Micheál Mac Liammóir
Micheál Mac Liammóir, Geburtsname: Alfred Lee Willmore, (* 25. Oktober 1899 in London; † 6. März 1978 in Dublin) war ein britisch-irischer Autor, Bühnenbildner, Dramaturg, Illustrator, Maler, Schauspieler und Theaterregisseur.
Leben
Mac Liammóir der einzige Sohn und das jüngste von fünf Kindern des Futtermittelhändlers Alfred George Willmore (1863–1934) und dessen Frau Mary Elizabeth (geborene Lee; 1867–1918). Beide Eltern stammten aus London. Die Angaben zu seinem Geburtsort variieren teilweise ist die Adresse Purves Road 150, Willesden, Nordwest London[1] oder als Geburtsort Cork angegeben,[2] denn in seiner ausgeschmückten Autobiografie All for Hecuba, die im Jahr 1946 erschien, behauptete er, dass er in dort geboren wurde und mit seiner Familie in jungen Jahren nach Großbritannien ausgewandert sei. Er wuchs jedoch von Geburt an in England auf und besuchte eine örtliche staatliche Schule in London sowie die eine Emma Field geleitete Kindertheaterakademie und betrat bereits als Kind als Teil des Theaterensembles von Noël Coward die Theaterbühne. Seine Ausbildung zu einem professionellen Schauspieler erhielt er im Alter von zwölf Jahren durch seine ältere Schwester Marjorie Willmore (1894–1970), die ihn auch auf Begleiterin auf mehreren Tourneen begleitete, bei denen sie auch nach Dublin, Belfast und Cork reisten. Ab 1911 trat er unter dem Namen Alfred Willmore auf britischen Bühnen und in Filmen wie Knocknagow, nach einer Novelle des irischen Schriftstellers Charles Kickham, auf. Die Filme, in denen er als Jugendlicher mitgespielt hatte, gingen verloren.[1]
Er war ein begabter Aquarellist und Zeichner und begann im Alter von fünfzehn Jahren ein Kunststudium am Kilburn Polytechnic (College of North West London) und wurde 1915 an der Slade School of Fine Art des University Colleges London aufgenommen, wo er Malerei studierte. Geoffrey Rooke-Leigh, der ihm sein Studium finanzierte, machte ihn auf die Werke von William Butler Yeats aufmerksam. Gemeinsam mit Mary O’Keefe besuchte er Irischkurse an Ludgate Circus branch of the Gaelic League.[1]
Zeit in Irland
Beide interessierten sich insbesondere für die keltische Renaissance. Im März 1917 reiste er gemeinsam mit Mary O’Keefe und deren Mutter nach Irland, da Mary an einer Tuberkuloseerkrankung litt. Möglicherweise versuchte er sich dadurch einer bevorstehenden Einberufung zum Militärdienst zu entziehen. Im Ersten Weltkrieg nahm er in Irland den Künstlernamen Micheál MacLiammóir an. Den Rufnamen wählte er als Anspielung auf seine Rolle des Michael in Peter Pan; or, The Boy Who Wouldn’t Grow Up von J. M. Barrie. Der Nachname war eine gälisierte Form seines Familiennamens Willmore. Er verdiente seinen Lebensunterhalt bescheiden mit freiberuflichen Zeitungs- und Buchillustrationen.[1]
Noch bevor er 20 Jahre alt war, schrieb und illustrierte er das Kinderbuch Faery nights, das 1922 gedruckt wurde und das von den Nächten der vier wichtigen alten irischen Feste (St. Brigid’s Eve, May Day Eve, St. John’s Eve und Hellowe’en) erzählt. Er illustrierte auch Geschichten von Daniel Corkery (1878–1964) und Pádraic Ó Conaire (1882–1928) und nahm gelegentlichen Film- und Theaterrollen an. Zudem knüpfte er nützliche Kontakte in der Dubliner Kunst- und Theaterszene. Er lebte im Cottage der O’Keefes und stellte seine Werke erfolgreich in lokalen Galerien und 1923 auch in der Leigh Gallery in London aus. Nach Marys Tod kehrte Mac Liammóir 1927 ans Theater zurück und schloss sich der Gruppe von Anew McMaster (1891–1962) an, dem Ehemann seiner Schwester Marjorie.[1]
Im Jahr 1927 lernte er auf einer Frühjahrstournee durch Irland den Schauspieler Hilton Edwards kennen, der sein langjähriger Lebensgefährte wurde. In Dublin spielten beide am Abbey Theatre und gründeten 1928 gemeinsam das Gate Theatre Studio, das in den ehemaligen Versammlungsräumen des Rotunda Hospitals untergebracht war und das 1930 in Gate-Theater umbenannt wurde. Dort agierten sie gemeinsam als Schauspieler und Theaterregisseure. Mac Liammóir war zudem als Bühnenbildner vieler Theaterstücke tätig und verfasste als Autor und Dramaturg verschiedene Werke oder entwarf Kostüme. Das Theater geriet bald in finanzielle Schwierigkeiten und konnte nur gerettet werden, als Edward Pakenham, Earl of Longford, im Dezember 1930 Anteile des Unternehmens aufkaufte. MacLiammóir nahm zugleich eine Teilzeitbeschäftigung als Produzent und Bühnenbildner für das 928 gegründete irischsprachige Theater Taibhdhearc na Gallaimhe an. So schrieb, entwarf und inszenierte er 1928 Diarmuid agus Gráinne, die erste Produktion für die Bühne des Taibhdhearc Theatre. Seine fantasievollen Bühnen- und Kostümentwürfe, die er bis 1938 gestaltete, trugen schnell zum Erfolg des Gate Theatre bei. Mac Liammóir entwarf bis 1968 Bühnenbilder für fast 200 Produktionen.[1]
Internationale Karriere
Nach dem Zweiten Weltkrieg wirkte Mac Liammóir beim Fernsehsender National Broadcasting Company in der Produktion Great Catherine mit Gertrude Lawrence. Zudem war er 1951 in Shakespeares Theaterstück Othello zu sehen und produzierte die Geistergeschichte Rückkehr nach Glennascaul. In der Filmproduktion von Orson Welles’ Othello spielte er den Iago. Über die chaotischen Dreharbeiten schrieb er später das Buch Put Money In Thy Purse. 1953 war er im Film King Lear von Orson Welles im CBS zu sehen.
1960 trat er im Gaiety Theatre mit seinem Soloprogramm The Importance of Being Oscar über das Leben von Oscar Wilde auf, das er selbst geschrieben hatte. Damit kam er ins West End und an den Broadway und anschließend zwischen 1961 und 1975 weltweit in über hundert Städte. Sein zweites Soloprogramm war I Must Be Talking to My Friends, das international fast ebenso erfolgreich war und oft im Wechsel mit „Oscar“ aufgeführt. Auch mit seinem Programm Talking About Yeats (1965), das einer Vorlesung ähnelte, gastierte er weltweit in zahlreichen Universitätstheatern.[1]
Mac Liammóirs Leben diente als Vorlage zu dem Stück The Importance of Being Micheál von John Keyes.
Ehrungen (Auswahl)
- 1962: Ehrendoktorwürde der Universität Dublin (LLD honoris causa)
- 1964: irischer Fernsehpreis Jacobs Award für seine verfilmte Show The Importance of Being Oscar
- 1973: Gemeinsam mit Edwards wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Dublin ernannt
- 1999: Druck einer irischen Briefmarke mit Bild von Mac Liammóir
- Gregory-Medaille für irische Literatur der Royal Irish Academy (RIA)
- Marjorie Fitzgibbon schuf eine Bronzebüste für das Gate Theatre
Rollen (Auswahl)
Filmrollen
- 1924: Land of Her Fathers John Hurley[3]
- 1970: Der Brief an den Kreml (The Kremlin Letter)
- 1971: Was ist denn bloß mit Helen los? (What’s the Matter with Helen?)
Theaterrollen
- The goldfish and The fly-away land 1911, Emma Field
- als Macduffs Sohn in Macbeth in His Majesty’s Theatre in London.
- bis 1914 als Michael in Peter Pan im Duke of York’s Theatre.
- Sommer und Herbst 1912 als Oliver Twist in Oliver Twist nach Charles Dickens.
- Sommer 1913: als Benjamin in Joseph and his brethren (‚Joseph und seine Brüder‘) von Louis Napoleon Parker.
- A Midsummer Night’s Dream im Gaiety Theatre in Dublin
- 1917: Blight von Oliver St. John Gogarty im Abbey Theatre.
- Robert Emmet in The old lady says “No!” von Denis Johnston.
- Larry Doyle in John Bull’s other island von George Bernard Shaw.
- Heathcliffe in Wuthering Heights.
- Martin in Where stars walk (Uraufführung 1940 im Gaiety Theatre).
Werke (Auswahl)
Bücher
- All For Hecuba. An Irish Theatrical Autobiography. Methuen, London 1947.
- Put Money In Thy Purse. 1952 (entstanden im Zusammenhang mit den Dreharbeiten zur Verfilmung des Othello von Orson Welles).
- Ceo Meala Lá Seaca. 1952 (Prosagedichte).
- Oícheanna Sidhe.
- Lá agus Oíche.
- Aisteoirí Faoi Dhá Sholas. 1956.
- Each Actor On His Ass. 1961.
- The importance of being Oscar. Dolmen Press, Oxford University Press, Dublin 1963 (archive.org – Leseprobe).
- Theatre in Ireland. Dublin 1964 (archive.org – Leseprobe, eine historische Studie erschien im Auftrag des irischen Außenministeriums).
- mit Edwin Smith: Ireland. Weathervane Books, New York 1966 (archive.org – Leseprobe).
- Bláth agus Taibhse.
- An Oscar Of No Importance – being an account of the author's adventures with his one-man show about Oscar Wilde. Heinemann, London 1968 (archive.org – Leseprobe).
- mit Eavan Boland: W.B. Yeats and his world The Viking Press, New York 1972 (archive.org – Leseprobe).
- Enter A Goldfish. 1977.
- Faery nights = Oídhcheanta sídhe : stories on ancient Irish festivals (= Lucky tree books for Children. 3) O’Brien Press, 1987, ISBN 0-86278-133-7 (englisch, irisch archive.org – Leseprobe, Text und Illustrationen).
Theaterstücke
- Dancing Shadow 1941
- Diarmuid and Grainne / Diarmuid agus Gráinne
- Ill Met By Moonlight 1946
- Portrait of Miriam 1947
- Oíche Bealtaine
- Where Stars walk
- The Mountains Look Different 1948
- The Importance of Being Oscar (Ein-Personen-Stück)
- I Must Be Talking To my Friends (Ein-Personen-Stück)
- Talking About Yeats (Ein-Personen-Stück)
- Prelude in Kasbek Street 1973
Literatur
- Christopher Fitz-Simon: The Boys: A Double Biography.
- John Barrett: Selected plays of Micheál mac Liammóir (= Irish Drama Selections. Band 11). Catholic University of America Press, Washington, DC 1998, ISBN 0-8132-0888-2 (englisch, Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
- Christopher Fitz-Simon: MacLiammóir, Micheál. In: The Dictionary of Irish Biography. Royal Irish Academy, 2009, doi:10.3318/dib.005053.v1 (dib.ie – Stand Oktober 2009).
- Eibhear Walshe: MacLiammóir, Micheál [formerly Alfred Lee Willmore]. In: Henry Colin Gray Matthew, Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography, from the earliest times to the year 2000 (ODNB). Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 0-19-861411-X; doi:10.1093/ref:odnb/55445 (Lizenz erforderlich), Stand: 6. Januar 2011.
Weblinks
- Micheál MacLiammóir. In: Encyclopædia Britannica. (englisch).
- Micheál MacLiammóir (1899–1978) ricorso.net (englisch)
- Mac Liammóir: The Man Who Brought Irish Theatre to Life antaibhdhearc.com (englisch)
- Micheál MacLiammóir bei IMDb
- Mac Liammóir, Micheál (1899–1978) ainm.ie (irisch)
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g Christopher Fitz-Simon: MacLiammóir, Micheál. In: The Dictionary of Irish Biography. Royal Irish Academy, 2009, doi:10.3318/dib.005053.v1 (dib.ie – Stand Oktober 2009).
- ↑ Mac Liammóir, Micheál (1899–1978) ainm.ie (irisch).
- ↑ Anthony Slide: The cinema and Ireland. McFarland, Jefferson, N.C. 1988, ISBN 0-89950-322-5, S. 18 (englisch, Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).