z. B. zum Fliegerhorst Faßberg.[6][8][9]
Nach der Einnahme des Flugplatzes durch die Rote Armee am 9. Mai 1945 wurde der Platz von den tschechoslowakischen Luftstreitkräften übernommen. In der Tschechoslowakei wurden nach dem Krieg vom Hersteller Avia Flugzeuge des Typs Me 262 mit der Bezeichnung Avia S-92 nachgebaut. Die erste Maschine dieses Typs wurde in Žatec montiert und flog hier am 27. August 1946.
Im Mai 1948 wurde von diesem Flugplatz eine militärische Hilfsaktion für den neu gegründeten Staat Israel gestartet. Es wurden insgesamt 24 Flugzeuge vom Typ Avia S-199 zusammen mit Ersatzteilen, Werkzeugen, Waffen und Munition nach Israel geflogen. Danach begann hier die Piloten-Ausbildung mit zwei Avia S-92 und zwei CS-92. Diese Flugzeuge wurden 1950 ausgemustert und die Ausbildung erfolgte dann auf den Jagdflugzeugen sowjetischer Bauart Jak-23 und MiG-15, die zum Teil auch in der Tschechoslowakei gefertigt wurden.[7][10][11]
Infolge des Koreakriegs sollten auch in der Tschechoslowakei schlagkräftige Luftstreitkräfte aufgebaut werden. Zunächst wurde die 5. Jagdfliegerdivision aufgebaut und im Herbst 1951 eine neue Beton-Landebahn mit den Abmessungen 2500 m × 80 m (Ausrichtung 280°) südlich der alten Landebahn angelegt. Dieser Flugplatz Žatec I mit der Kennung Merkur wurde von den Piloten meist Korea genannt.[12] Von 1954 bis 1992 war der Flugplatz Žatec Hauptstützpunkt der 11. Jagdfliegerdivision. Ab 1958 wurden die MiG-15 schrittweise durch die neueren MiG-17 und MiG-19 ersetzt. Zwischen 1963 und 1965 wurde das Regiment mit MiG-21 neu ausgerüstet, die ab 1983 durch MiG-23 und 1989 durch MiG-29 ergänzt wurden. Ab 1960 wurde die 5. Flugabwehr-Division in Žatec aufgestellt, die ab 1983 mit OSA-AKM-Raketen ausgerüstet war. Der Stützpunkt der 11. Jagdfliegerdivision wurde im Jahr 1993 aufgegeben und im Sommer 1997 auch das Flugabwehrregiment aufgelöst.[13][14] Der Flugplatz Žatec hatte von 1944 bis 2005 auch einen 8 km langen Gleisanschluss vom Bahnhof in Postoloprty, der den An- und Abtransport von Gütern ermöglichte.[15]
Die Beton-Landebahn wurde von 2003 bis 2006 vollständig zurückgebaut, lediglich die Ersatz-Landebahn von 1400 m × 20 m (Ausrichtung 260°) existiert noch und wird derzeit von den Anwohnern als „Auto-Teststrecke“ genutzt. Auf dem 300 Hektar großen Industriegebiet „Triangle“ soll künftig auch mit einem Denkmal an den ehemaligen Militärflughafen Žatec erinnert werden. Damit soll auf dessen Bedeutung bei der Luftverteidigung des Landes während des Kalten Krieges und bei den Hilfsflügen für Israel im Jahr 1948 hingewiesen werden. Viele Piloten und Techniker, deren Berufsleben mit dem Flughafen verbunden war, leben noch heute in der Stadt.[16] Die Geschichte des ehemaligen Flugplatzes wird auch im Fliegermuseum in Žatec-Bezděkov dargestellt, das vom Verein Letci Žatec betreut wird.[17][18]
Luftbrücke Israel
Im Rahmen der Operation Balak bzw. Aktion Hagana wurde im Jahr 1948 eine Luftbrücke zwischen der Tschechoslowakei und Israel aufgebaut, mit deren Hilfe die Hagana-Organisation bzw. die israelischen Streitkräfte mit Waffen versorgt wurden. Die Abwicklung der Flüge erfolgte vom Flugplatz in Žatec zum Flugplatz Akir/Ekron (jetzt Militärflugplatz Tel Nof) bei Mazkeret Batya in Israel, als Code-Name für die israelische Flugbasis in Žatec wurde die Bezeichnung Etzion oder Zebra benutzt. Zwischen dem 19. Mai 1948 und dem 12. August 1948 stellte die tschechoslowakische Regierung der israelischen Luftwaffe 24 Avia S-199 (modifizierte Version der bei Avia Prag gebauten Focke-Wulf Fw 190 bzw. des Ursprungsmusters Messerschmitt Bf 109) zur Verfügung. Alle Flugzeuge waren fabrikneu und wurden nach den erforderlichen Flugtests zerlegt und mit der Bahn zum Flugplatz Žatec transportiert. Vom Flugplatz Žatec wurden alle S-199 zusammen mit Tonnen von Ersatzteilen, Werkzeugen, Waffen und Munition (einschl. Bomben, Minen, Geschützen usw. zur Bodenunterstützung) mit Transportflugzeugen des Typs C-46 Commando, C-54 Skymaster und C-69 Constellation nach Israel transportiert. Eine Constellation stürzte am 13. Juli 1948 bei der Landung auf dem Flugplatz ab. Auch nach dem offiziellen Ende der Militärhilfe-Aktion am 12. August 1948 wurden in den folgenden Monaten weitere Spezialisten ausgebildet. Insgesamt wurden etwa 81 Piloten und 69 Bodenpersonalspezialisten geschult, von denen einige die erste Jagdfliegereinheit der israelischen Luftwaffe bildeten. Die Ausbildung, einschl. der Rekrutierung von tschechoslowakischen Freiwilligen für die Verteidigung Israels, erfolgte im Rahmen der geheimen „Aktion DI Hagana“ (tschech. Akce „Důvěrné Izrael“).[19]
Außerdem wurden drei US-amerikanische B-17 Flying Fortress in der Tschechoslowakei zur militärischen Bomber-Version umgerüstet und zu ihrem Einsatz als Bomber nach Israel geflogen.[20] Für die Operation Balak waren als Flugmannschaft etwa 150 Personen im Einsatz. Am Flugplatz Žatec standen etwa 20 bis 50 ausländische Flugzeugmechaniker zur Verfügung, die in den Hotels „Stalingrad“ (vormals Hotel Hanslik), „Zlatý anděl“ (Goldener Engel) und „Zlatý lev“ (Goldener Löwe) in Žatec untergebracht waren. Für die Überlebensfähigkeit des jungen Staates Israel, der sich mit den arabischen Staaten im Kriegszustand befand, waren die Logistik-Operationen von existentieller Bedeutung.[21][22]
Weblinks
- Žatec military airfield – ČSR (englisch)
- Žatec letiště (Korea) (tschech.)
Einzelnachweise
- ↑ LKZC Letiště Žatec-Staňkovice (abgerufen am 23. September 2025)
- ↑ Industrial Zone Triangle (englisch) (abgerufen am 23. September 2025)
- ↑ Průmyslová zóna Triangle (tschech.) (abgerufen am 23. September 2025)
- ↑ Žatec, Airfield (tschech.) (abgerufen am 23. September 2025)
- ↑ auf mapy.cz Karte unter 2001–2003 (abgerufen am 23. September 2025)
- ↑ a b Vrtulnik: Protektorat Zatec (abgerufen am 23. September 2025)
- ↑ a b Žatec, Airfield – abonded & forgotten (englisch) (abgerufen am 23. September 2025)
- ↑ Luftwaffe Airfields 1935–45: Czechoslovakia (englisch) (abgerufen am 23. September 2025)
- ↑ Volker K. Thomalla: Das Ende der Luftwaffe – April und Mai 1945. In: www.flugrevue.de. 8. Mai 2018, abgerufen am 24. September 2025.
- ↑ Žatec, Airfield (englisch) (abgerufen am 23. September 2025)
- ↑ Messerschmitt Me 262 v Žatci auf idnes.cz (tschech.) (abgerufen am 23. September 2025)
- ↑ Petr Kinšt: Bývalé Žatec-letiště auf zatecky.denik.cz (tschech.) (abgerufen am 23. September 2025)
- ↑ Historie posádky (tschech.) (abgerufen am 23. September 2025)
- ↑ Flugplatz Žatec im Kalten Krieg (abgerufen am 23. September 2025)
- ↑ Bývalá železniční vlečka Postoloprty-nádraží – Žatec-letiště (tschech.) (abgerufen am 23. September 2025)
- ↑ Petr Kinšt: Bývalé vojenské letiště u Žatce auf zatecky.denik.cz (tschech.) (abgerufen am 23. September 2025)
- ↑ Letecké muzeum Korea-Merkur in Žatec-Bezděkov (tschech.) (abgerufen am 23. September 2025)
- ↑ Nové muzeum odvypráví příběh zaniklého armádního letiště nedaleko Žatce auf idnes.cz (tschech.) (abgerufen am 23. September 2025)
- ↑ Československá letadla v Izraeli (tschech.) (abgerufen am 23. September 2025)
- ↑ Luftbrücke Saaz-Ekron Sommer 1948, Operation Navot (abgerufen am 23. September 2025)
- ↑ Zdeněk Klima: Luftbrücke Saaz–Ekron Sommer 1948 – Operation „Balak“ (abgerufen am 23. September 2025)
- ↑ Hotel Stalingrad – Israels Rettung 1948. Teil 7: Operation Balak (abgerufen am 23. September 2025)
Koordinaten: 50° 22′ 15″ N, 13° 35′ 23″ O