Michio Ihara

Michio Ihara (japanisch 伊原 通夫 Ihara Michio; * 1928 in Paris, Frankreich; † 1. Juni 2025 in Canton[1]) war ein international tätiger japanisch-amerikanischer Bildhauer, der konstruktivistische und kinetische Skulpturen schuf. Ihara lebte und arbeitete seit den 1970er Jahren in Massachusetts, USA.[2]

Leben

Michio Ihara wurde 1928 in Paris geboren und wuchs später in Japan auf. 1953 erwarb er den B.F.A. in Ölmalerei an der heutigen Universität der Künste Tokio. Er begann seine künstlerische Laufbahn als Maler, wie bereits sein Vater, bevor er 1960 mit einem Fulbright-Stipendium in die USA ging, um am Massachusetts Institute of Technology (MIT) bei dem ungarisch-amerikanischen Künstler und Theoretiker Gyorgy Kepes im Department of Architecture zu studieren. Dort begann Ihara, dreidimensionale Arbeiten aus Metall zu entwickeln. Seine frühen Arbeiten entstanden in Japan, wo er mehrere großformatige Installationen realisierte. Ab 1966 arbeitete er als Lehrender an der Musashino Art University in Tokio, 1970 zog er mit seiner Familie nach Massachusetts in die USA. Ab etwa 1981 arbeitete er in einem Studio in Concord, Massachusetts. Im Jahr 2001 erwarb er die US-Staatsbürgerschaft.[2]

Werk

Michio Ihara ist vor allem für seine großformatigen, skulpturalen Arbeiten bekannt, für die er häufig metallische Materialien wie Edelstahl, Kupfer, Messing oder Aluminium verwendet. Seine Werke zeichnen sich durch modulare Strukturen, Raum- und Bewegungsbezüge sowie Wind- oder Lichtwirkungen aus. Seine Werke bewegen sich an der Schnittstelle von Architektur und Bildhauerei und verfolgen die Idee einer integrativen Gestaltung von Raum, Bewegung und Licht. Sein Ansatz beruht auf einer modularen Denkweise: wiederkehrende Einheiten im Raum, die sich kombinieren lassen und mit Licht, Luft, Material und Bewegung interagieren. Michio Ihara selbst betonte, dass seine Skulpturen nicht primär auf aggressive monumentale Wirkung setzen, sondern auf eine Leichtigkeit, Durchlässigkeit und räumliche Kohärenz.[3]

Beispiele bedeutender Arbeiten:

  • Ein zentrales Werk ist die Skulptur Light and Movement (1978), die im Auftrag von Nelson Rockefeller für die Lobby des International Building im Rockefeller Center in New York entstand. Innerhalb von zehn vertieften Wandfeldern an den Nord- und Südseiten des Foyers installierte Ihara rund 1600 rechteckige, vergoldete Metallblätter, die an vertikalen Kabeln aufgehängt sind. Das Werk verzichtet auf gegenständliche Darstellung und erinnert in seiner Struktur an natürliche Phänomene wie Wind oder Lichtbewegungen. Das Werk wurde ursprünglich mit Ventilatoren ausgestattet, die die Metallblätter leicht in Bewegung versetzten, doch dieser Mechanismus wurde später aufgrund von Staubentwicklung stillgelegt. Die kinetische Wirkung des Werkes entsteht dennoch durch das Spiel von Licht und durch die Bewegung der Betrachter im Raum. Jedes der Elemente besteht aus Edelstahl, der zunächst mit Kupfer und anschließend partiell mit Gold beschichtet wurde, wodurch auf der Oberfläche fein differenzierte metallische Strukturen entstehen.[3]
  • Eine weitere kinetische Skulptur ist der Wind Tree in Auckland, Neuseeland. Bei dieser Skulptur verbinden sich Bewegung, Wind und lichtreflektierende Elemente.
  • Es gab zahlreiche Einzelausstellungen, unter anderem bei der Concord Art Association, in Los Angeles (Ankrum Gallery) und in New York (Staempfli Gallery), sowie eine Teilnahme an internationalen Symposien in Neuseeland.

Michio Ihara betonte, dass Intuition, Planung und Berechnung eine Einheit in seinem Schaffensprozess bilden. Er entwarf seine Arbeiten stets in direkter Auseinandersetzung mit dem jeweiligen architektonischen Raum und berücksichtigte dabei Proportionen, die Bewegung von Menschen, Beleuchtung und Materialien. Seine Skulpturen entstanden häufig aus modularen Systemen, die er zunächst zeichnerisch komponierte und dann räumlich umsetzte.

Der Galerist George Staempfli beschrieb Ihara wie folgt: „Er arbeitet mit Edelstahl, mit Messing und Kupfer, aber vor allem arbeitet er mit dem Raum.“ Ihara selbst bezeichnete den Raum zwischen den Materialien als zentrales Element seiner Kunst.

Literatur

  • George W. Staempfli: Michio Ihara: new sculpture and models for architectural commissions. Staempfli Gallery, New York, N. Y., 1980.
  • Christine Roussel, The Art of Rockefeller Center, New York, 1985. ISBN 9780393060829

Einzelnachweise

  1. Michio Ihara Obituary. In: Wicked Local. 14. Juni 2025, abgerufen am 18. Dezember 2025 (englisch).
  2. a b michioihara.com. Abgerufen am 1. November 2025.
  3. a b Rockefeller Center. Abgerufen am 1. November 2025 (englisch).