Milena Aboyan

Milena Aboyan (armenisch Միլենա Աբոյան; geboren 1992 in Jerewan[1]) ist eine jesidisch-kurdische Filmregisseurin und Drehbuchautorin.

Leben und Wirken

Milena Aboyan wurde in Armenien geboren, ist jesidische Kurdin und kam als Kind mit ihren Eltern nach Deutschland.[2] Milena Aboyan studierte u. a. an der Filmakademie Baden-Württemberg und ihr Diplomfilm Elaha lief in der Reihe Perspektive Deutsches Kino und hatte seine Weltpremiere im Rahmen der 73. Internationalen Filmfestspiele Berlin.[3][4] Elaha wurde auf dem 75. Locarno Filmfestival als eines von sechs Projekten für die First Look-Sektion des Festivals ausgewählt.[5]

Das Drama erzählt die Geschichte einer jungen Deutsch-Kurdin, die in einem konservativen Familienumfeld lebt und kurz vor ihrer Hochzeit steht. Der Film thematisiert die Konflikte zwischen traditionellen Werten und persönlicher Freiheit, indem Elaha mit den Erwartungen ihrer Familie und der Gesellschaft ringt, insbesondere im Hinblick auf ihre „sexuelle Reinheit“ und Unabhängigkeit. In einer Schlüsselszene wird Elaha von den Eltern ihres Verlobten gedrängt, sich medizinisch auf ihre Jungfräulichkeit hin untersuchen zu lassen, was die absurden Erwartungen an Frauen in ihrem Kulturkreis verdeutlicht. Aboyan beleuchtet durch die Augen ihrer Protagonistin die innerliche Zerrissenheit und den Kampf um Emanzipation, wobei der Film auch kritisch die Perspektiven der Mehrheitsgesellschaft hinterfragt und für weibliche Selbstbestimmung plädiert.[6]

Im Anschluss an Elaha inszenierte Aboyan den Stuttgarter Tatort „Überlebe wenigstens bis morgen“,[7] erneut mit der Schauspielerin Bayan Layla in der Episodenhauptrolle, die bereits in Elaha die titelgebende Figur verkörpert hatte.

Filmografie (Auswahl)

  • 2016: Die Vertreibung der Elefanten (Kurzfilm) – Drehbuch
  • 2018: Was bleibt (Kurzfilm) – Drehbuch
  • 2018: Der Greteltrick (mittellanger Film) – Drehbuch und Regie
  • 2018: Sonne scheint über August (Kurzfilm) – Drehbuch
  • 2021: Süsser Sommer (Kurzfilm) – Drehbuch
  • 2023: Elaha – Drehbuch und Regie
  • 2024/2025: Wovon sollen wir träumen
  • 2025: Tatort – Überlebe wenigstens bis morgen

Auszeichnungen

Einzelnachweise

  1. Milena Aboyan filmportal.de. Abgerufen am 27. Februar 2023.
  2. Milena Aboyan. In: www.filmportal.de. Abgerufen am 24. Februar 2023.
  3. ELAHA von Milena Aboyan feiert Weltpremiere auf der Berlinale. In: filmbuerobw.de. 13. Februar 2023, abgerufen am 24. Februar 2023 (deutsch).
  4. Michael Meyns: Filmreihe „Perspektive Deutsches Kino“: Riecher für Talente. In: Die Tageszeitung: taz. 19. Februar 2023, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 23. März 2023]).
  5. MFG-geförderter Spielfilm bei Locarno Pro prämiert. In: mfg.de. Abgerufen am 23. März 2023 (deutsch).
  6. Jens Balkenborg: Regiedebüt von Milena Aboyan: Die klinisch restaurierte Unschuld. In: freitag.de. 23. November 2023, abgerufen am 25. November 2023.
  7. Überlebe wenigstens bis morgen - Tatort - ARD | Das Erste. Abgerufen am 22. November 2025.
  8. Vor dem Anfang gewinnt den Emder Drehbuchpreis. In: www.filmfest-emden.de. Abgerufen am 28. Februar 2023.
  9. Erste Preisträgerin beim 33. Internationalen Filmfest Emden-Norderney steht fest. Die Regisseurin Milena Aboyan wird mit dem „Norderneyer Engel 2023 – Integrationspreis der Insel Norderney“ ausgezeichnet. In: filmfest-emden.de. 29. Mai 2023, abgerufen am 7. Juni 2023.
  10. a b Preise beim Internationalen Filmfest Emden-Norderney vergeben. In: NDR. 12. Juni 2023, abgerufen am 12. Juni 2023.
  11. Andreas Bender: Heimat Europa Filmfestspiele Simmern: "Edgar" geht an "The Quiet Girl" - Rhein-Hunsrück-Kreis - Wochenspiegel. 24. August 2025, abgerufen am 24. August 2025 (deutsch).
  12. Heike Angermaier Blickpunkt:Film: New Faces Award-Gewinnerin Milena Aboyan zu "Elaha": "Themen, die uns als Gesellschaft fordern"". Abgerufen am 22. November 2025.
  13. M. F. G. Filmförderung: MFG-Star | MFG Filmförderung. Abgerufen am 22. November 2025 (deutsch).
  14. Ödön-von-Horváth-Gesellschaft: Ödön-von-Horváth-Preisträgerinnen bekanntegeben. 3. Juni 2025, abgerufen am 14. November 2025 (deutsch).